Samstag, 8. Oktober 2022

Danke, den Treuen

Meine Gedanken in Worte zu fassen und ins Netz zu stellen, ist für mich so hilfreich wie eh und je. Ich hab es vernachlässigt und nehme jetzt den Faden wieder auf. Seit eh und je bin ich Tagebuchbloggerin, und davor war ich Tagebuchschreiberin und Briefeschreiberin. 

Das Wissen, gelesen zu werden, ist ein gutes Gefühl. Die Reichweite zählt für mich nicht. Wahrgenommen zu werden, ist genug.

Ich bin für jede einzelne Leserin, jeden einzelnen Leser, dankbar. Danke euch!

Freitag, 7. Oktober 2022

Erste Erfahrungen mit der Selbstständigkeit --- und ein wieder erinnerter Traum

Das selbstständige Erwerbsleben hat gut gestartet. Es sind Aufträge da, und diese machen Spass. Ich lerne viel und die Lernkurven sind steil. Gerade atemlos von all den neuen Erfahrungen und dem Umstellen der Gewohnheiten. 

Der eigene Garten ist auf der Prioritätenliste nach hinten gerutscht, die Musse und Kraft sind woanders bereits 'verbucht'. So sah ich viele Äpfel im Rasen vermodern oder wir verschenkten sie, genau so wie die Zucchini, die Himbeeren waren sich selber überlassen und der Broccoli ging in Blüte. 

Es ist ein hartes Leben und ein Lernen, dass nicht alles Platz hat, was auf meiner Liste steht. Schon rein kräftemässig geht das nicht! Wie machen das andere? Ich kann das Kopfkino selten wirklich zur Ruhe bringen und wache nachts die letzten Tage regelmässig auf. Meine Existenzängste tauchen gerne Mitten in der Nacht auf... Doch diese habe ich so oder so in meinem Leben. Das ist der Clou.

Gerade sind wir mit den Versicherungen dran und da die richtigen Entscheidungen zu treffen, finde ich schwierig. Was brauche ich, was brauchen wir wirklich? Mich stresst das sehr. Ein Riesenkraftakt ist das. Und erst das Geld ... es fliesst einfach so durch. Da war ich recht naiv. Wir stehen erst am Anfang mit der Bekanntheit. 

Trotzdem, ich bin aufgebrochen, weil das Angestelltendasein mir nicht (mehr) taugte. Der Wille ist da, dann werden sich auch Wege zeigen! Ich weiss, dass ich mental gerade auf Sturm eingestellt bin und ich da loslassen kann. Es ist richtig so.

Mir ist ein Traum wieder eingefallen. Ich hatte die Wahl: ich stand auf einer Landstrasse. Nach links hätte ich durch eine gepflegte grüne Wiese nahe einer Niederstamm-Obstkultur (mit grünen Hagelschutznetzen!) zu einer Kapelle am Waldrand gehen können. Menschen in Festtagskleidern strebten in einer geordneten Gruppe der Kapelle zu. Alles schön, friedlich und geordnet. Doch dieser Bereich lag im Schatten des Hanges.

Rechts ging die kiesige Landstrasse weiter, mit Schlaglöchern und Regenpfützen darin. Die Sonne stand genau über einer kleinen etwas armselig wirkenden Ansiedlung, einem kleinen Bauernhof. Struppige und glückliche Kinder spielten auf einem schlammigen Hofplatz im Dreck. Hühner und Hunde waren auch da. Da wohnen Vagabunden, dachte ich. Menschen zu denen ich gehöre. Es wirkte friedlich, echt und etwas heruntergekommen -- aber voller Leben!

Mein Herz schlägt für den Abzweiger nach rechts ... Oh ja, das tut es.


Freitag, 1. Juli 2022

43?! was, jetzt schon ...

1. Juli 2022

Heute ist mein Geburtstag und nun bin ich 43 Jahre alt, wie ist das denn passiert?! Etwas verdattert ob der Höhe der Zahl... Es wird schon stimmen. Nun. Mein Leben stellt sich sowieso laufend um. Heute wird kein Krisentag, das spür ich. Sonst sind so Jahrestage aka Geburtstag manchmal kippelig.

Im Gartencenter des Baumarkts werde ich noch bis Ende Monat arbeiten. Ich habe soviel erlebt in diesen 1.5 Jahren ... Unglaubliche Kameradschaft und zwischenmenschliche Wertschätzung für mich als Wesen Anne. Ganz breit gefächerte Erlebnisse mit Kunden, Chefinnen, KollegInnen, die Arbeit mit den Pflanzen ... und persönlich bin ich sicher gereift und selbstbewusster geworden. 

Aber auch genervter und manchmal sehr frustriert. In so engen Schemen und Vorgaben kann ich nicht am besten Arbeiten. Da werde ich trotzig.

Im Team passte es. Doch in den oberen Etagen geschieht Fragwürdiges. Dazu kommt niedriger Lohn bei recht viel Arbeit .. keine fixen freien Tage, kein fixer Beschäftigungsgrad, da muss was anderes her. Ich hatte nach einer Festanstellung gefragt (Monatslohn), nächste Botschaft war (zeitgleich, zufällig), dass alle Stundenlöhner daheim bleiben dürfen bis der Umsatz wieder kommt. Schock! Da hab ich interveniert. Das Schweizer Arbeitsgesetzt wird freestyle angewendet. 

Wenn schon wenig Geld, dann mit mehr Selbstbestimmung. Ab August werde ich die Selbstständigkeit wagen. Das macht mir noch Bammel, doch ich will es ausprobieren. Meine Freundin meinte: wenig Geld kann man auch anders verdienen als im Baumarkt ;)

Einen grafischen Auftrag hab ich und Gartenaufträge hat meine Lebensgefährtin an Land gezogen. Es ist alles andere als "vernünftig" ... und doch, ja, das machen wir. Für ein Auskommen wirds reichen und sonst gibts, bei meinen Skills, auch einen Plan B. Von Garten über Gestaltung bis bis IT-Kundensupport liegt viel drin. Nun gehts aber darum was ich WILL. Und ich will ausprobieren... Spielen, spinnen, wagen! Selbstverantwortlich leben, meinen Weg weiter austesten und ausreizen... Ja, das will ich.

Happy Birthday, ... to me!


18. August 2022

Die neue Freiheit will gewagt werden und kostet Nerven, Lehrgeld, Auseinandersetzungen, Ehrlichkeit. Und doch, dies fühlt sich recht an. Eine Zwangspause hält uns gerade noch auf, beide sind wir gesundheitlich nicht recht auf dem Damm, aber es wird. Wahrscheinlich war dieses Atemschöpfen nötig.


Freitag, 1. April 2022

I love Rock n'Roll

Eine harte Zeit. Ich merke, dass ich vielerorts an der Schwelle stehe und viel angestaute Energie da ist. Alte Glaubenssätze erzählen mir, dass ich unwert bin und schwach. Ich bekomme es zurückgespiegelt. Menschen sind irritiert, genervt, verstehen mich nicht. Oder wissen mit den wechselnden Verfassungen eines Rock-Stars (haha) nichts anzufangen. Was mich wiederum stresst. 

Erkenntnis: Hauptsache, ich kenn mich aus. Und das tue ich, zunehmend. Ich verstehe das WIE und WARUM. Klarkommen muss ich selber damit und wenn ich das schaffe, wenn ich es annehme, wird es auch für mein Umfeld im Privaten und im Beruf anders. 

Ich war zu lange angepasst oder ich versuch es immer noch. Allen gefallen, alles richtig machen, nur nicht anecken. Und wenn ich anecke ... schlimm! Vieles hab ich immer anders angenommen, als es für mich wirklich ist. 

Unter anderem eben, dass ich schwach und zu sensibel bin. Und dass ich mit dem Leben nicht zurechtkomme. Deshalb ist es gut, wenn ich in der nächsten Zeit mir wieder mehr Unterstützung hole. Ich will diese Seiten in mir zusammenbringen, die sich wie Hund und Katz verhalten! ACDC -- Wechselstrom ... 

Das Finden von Rollenmodellen ausserhalb der Norm, seien es gesellschaftliche oder geschlechterspezifische, das ist immens wichtig für mich. Mein Weg ist nicht vorgeebnet, war es noch nie. Und da kommen dann die Selbstzweifel und das Grübeln und ich werde unsicher.

Bahnbrechend ist für mich, wenn ich Rock höre. Zu spät geboren, um die Musik der 70er schon gekannt zu haben, höre ich mich jetzt rein und rocke dazu ab. ZZ Top, Joan Jett, ACDC ---> Ja bitte! 

Oder Folk, Folk-Rock, Folk-Punk ... The Pogues. Flogging Molly. Ja, bitte! Mein Gang wird stolzer und meine Haltung aufrechter. 

Das ist die richtige Art Lärm für mich! Es ist gut. Und es tut mir gut. Es tut mir gut, den gebückten Gang aufzugeben und ENDLICH zu meiner Stärke zu stehen. Auch wenn der Motor oft stottert, ich habe die Power im Blut. 

I love Rock n'Roll. Yeah!


Freitag, 4. März 2022

"Normalzustand"

 ... den wünschten sich ja viele wieder. Zurück zu der Zeit VOR der Pandemie. Ich hab nicht daran geglaubt. 

Die ewigen Corona-Nachrichten werden nun durch krassere News ersetzt. Der Mann mit den kalten Augen spielt mit dem roten Auslöseknopf. Ich fühle mit den Ukrainern und auch mit allen Russen, die diesen Krieg nicht wollen, und es sind viele.

Persönliche Konsequenzen? Das Leben ist zerbrechlich. Wird mir wieder bewusst. Ich will mein eigenes Leben befrieden, will leuchten, beobachten, reden und dieser Welt Nutzen bringen. Bis zum letzten Atemzug!

Wir besprechen daheim Notfallszenarien falls der Krieg bis hierher kommt. Es fühlt sich bizarr an. Aber das Bizarre hat ja schon die letzten beiden Jahre gefüllt. Es hat sich nicht verändert, nur verschoben. 

Die Verblendeten sind verblendet geblieben und die Menschlichen sind immer noch menschlich. Und viele wollen einfach leben wie immer.

Ein anderes Betroffensein stellt sich ein und Mitgefühl mit allen Menschen, deren Leben gerade auseinanderbricht und gefährdet ist. 

Wer über hohe Energiekosten in unseren relativ sicheren Ländern jammert, aber Geld genug hat, Gas und Treib- oder Heizstoffe zu bezahlen ohne zu verlumpen, sollte einfach schweigen! Dies ist ein kleiner Tribut verglichen mit dem, was andere erfahren müssen. Während wir hier immer noch im Überfluss leben ... 

Wer immer noch den Eindruck hat, hier in einer Diktatur zu leben, könnte mal nach Gulag googeln und die Erfahrungen zB von Buber-Neumann lesen. Ich weiss auch nicht. Ich wünsche mir, dass Augen und Herzen aufgehen. 

Weniger Denunzianten, weniger Angstverbreiter ... und mehr Selbstverantwortung, Herz und gesunden Menschenverstand! 

Der Blick über den Tellerrand wäre das mindeste. Er darf ruhig auch weiter werden.

Donnerstag, 3. Februar 2022

Mein Queersein -- (lose Folge, 1)

Ich hatte eigentlich schon mal einen Text dazu geschrieben, diesen dann wieder gelöscht. Meine queere Identität endlich zu leben, das heisst auch, da erst mal reinzuwachsen! Dazu gehört Mut. Und Selbstwert. Muss ich jetzt damit hausieren gehen? Was will ich preisgeben? Wo gehöre ich denn dazu?

Viel Mut hat mir der Text von Else Buschheuer gemacht: Wir gendern uns dazu. Da ist der eigene Weg eines Menschen drin, da ist Provokation drin, aber auch die Lebenslust und Buntheit der Community, die Frechheit, die mir so gut tut. 

Mir das eigene Leben ganz anzueignen, was für ein Aufatmen! Ich fang erst an. Mit Anfang 40 ... Und ich fange bei mir selber an: Wer bin ich?! Und es macht mir Mut. 

Weil sich gesellschaftlich vieles verändert. Weil es mich betrifft. Ich gehöre zu denen "Dazwischen". Das hab ich schon immer. Und dazu zu stehen, heisst auch, auf Umwegen endlich Heimzukommen. 

Manche mögen schon ermüdet sein von der medialen Auseinandersetzung wegen dem ungehörigen Gendersternchen, ich bins nicht. Also die Diskussionen finde ich auch ermüdend. Die Gewalt und Unruhe, die diese Themen wecken, stressen mich. Doch das gehört wohl dazu wenn sich vieles verändert.

Diskutieren ob und wie sich gendergerecht Schreiben und Leben lässt, da fühle ich mich überfordert. Empört zu sein gehört genauso zum Zeitgeist wie die ganzen nötigen gesellschaftlichen Umbrüche und das finde ich schwierig und einfach nur anstrengend! 

Die queere Community macht da munter selber mit. Grabenkämpfe. Vielleicht ist der Hang zum Schubladen- und Clandenken einfach eine menschliche Schwäche?! Du gehörst zu uns -- du nicht? Und dann bist du eine Randgruppe, ausserhalb einer Randgruppe etc. 

Die Last der Ideologien tue ich mir nicht an. Sei wer du bist. Leben und Leben lassen. Punkt. 

Die ständig neuen Prideflaggen sind mir immer wieder ein Rätsel, die verschiedenen Zuordnungen und neuen Schubladen finde ich schwierig. 

Trotzdem hängen an unserem Haus zwei Regenbogen-Fahnen. Eine mit nur Regenbogen und eine mit Ja zur Ehe für alle. Mitten im konservativen Dorf. Nein zur Ehe für alle, das hat die Mehrheit hier abgestimmt. 

So lange (das war vor der Abstimmung) gesagt wird: 

Was wollt ihr denn noch, ihr habt doch schon alle Rechte?

So lange gebe ich keine Ruhe. 

Representation matters ... still!


VerWANDlung ---> Wasserelement (Zeitqualität)

Nach meiner Erfahrung gibt es, bevor grosse Veränderungen passieren, diesen toten Punkt: es geht nicht mehr weiter. Die Wand. Eine Entwicklung hat sich totgelaufen, es drückt und engt ein. Manchmal gehts, wenn der Flow und das Vertrauen wieder einsetzt, und manchmal ists ein Umsturz, vor allem wenn die Energie vorher schon arg kanalisiert war. Dann gibts einen Knall. 

Und da ich keine ausgeglichene Zenmeisterin bin, eher eine, die alles (Zer)Denken muss und alles selber Machen und Kontrollieren will, gehts bei mir in meinem Leben manchmal mit einem gewaltigen Rumpler voran. Mach schon! Lebe! Packs an! Und dann ruh dich aus, lass dich ins Vertrauen und in die Traumwelt sinken. Aber: Lebe! Ganz ...

Vielleicht zwingt man sich noch zu einer weiteren Aufgabe, einer weiteren Gefälligkeit, sucht Ablenkung oder Wut staut sich auf -- und dann gehts nicht mehr: Unfall, Krankheit, Systemabsturz, Bad News. Von den Tarotkarten her wäre es "Der Turm": Zu Enges muss stürzen. Das Menschengemachte und Künstliche wird zur Gefahr, erhöht den Druck, überholte Systeme werden vom Sockel geholt. Die alten Werte sind von der Richtlinie zum Gefängnis geworden.

Mich dünkt, die Zeitqualität der letzten Wochen hat(te) Sprengkraft. Was nicht passt, wird zerrissen, was nicht mehr dient, muss verändert oder gewandelt werden. Selten habe ich von so vielen Erkrankungen/Unfällen diverser Art in meinem Umfeld gehört. 

Die wuchtige Energie des Wasserelements ist für mich stark zu spüren, dies zeigte sich in einem Traum auf den 1. Februar. Wildgewordene Wassermassen! 

Sicher hats auch mit dem Frühjahrsneumond zu tun, der ja ein neues Jahr einläutet, zumindest, wenns nach dem Mondkalender geht. Nach dem Chinesischen Horoskop befinden wir uns jetzt im Jahr des Wasser-Tigers. 

Es ist nicht mehr der stete Tropfen, der den Stein höhlt. Es ist Wucht und Gewalt. Auch Wasser kann eine Wand bilden.

Wie die Frühlingssonne den Eispanzer auf dem Fluss schmilzt und die Bäche zum Überlaufen bringt, so fühlt es sich an. Ich weiss, dass ich damit in Resonanz stehe, dass ich in diesem Umsturz stecke und dass dies meine Themen sind, dennoch spüre ich auch etwas Globales darin.

Danke fürs Lesen!