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Sonntag, 4. November 2012

Garnele auf Landgang

Vor kurzem, nachdem es die ganze Nacht geschneit hatte, meinte mein Freund morgens zu mir, wir lagen beide noch im Bett: Wir haben Besuch! Was mich gleich etwas schauderte, da ich mir nicht vorstellen konnte, was/wer es sein könnte. Morgens, im Schlafzimmer!

Er zeigte an die Wand über meinem Kopf. Ich schaute, noch im Halbschlaf, hoch. Da war ein ziemlich grosses Insekt das da ganz ruhig an der Wand klebte! Mir gruselte es ein bisschen. Ich mag Insekten sehr, aber Insekten in der Wohnung – das ist ein anderes Thema (abgesehen, wirklich, von Spinnen!).

Es hatte unglaublich viele und vorallem: unglaublich lange Beine …





Ich betrachtete dieses exotische Wesen, und mir wurde klar, dass ich sowas noch rein gar nie in meinem Leben gesehen habe! Es sah aus wie eine Garnele, gekreuzt mit einer Kellerassel oder einem Tausenfüsser. Ich zählte etwa 14 Beine auf jeder Seite, dazu lange Tastorgane, wenn ich richtig schaute, war da ein Paar davon vorne, eines hinten. So in etwas. Also weder 8 beine noch 6 Beine – sondern etwas gaaanz anderes!

Das erstaunte mich etwas, denn ich kenne recht viele einheimische Tiere. Dieses war mir völllig unbekannt. Erstmal transferierte ich es hinaus in den Schnee, was das arme Tier gar nicht mochte, wie ich gleich feststellte, es zuckte, sobald es mit Kälte und Nässe in Berührung kam, zusammen und blieb starr liegen. Es machte keine Anstalten, sich unter den Schnee zu verkriechen. Das tat mir dann doch leid, umbringen wollte ich es nicht …

Also holte ich ein Marmeladenglas und legte ein bisschen Grün rein. Ich wusste nicht so recht wohin mit dem Exot! Scheinbar war es kein einheimisches Wesen, so empfindlich wie es auf den Schnee reagierte. Ich beobachtete es, wie es sich den Kopf putzte und dieses Gesichtchen wurde mir sympathisch. Es sah sehr putzig dabei aus. Nur, diese Beine, …

Ich forschte zuerst nach Bildern im Internet (Stichwort: Europäische Tausendfüsser) und fand ein Bild, das meinem Insekt aufs Haar glich. Mit dem Hinweis, dass es sich dabei um einen Spinnenläufer handelt, gelangte ich dann auf Wikipedia – also war es wirklich keine Garnele auf Landgang ;) sondern Scutigera coleoptrata, auch Spinnenassel genannt. Ein Wesen aus der Überklasse der Tausendfüsser und der Klasse der Hundertfüsser. Vermutlich stammt es ursprünglich aus dem Mittelmeerraum. Danke, Wikipedia!

Der morgendliche Gast an der Zimmerwand, fand dann eine Bleibe in einem milden Hauswinkel, draussen unter einem Kirschlorbeerstrauch. Ich vermute, dass er in meiner Wohnung sonst vetrocknet wäre, da die Luftfeuchtigkeit hier drin meist zu niedrig ist.

… Ich hoffe es geht ihm gut! Es ist ja wieder wärmer geworden. Ich mag solche Momente, diese staunenswerten Begegnungen, auch wenn ich mich anfangs manchmal etwas überwinden muss. Eben apropos Insekten in der Wohnung … Habe wieder etwas gelernt, jemanden kennengelernt und wieder einmal gestaunt über die Vielfalt der Natur!

1 Kommentar:

  1. Sehr nett, dass du ihn rausgetragen hast. Ich hab heute morgen auch wieder einen rausgebracht. Gibt hier jede Menge davon. Büschen gruselig... wenn die ein Bein verlieren, dann zuckt das noch sehr lange. Aber so schön gezeichnet sind die hier nicht. Braun-grau.

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