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Mittwoch, 1. Juni 2011

Liebe/Lust/Gewalt

Schon einen passenden Titel zu finden stellt sich als schwer heraus. Ich belasse es bei dieser Variante.

Die Fälle Kachelmann und Strauss-Kahn beschäftigen mich. Alle wissen Bescheid und haben doch keine Ahnung. Mir gehts auch so. Trotzdem beschäftigts mich und ich werde meine Gedanken dazu festhalten, auch wenn ich noch nicht "durch" bin damit und mir so vieles durch den Kopf geht und mitunter eben sehr widersprüchliches.

Fall Strauss-Kahn: Hier ein Mann, der sich scheinbar für unwiderstehlich hält und auch das Geld dazu hat, das auszustrahlen. Manchmal nützt auch das Geld nichts. Er will herrschen, nimmt sich was und wen er will, ohne jegliches Schuldbewusstsein. Die Frau als Objekt. Da ist dieser uralte Machismo. Und auch das ebenso alte Klischee. Frauen sollen sich "nicht so anstellen". Aussagen wie "sie hat es doch auch gewollt" sind als Entschuldigung sexueller Gewalt immer noch üblich. Ich bin froh, dass das heute bestraft wird.

Trotzdem, der Fall ist für mich nicht eindeutig. Die mediale Inszenierung passt zeitgenau in politische Ränke. Und das ist das, was mich daran stört, von der sexuellen Gewalt abgesehen. Wenn die Franzosen den Amerikanern Puritanismus vorwerfen, macht auch das Sinn. Es kommt ans Tageslicht, was die Menschen wirklich bewegt.

Wieviel Sexismus allein schon in der Diskussion steckt, bringt der Artikel von Magda von der Mädchenmannschaft auf den Punkt. Darum fühle ich mich auch gehemmt, darüber zu schreiben, die Fettnäpfchen lauern überall …

Oversexed and underfucked … könnte den allgemeinen Zustand am ehesten beschreiben. Sex ist überall und nirgends. Ich glaube viele sind heutzutage verunsichert. Das soll nichts entschuldigen. (Das muss ich, der politischen Korrektheit halber, auch gleich noch schreiben, obwohl ich diese Korrektheit auch im Verdacht habe, eine falsche Sache zu sein – aber Schwamm drüber … )

Fall Kachelmann: Wer kennt sich in einem solchen medial aufgeheizten Wirrwarr aus? Die (sexuelle) Grenze liegt für mich genau dort, wo einer von beiden sich verletzt fühlt. S/M ist ok, solange es für beide stimmt. Doch wie schnell enden auch "normale" (Gänsefüsschen!) Beziehungen in einem totalen gegenseitigen Kollateralschaden? Im Verletzen, da stehen die Frauen den Männern in nichts nach. Ist es nicht auch weiblich, subtil oder weniger subtil, Rache auszuüben für enttäuschte Liebe, Eifersucht, verletzten Stolz? Ist nicht auch das uralt? Wobei ich mir keineswegs die Zeiten zurückwünsche, in denen Frau, ohne negative Konsequenzen für den Täter, betatscht und "genommen" werden durfte.

Für mich gibts in diesem Fall keine Eindeutigkeit, eigentlich in beiden Fällen nicht. Auf jeden Fall wurden Grenzen überschritten, mich kotzt es an, wenn Menschen so sehr von sich überzeugt sind, dass sie andere zu ihrem Objekt machen. Ob im Sexuellen oder sonst. Es ist viel Heuchelei im Spiel, bei beiden Geschlechtern.

Was alles unter dem Label "Liebe" unter Menschen läuft, ist manchmal das Seltsamste und Traurigste überhaupt.

Hier bei Wildgans habe ich den passenden Satz dazu gefunden:

Die Gewalt fängt nicht an
wenn einer einen erwürgt
Sie fängt an
wenn einer sagt:
„Ich liebe dich:
Du gehörst mir!“

Erich Fried

Kommentare:

  1. Danke für den Post!
    Gruß
    OOna

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  2. Mein erster Gedanke zu der Strauss-Kahn Story war: Hut ab vor der Hotelangestellten und ihr alles Gute!

    Gruss Sam

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  3. @oona
    danke für den kommentar. ich wusste nicht recht, ob ich wirklich meinen senf dazugeben soll. bin froh habe ich es getan.

    @sam
    ich habe mir auch überlegt, wie es der frau wohl jetzt geht.

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  4. Mal unbesehen,dass dieser Strauss-Kahn ein berüchtigter Frauenbelästiger und Widerling ist-es hat mir einfach zu vielen Leuten verdammt gut ins politische Konzept gepasst,dass er festgesetzt wurde.Und die Story ist sowas von unglaubwürdig.In diesem Hotel dürfen z.B. die Zimmermädchen nur zu zweit aufs Zimmer.Ein alter Mann,der sich alle Sexunterwerfungsspiele und Perversionen erkaufen könnte vergewaltigt rein triebgesteuert ein Zimmermädchen(oral?) wohl wissend,dass seine Karriere damit beendet ist?Sorry ich glaub' das nicht.Genausowenig wie die Geschichte von Kachelmann oder Assange,auch wenn ich die wirklichen Gründe für deren Verhaftungen nicht kenne.Ich fürchte bei entsprechender Bezahlung sind auch die Opfer käuflich,es scheint ein wirksames Mittel unserer Zeit zu sein,einen( politischen)Gegner zu entmachten.
    Natürlich bin auch ich froh,dass wir Frauen uns keinerlei sexuelle Übergriffe mehr von niemandem gefallen lassen müssen,aber das ist eine ganz andere Geschichte...nachdenkliche Grüsse, Stela

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  5. @stela
    um genau das ging es mir in meinem text. für mich ist das schwer durchschaubar, da vermischen sich zu viele interessen. so simpel wie es aussieht, ists oft nicht. wars doch noch nie, wenn man sich die geschichte und geschichtsklitterung anschaut! ich traue auch diesen empörungswellen nicht (mehr) die sich daraus dann jeweils ergeben.
    die errungenschaften der weiblichen emanzipation haben da nur am rande eine rolle. da gehts noch um ganz andere dinge ..

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  6. Anne ich bin auch froh,dass du mich richtig verstanden hast.
    Es hat sich so ein unguter Geist breitgemacht,der jegliches nichtkonforme Zweifeln oder Nachfragen sofort in eine Ecke drängt:wagst du zu kritisieren was den Palästinensern in Israel angetan wird bist du sofort zum Antizionisten abgestempelt,stellst du demn Wahrheitsgehalt dieser Kahn Affaire infrage bist du antifeministisch und so weiter...
    alles wird immer auf eine ganz andere Ebene gezogen,um die es gar nicht geht.Wir müssen da verflixt wachsam bleiben um das zu durchschauen!!
    Liebe Grüsse,Stela

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