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Donnerstag, 12. Juli 2012

Weder arm noch reich – Eigne Gedanken übers Geld (1)

Wieviel brauche ich zum Leben? Dieses Thema beschäftigt mich schon länger. Gerade habe ich eine Sendung über Armut gesehen (BR), die ich mir aufgezeichnet hatte. Das hat mich berührt und mir wieder bewusst gemacht, dass ich es gut habe, auch damit, dass meine Gesundheit sich stabilisiert hat.

Ich konnte in meinem Leben die Kurve kriegen, erst psychisch und nun sieht es auch materiell immer besser aus. Im Landesdurchschnitt bin ich immer noch bei den Geringverdienern, doch es ist i.O. für mich. Denn ich fühle mich, vor allem innerlich, reich – und immer mehr im Gleichgewicht. Ich brauche nur (noch) wenige und eher bescheidene Statussymbole um mich besser zu fühlen, neu gekaufte Kleidung ist mir zum Beispiel wichtig, schöne Schuhe.

Warum habe ich es geschafft, warum schaffen es andere nicht? Woran liegt es? Und ich meine was heisst überhaupt "es geschafft haben"?! Wer bestimmt das und woran zeigt sich ein "erfolgreiches" Leben? Ist das was Materielles?

Warum können manche Menschen ihr Geld nicht geniessen, obwohl sie viel davon haben? Ich glaube, wer sich als zu kurz gekommen ansieht oder fühlt, der wird sich nie sicher und reich genug vorkommen. Wer in Zeiten und Umständen des Mangels gross wurde, sei er nun seelischer oder materieller Natur, fühlt sich vielleicht noch stärker benachteiligt oder bedroht vom "Zuwenighaben".

Wenn die materiellen Grundbedürfnisse gedeckt sind, man ein Obdach und medizinische Betreuung hat, wenn nötig, dann ist Armut durchaus auch eine Frage der Definition. Ich erschien mir arm, als ich Sozialhilfe bezog, weil ich anders nicht mehr weiterkam. Doch ich fühlte mich vor allem deswegen arm, weil ich von vorher gewohnt war, dass ich Daheim alles hatte und andere, nämlich meine Eltern, für mich sorgten – und weil mir in meinem Leben die Perspektive fehlte und unter ständiger Angst litt …

Das "Existenzminum" ist ein schwammiger Begriff und wird je nach Zuständigkeit anders definiert, ich glaube, es wird von Menschen festgesetzt, die nie damit auskommen mussten. Punkt.

Das Existenzminum der Sozialhilfe ist, gemessen am schweizerischen Durchschnitts-Leben, sehr wenig, wenn man davon leben muss und sich anderes gewöhnt ist. Andereseits gibt es Länder, in denen jeder einfach selber schauen muss, da es schlicht keine staatlich organisierte Hilfe gibt!

Alle diese Gedanken, Empfindungen und Erfahrungen aus den letzten Jahren bewegen mich, nun, da ich mich selber finanzieren kann. Ich bin dankbar dafür, dass ich in einem Sozialstaat lebe. Und doch zweifel ich manchmal dran, ob das was alles in meinem Land gerade läuft, auch der Druck im Arbeitsleben, das Wort "sozial" überhaupt verdient …

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