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Dienstag, 11. Januar 2011

leben, tod und alles dawischen

weil ich viel zu verarbeiten habe, muss ich es nun niederschreiben. so hat jedes der letzten fünf jahre mir mindestens einen menschen genommen (und nun auch den hund) – und mir vorallem die erinnerung dagelassen. die erinnerungen sind alle da, die menschen nicht mehr. sie sind zwar nur nach nebenan gegangen. doch solange ich dort (noch) nicht hingehen kann, solange mein puls noch schlägt, fühle ich mich hier auf dieser welt einfach etwas verwaist. auch wenn ich spüre, dass die liebe wirklich niemals aufhört.. auch über den tod hinaus bleibt sie bestehen!

es gibt für mich eben noch andere "räume", "aggregatszustände","möglichkeiten"  als das was wir als "jetzt" und "leben" oder "jenseits" und "tod" ansehen. es ist nicht einfach 1 und 0, on und off wie beim computer.. es ist, als wären es viele wohnungen, ebenen in einem grossen haus. kein fest gebautes haus, eher ein symbolisch gemeintes... und diejenigen die gegangen sind, sind eben in einer anderen wohnung, sozusagen im raum nebenan.

dass im herbst und die ahnen näher rücken und den winter über da bleiben.. ist für mich keine floskel. ich spüre ihre nähe, fühle mich wirklich begleitet und manchmal sogar getragen. alle die vorausgegangen sind, gehören dazu. ich bin verbunden. ich fühle mich vorallem von meiner oma begleitet. und ich muss darüber schreiben, auf die gefahr hin, andere damit zu erschrecken. denn wer stellt sich schon freiwillig tod, schmerz und trauer? lieber wegschieben solange es geht. auch ich fliehe oft den schmerz anderer und wenns nicht mehr geht, schicke ich, schickt man sich da hinein, oder auch nicht... wobei ich das langsame sterben oder das kranksein anderer immer noch schlecht ertrage. es braucht für mich viel energie. weil ich mich dagegen wehre, eingreifen will, oder den eindruck habe, meine eigene energie dabei zu verlieren, ich schlage leck..

und doch ... mein lebensfaden scheint sich durch das leid immer mehr zu verzwirnen, durch eigenes und fremdes. der lebensfaden wird stärker und wahrhaft tragend. trauern, weiterleben, aufgeben, toben, niederfallen, aufstehen, lachen, innehalten, danken, fluchen, beten, jubeln – mir ist manchmal nach allem zugleich. es ist seltsam, dieses erdenleben!

es ist zu leben dieses leben. mit allem. es ist möglich. und für mich gehört auch demut dazu. (Ha! dass ich dieses wort einmal verwenden würde, hätte ich nie niemals geglaubt! ) ... es hat diesen komischen nachgeschmack eines missbrauchten wortes. demut heisst für mich nicht, mich unterwürfig, passiv und völlig hilflos allem hinzugeben. demut heisst für mich, mir einzugestehen, dass es dinge und geschehnisse gibt, die ich nicht verstehen und nicht beeinflussen kann, die ich als mensch nicht überblicken kann. weil sie zu gross für mich sind. und der tod und was danach kommt, gehört da mit dazu.

und damit lebe ich am leichtesten, wenn ich mich nicht ständig gegen alles auflehne – (sonst ersaufe ich) – sondern dass ich mich in den fluss hineinnehmen lasse, mich einlasse auf die stete bewegung von allem was ist. vertrauensvoll. lebendig. fürsorglich mit mir selbst.

"es wird schon gut sein."

und mit diesem satz gebe ich mich wieder mitten in den fluss des lebens...

Kommentare:

  1. wieso jemanden damit erschrecken?
    diese gedanken - endlich mal etwas außerhalb von kätzchen-hei-tei-tei-blogartikeln. danke dafür und gruß von einer, die`s auch nebenan hat...

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  2. Liebe Anne,ich hab jahrelang in dieser Jahreszeit der Totenehrung ganz bewußt an meine vielen Verstorbenen gedacht,ihnen kleine Bilder gemalt ,Geschichten von ihnen aufgeschrieben ,einfach die Erinnerungen gepflegt.
    Das hat gut getan,ich weiß nicht warum ich damit aufgehört habe.Vielleicht ein Überdruß an Beschäftigung mit dem Tod im täglichen Leben(ich verkaufe Grabsteine)-jedenfalls hab ich seither sehr seltsame Träume in denen die Verstorbenen nicht auf angenehme Art bei mir erscheinen.
    Sicher nicht einfach dies ins normale Leben zu integrieren,aber es lohnt sich.
    Wie deine Oma ist für mich der Großvater:er wurde hundert Jahre alt und er ist immer noch öfters bei mir!
    Liebe Grüß' Stela

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  3. danke für eure kommentare! bei mir ist da immer noch eine hemmschwelle beim schreiben und reden über den tod. obwohl es mich oft bewegt.

    @wildgans: du ermutigst mich!(kätzchencontent könnte ich mangels kätzchen gar nicht bieten ;)

    @stela: die rituale hören sich wundervoll an! ich kann mir schon vorstellen, dass die ahnen nun etwas erbost sind und dich in deinen träume stören, hatten sie sich doch ans gefeiert-werden gewöhnt :) du inspirierst mich, selber mehr in der richtung zu machen!

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  4. Es ist einfach so, daß in dieser Gesellschaft und in dieser Zeit das Thema Krankheit, das Sterben und der Tod weiterhin und eher noch mehr als früher starke Tabu-Themen sind.
    Das ist ziemlich verrückt, da wir ALLE unausweichlich früher oder später sterben werden.
    Mich beschäftigt dieses unfassende "Thema" Angst, Sterben, Verlust und Tod schon immer und ich lerne und lerne.

    Ich kenne das mit dem "nicht erschrecken wollen" im Blog. Ich überlege schon sehr genau, was ich in meinem Blog über meine Krankheit (Fibromyalgie) schreibe oder das ich im Hospiz gearbeitet habe. Das ich Menschen begleite.
    "Hast Du als junge Frau nichts anderes zu tun? Such Dir ´nen netten Mann."

    Ich finde es "erfrischen" und ehrlich eben "andere" Blogeinträge zu lesen. Menschen, bei denen es (nach außen) immer alles nur Friede, Freude, Eierkuchen ist langweilen mich im Netz manchmal total ab.

    Hinschauen, was es auch im Leben gibt. Immer geben wird.
    Dabei allerdings das Schöne nicht aus den Augen verlieren.

    Irgendwo las ich einmal, daß man in sich selbst einen so großen inneren Raum erschaffen kann, wo einfach alles, absolut alles, schlicht Platz hat. Nebeneinander stehen bleiben kann.
    Alles gleich viel wert ist.
    Und auch die Toten haben einen Platz in diesem Raum. Oder in einem Raum neben an.
    Schönes Bild, planet 112
    Lieben Gruß
    Oona

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