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Freitag, 19. Mai 2017

Seifenblasen ade, hallo Menschsein!

Ich habe mal geglaubt, dass man in seinem Leben an einen Punkt kommt, ab dem es einfach nur noch läuft. Und man «es geschafft hat» und «es begriffen» hat. Dass einem ab da «nichts mehr passieren kann» oder man alle seine Krisen gemeistert hat. Weil man drüber weg ist. Es ist eine Illusion.

Wahrscheinlich wäre es auch recht langweilig so. Sollen da jetzt andere dran glauben. Auch Selbstoptimierung hat ihre Grenzen, wir sind nicht Gott, zum Glück. Menschsein reicht.

Lange habe ich mir immer irgendwelche Ziele gesetzt und gehofft, dass danach alles anders/besser/grösser ... oder was weiss ich ... ist. Ab da hätte ich mich dann gern gehabt, mich gefreut, mich gut genug gefühlt, aber vorher ... Irgendetwas Besonderes hätte es auf jeden Fall sein müssen. Gewöhnlich reicht ja nicht. Pfffffft ....

Aber jetzt habe ich keine Lust mehr, mein Leben augzusparen in der Hoffnung auf andere/bessere/farbigere Zeiten und erreichte, höchst kreative Ziele.

Eigentlich habe ich sogar immer weniger Ziele ... haha ... Und es geht mir besser dabei.

Ja, hin und wieder gibt es tatsächlich einen Höhepunkt, einige neue Erkenntnisse, mache ich etwas Besonderes, aber dann gehen die Lektionen, geht der Alltag einfach weiter. Als Mensch unter Menschen.

So empfinde ich es zumindest. Und ich finde es jetzt sogar ok. Ich weiss nicht, wovon ich vorher geträumt habe. Vom ganz grossen Leben eben. Aber die Seifenblasen sind nun weg und mein Leben ist trotzdem lebenswert.

Um mal den guten alten Rilke zu zitieren: « ... ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen ...». Manchmal sind es eben Schwimmringe am Bauch, und manchmal Augenringe, aber es geht einfach immer weiter ... Und das hat auch was Tröstliches. Es ist so ... menschlich.

Kommentare:

  1. Ich muss so schmunzeln,
    weil es mir in letzter Zeit genauso geht.
    Ich konnte das "Spießerleben" der letzten Tage so gut genießen, früher hätte ich das alles total abgewertet weil es nix besonderes/außergewöhnliches war.
    Daweil reicht mir das was war vollkommen ;))
    Beste Grüße!

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    1. Manchmal ist es eine Erleichterung, wenn eine die "ganz normalen Dinge" endlich geniessen kann ... Liebe Grüsse zurück!
      Anne

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  2. Liebe Anne,

    so geht es mir auch, das hast Du gut beschrieben. Diese Illusion hatte ich auch lange Zeit und bin froh, dass ich sie nicht mehr brauche um mich sicher zu fühlen.

    Und weisst Du was? Ich bin sooo froh, dass ich nichts besonderes sein und machen muss - diese Anforderungen, jeder soll ein Superstarleben (so nenne ich es) führen, haben mich beinahe umgebracht. Ich finde es so erleichternd, dass ich - wie Frau Heller es schreibt - dieses Spießerleben führen darf und es voll und ganz genieße!

    Sorry, ich bin ins schwadronieren gekommen :)

    Liebe Grüsse und habe ein schönes Wochenende,
    Clara

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    1. .. dass es um das Gefühl von Sicherheit geht und um "es im Griff haben", das wurde mir auch erst mit der Zeit bewusst. Wenn sich der Handlungsspielraum erweitert, weitet sich auch der Horizont nach und nach ... und das ganz Normale ist eben auch wirklich entspannter, als das Superstarleben. Ach, kein Problem: Ich lese es gerne wenn du schwadronierst :)

      Liebe Grüsse und auch dir ein schönes Wochenende!
      Anne

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