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Mittwoch, 27. Januar 2016

Mit Einschränkungen leben

Ich brauche immer wieder Zeit und Raum, um Eindrücke richtig verarbeiten zu können. Wenn ich dies nicht kann, gerate ich schnell unter Stress und es geht mir schlecht(er). Kurz darauf folgen Probleme mit dem Ein- und Durchschlafen. Geht dies über längere Zeit so, spüre ich die körperlichen Folgen wie Erschöpfung und Eisenmangel.

Auch das Grübeln versuche ich zu meiden wo ich kann. Mich gezielt abzulenken von abwertenden Gedanken und sinnlosen inneren Monologen ist mir wichtig geworden.

Im logischen Denken bin ich manchmal weniger flink als andere. Oder es scheint mir so ... Oder denke ich einfach anders? Dies fällt beim geschriebenen Wort nicht auf, da ich Zeit zum Nachdenken und Formulieren habe. Ich mag keine schnellen Entscheidungen und brauche die Gelegenheit, meine Position in einer Angelegenheit herausfinden zu können.

Ich mache wahrscheinlich beim Denken Umwege und komme so zu anderen Lösungen als andere. Schwer zu erklären. Nach aussen scheine ich in gewissen Momenten geistig schwerfällig. Wenn ich nämlich blockiert bin. Andererseits erfasse ich Zusammenhänge manchmal viel schneller als andere. Kind wäre ich trotz "normaler Intelligenz" beinahe zur Sonderschülerin geworden. Weil ich nicht ins Schema passte und auffällig war, scheinbar.

Jemanden den ich kenne hat es wütend gemacht, dass ich mit so vielen Einschränkungen lebe. Unsere Wege haben sich zum Glück getrennt. Heute denke ich, vielleicht hat ihn das auch in seinem eigenen Leben gestört. Diese Limitierung der Kräfte, das nicht-so-können-wie-man-möchte. Aber so ist das. Ich erlebe diese Beschränkungen inzwischen eher als Herausforderung. Was kann ich trotz, mit und wegen meiner Einschränkung leisten? Wie weit kann ich gehen?

Vielleicht fällt manches meinem Umfeld gar nicht so auf. Aber es ist stete Arbeit, mithalten zu können wenn sich innen einiges ANDERS anfühlt als es für andere scheinbar ist.

Ich benutze "scheinbar" weil ich ja nicht weiss, wie genau andere ihr Leben sehen und erleben. Ich merke nur, dass ich mich mit dem ganz normalen Alltag schwerere tue als andere, dabei mehr Kraft brauche und viel mehr Ruhe zur Erholung.

Es hat sich vieles geändert für mich, zum Guten. Ich habe aus dem Überleben ein gutes Leben geschaffen. Für mich.

Dadurch dass ich ab einem bestimmten Zeitpunkt nur noch soviel gemacht habe, wie ich auch tragen konnte. Das liegt etwas mehr als ein Jahr zurück. Von 0 auf 100 und dann auf die Fresse -- wem dient das? Irgendwann habe ich die hochfliegenden Träume aufgegeben und angefangen, das Naheliegendste zu tun. Erst die Pflicht, jetzt die Kür.

Jetzt bin ich erst richtig dran, heraus zu finden, was ich mit meinem Leben anfangen WILL.

Ich bin froh, dass es Bücher zum Thema (Hoch)Sensibilität gibt. Dass es Thema wird. Auch wenn gerne darüber gespottet wird.

Ich will mich aber nicht (mehr) auf diese Position zurückziehen "ich gegen den unsensiblen Rest der Welt".

Vielmehr: Ich in dieser Welt und MIT genau dieser Welt.

Kommentare:

  1. Ich mag das Fazit, das Du am Ende gezogen hast - Du "in und mit" dieser Welt. Ich glaube, nur so kehrt auch innerer Frieden ein - nicht damit kämpfen "ich gegen den Rest der Welt" sondern den eigenen Platz in dieser Welt finden und das Leben auch genießen lernen. Ich glaube, Du bist da auf dem besten Weg und hast sicher schon ein sehr großes Stück geschafft. Meinen Respekt hast Du.

    Liebe Grüsse
    Clara

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  2. Es liest sich sooo gut. Dein Weg ist Dein Weg, ich hab das Gefühl es geht Dir immer besser. Und das soll es ja, nur für Dich. Wer nicht damit klar kommt, sollte sich zurückziehen, oder das eigene Verhalten Dir gegenüber überdenken!
    liebe Grüsse
    Elisabeth

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  3. ich finde mich in einigen deiner beschreibungen wieder.ich glaube viele kommen innerlich nicht so gut zurecht, wie es nach aussen scheint-wie es erscheinen muss weil es in dieser welt so verlangt wird.ich mag deine selbstrefektionen und deine offenheit sehr.das ist ein starker mutiger weg !

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  4. @alle

    Herzlichen Dank für eure Kommentare und die guten Worte, das tut so gut zu lesen..

    Lieber Gruss, Anne

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