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Samstag, 31. August 2013

Leistung bis zum ... oder gehts auch anders?

Gedanken, Erlebnisse, Notizen zum Leistungsideal

Wie ich schon schrieb, ist es mein Ziel, meine Arbeit zu erledigen ohne selbst total erledigt zu sein. Wenn ich meine Gesundheit an die erste Stelle setzte, hab ich langfristig etwas davon und kann auch meine Arbeit zuverlässig erledigen. Im Endeffekt ist das auch für meinen Arbeitgeber interessant!
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Leider hat es fast etwas anrüchiges, gut für sich zu sorgen.
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Nur noch eben schnell was wegarbeiten ...
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Wir werden alle immer mehr zu Dienstleistern.
Wie diese Hochleistungskühe..
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Ich leiste, also bin ich!
Ists nicht so?!

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Ich bin keineswegs ein Spitzentier in der Arbeitswelt. Den Sprung von der Schulzeit in die Arbeitswelt habe ich sehr sehr lange nicht geschafft. Ich spüre meine Grenzen sehr deutlich. Wenn ich mich nicht daran halte, fahren Körper und Seele sozusagen automatisch herunter..

Ich schaffte es dann doch noch eine Ausbildung zu machen. Aber erst auf dem circa dritten Anlauf. Meine Ausbildung habe ich nicht in der freien Wirtschaft sondern in einem Ausbildungszentrum für "Menschen mit Einschränkungen" absolviert. Eine vollwertige vierjährige Lehre, aber unter entschärften Bedingungen: So hat es geklappt. Ich bin dankbar, habe ich diese staatliche Hilfe bekommen!!

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Gut zu sich zu schauen, das schaffte mein Bruder, der Verstorbene mein ich, nicht. Immer hatte er mindestens zwei Eisen im Feuer... Arbeit, Musikmachen bis spätnachts, Ausgehen und Feiern mit Freunden - und auch Trinken..                    
                                         
Ich glaube er brachte sich auch deshalb um, mit 23 Jahren, weil er bei der Arbeit unter Druck stand. Er arbeitete mit Behinderten, befand sich in der zweiten Ausbildung, zum Sozialpädagogen. Er konnte die geforderte Zeitlimite für die Pflegezeit pro Person nicht einhalten, war zu langsam und litt darunter. Dieses Gefühl kenne ich so gut, nicht mit anderen mithalten zu können.Wir haben unsere Begabungen mehr im musischen Bereich ...

Ein paar Mal riet ich ihm dazu, diese extremen Stresssituationen mit seiner Chefin zu besprechen. Riet ihm, dies unbedingt mit ihr zu klären, wie sehr ihn der Zeitdruck stresst. Ich dachte daran, er könne eventuell auch ein Attest oder etwas ähnliches anstreben, damit er in diesem Gebiet weniger unter Druck steht. Ansonsten war er sehr gut im Job, glaube ich. Er wurde auch geschätzt. Von Kollegen und Bewohnern. Eben auch wegen seiner feinen Art und der Sensibilität im Umgang mit besonderen Menschen war er geschätzt.
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Ich riet ihm dazu, sich mehr Zeit zum Erholen zu schaffen, weniger zu Saufen, und einfach Zeit für sich selber zu haben . . .Ich riet und riet ...
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Diese Hilfe zu suchen, sich selber Raum zu geben - und etwas an seinem exzessiven Lebensstil zu ändern, das hat er sich dann nicht mehr erlaubt.
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Es geht. Es geht. Es geht nicht mehr.
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Die Selbstmorde zweier Spitzenleute der Schweizer Wirtschaft, Carsten Schloter und Pierre Wauthier, werfen ein gewaltiges Schlaglicht auf dieses fragwürdige Leistungsideal. Wie lange ertragen wir es noch?! Ich glaube wir könnten es uns gar nicht leisten ...

Und das betrifft nicht nur die Spitzenleute sondern alle!

1 Kommentar:

  1. Ich schaffe viel..oft zu zuviel..doch habe ich immer letztlich noch meinen inneren Rettungsschirm, den die Liebe aufspannt ...

    Liebe Grüße Faro

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