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Freitag, 31. März 2023

Queer sein auf dem Dorf

Ich merke, dass die Religion mich stärker geprägt hat, als ich wahrhaben wollte. Im Sinne von "mich falsch fühlen". Momentan bin ich wieder ab und zu in einem Umfeld unterwegs, in der es mehr gläubige ChristInnen und traditionelle Rollenverständnisse gibt. Mich stresst das. Nach meinem Coming-Out als queerer Mensch fühle ich mich noch mehr als Störfaktor oder als Unikum. 

Da ich dort auch andere Menschen finde, die mich interessieren, beobachte ich das mal behutsam. Wieso fokussiere ich mich gleich wieder auf die Extremen, muss ich mich mit allen verstehen? Es hat mich noch niemand direkt konfrontiert und wenn, dann hätte die Predigerstochter in mir doch jede Menge an passenden Bibelstellen parat was Jesus wirklich gelebt hat. Da muss ich innerlich lachen ... 

Wieso Fronten auffahren wo gar keine sind? Oder: Wieso mich verkriechen? Ist das liebevoll? Es reicht, wenn ich zu mir stehe.

Wenn ich es als soziales Experiment für meine eigene Toleranz, Freundlichkeit, Grosszügigkeit und persönliche Standhaftigkeit ansehe, muss ich sagen: Challenge accepted!

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Nachtrag 1.4.
Es läuft gut. Ich merke, dass ich akzeptiert werde. Wenn ich meine alten Schutzmechanismen überwinde und zu meiner Stärke und Einzigartigkeit stehe.

Samstag, 13. Mai 2017

Der Krieg ist vorbei

... der Krieg in deinem Leben ist doch vorbei, du kannst die Waffen endlich ruhen lassen, sagt mein Freund. Das stimmt.

Doch es ist nicht nur eine Kopfsache. Keine Sache, die ich einfach entscheide und dann ist es so. Deshalb ist mir bewusst geworden, dass ich jetzt Hilfe brauche. Und diese habe ich auch in Gang gebracht.

Die letzten Monate stand ich dermassen unter Druck, dass ich wieder in den Stressmodus geraten bin.

Geredet über alles, das habe ich in meinem Leben und in der Therapie genug. Aber Reden, das ist wie zu kleine Pflaster aufkleben. Ich kenne Ursachen und Auswirkungen. Nur die Ausmasse des "Krieges", über die stolpere ich immer noch. Lange Jahre meines Lebens wurde ich gehetzt. Das hat mich traumatisiert. Punkt.

Ich scheute dieses grosse Wort lange Zeit: Trauma. Da haben andere weitaus Schlimmeres erlebt. Aber der sich erneuernde Schrecken lähmt mein Leben, Fühlen und Denken, wiederholt. Und zu gewissen Zeiten in einem Ausmass, das mir den Atem und die Lebensfreude nimmt.

Schlimm ist das, was man als schlimm erlebt (hat). Und das ist sehr individuell. Es gibt keinen Massstab.

Ich merke ... wenn ich mir die Wahrheit eingestehen, nimmt der Schrecken ab und auch der Schmerz. Ich werde weicher und menschlicher, fühle mich wieder, fühle mich lichter und lebendiger, statt nur taub zu sein.

Man hat es früher zu lange marginalisiert, wie es mir wirklich geht. Und es ist eine Erlösung, wenn ich mich selber in meiner Not anerkenne.

Da ist seit einer Woche unter Schmerzen leide, ist auch klar, dass es nicht von heute auf morgen gehen wird, dem Frieden zu vertrauen. Vertrauen in andere Menschen ist da, wenigstens zwischendurch. Und das Vertrauen zu mir selber wächst auch.

Ich möchte es wieder fühlen können, dass der Krieg vorbei ist!

Samstag, 25. Februar 2017

Einschränkung und Erkenntnisgewinn

Nachdem ich den vorigen Text abgeschlossen habe, ist mir noch ein Punkt eingefallen, den ich vergass zu erwähnen. Und zwar, dass es für mich wichtig war, zu lernen, dass ich mich einschränken und begrenzen muss. Dass ich nicht alles machen kann, was mir gerade so einfällt. Dass ich nur mit denjenigen Ressourcen und Bausteinen arbeiten kann, die auch tatsächlich da sind!

Bevor ich diesen Weg (Arbeitsintegration) vor über zehn Jahren mit einem ersten Integrationsprogramm unter die Füsse nahm, habe ich meine Freundschaften recht intensiv gepflegt. Solange bis ich merkte, dass mein Bewusstsein und meine Kraftreserven sich zu verändern begannen. Ich hatte plötzlich weder die Lust noch hatte ich mehr die Kraft, mich bei Menschen zu melden, die von sich aus keinen Schritt machten, die Freundschaft zu pflegen. Mal anzurufen und was auszumachen. Dadurch habe ich einige Kontakte verloren. Habe aber auch für mich an Klarheit gewonnen und dafür einiges an Illusionen verloren. Heute ist es mir wichtiger, dass die Beziehungen und Kontakte stimmen.

Ich hatte früher oft mehrere Ideen, denen ich parallel nachgegangen bin und meistens einige angefangene Projekte oder Kurse. (Die sind schon damals nicht fertig geworden ... ähm). Heute pflege ich nur noch die Aquaristik (3 Becken) und ich werde wahrscheinlich auf 2 oder sogar 1 Becken reduzieren. Zudem habe ich begonnen, mich mit der Gestaltung von Schmuck zu beschäftigen. Die mentale Kraft reicht nicht aus, mehr zu machen. Es ist Jammern auf hohem Niveau, aber für jemanden der 1001 Idee hat, ist das eben eine Einschränkung.

Das starke Bedürfnis nach Weiterbildung, Schule und Wissen ist da. Ich habe mich nie richtig damit auseinandergesetzt, was eigentlich für ein beruflicher Weg zu mir passt. Nun, mit 37 Jahren hätte ich die nötige Klarheit und auch Gesundheit, um für mich das Passende herauszufinden. Trotzdem spüre ich, dass auch JETZT weder die Kraft noch der Zeitpunkt da sind, da mehr zu unternehmen. Ich brauche alles davon für meinen Alltag. Gelegentlich macht mich das traurig. Die Lehre hat mir so viel abverlangt, dass ich nun erst einige Jahre gebraucht habe, um mich davon zu erholen. Daher braucht das einfach noch Zeit. Es ist ok, wenn es nur mosaikmässig vorwärtsgeht. Mit den Karrieren anderer kann ich mich nicht messen, das brauche ich auch nicht. Gelegentlich muss ich leer schlucken wenn ich sehe, wie erfolgreich andere sind, aber das geht wohl vielen so ... Das passt auch zum nächsten Abschnitt.

Eine dieser berühmten Roadmaps zu entwerfen, das habe ich nie hinbekommen. Dieses ominöse "wo sehen Sie sich in 5/10/... Jahren? Was soll das? Das bin ich nicht. Das will ich nicht. Da musste ich mich auch innerlich einige Male dagegen wehren. Mein Leben hat sich immer irgendwie ergeben. Jedes Mal, wenn ich Pläne machte, gings es schief. Bis ich es gelassen habe. Einfach immer den nöchsren Schritt zu machen, daraus entsteht auch ein Weg! Wenn es mir gelingt, still zu werden, kann ich meinem Leben vertrauen ..

Das neue Leben ganz woanders. Dieser Traum schlummert schon lange in mir. Bis ich erkennen musste, dass ich Strapazen sehr schlecht ertrage. Und Auswandern oder seinen Wohnsitz in komplettes Neuland zu verlegen, ist strapaziös. Ich hatte vor Jahrten ein "Gastspiel" in München (begann eine Ausbildung dort) und es lief schief. Fern von meinem Beziehungsnetz vetrocknete ich zunehmend. Ich habe meinen Lebensmittelpunkt nun schon länger bei Bern, in der Vorstadt, auch wenn ich mich hier nicht zugehörig fühle, und die Stadt Bern als eng und starr empfinde. Ich bin hier nun mal gelandet und hier spielt sich mein Leben ab. Vielleicht ändert sich das mal, wer weiss. Aber gerade ist es gut für mich, einfach mal in meinem Leben anzukommen und mich auch innerlich endlich darin niederzulassen. Meinem Alltag die nötige Würze zu geben, das ist meine eigene Aufgabe!

Eine eigene Familie, von diesem Gedanken habe ich mich verabschiedet. Ich bin mir mein eigenes Kind und ich verbringe viel Zeit damit, mich zu trösten und zu nähren und das ist eine ständige Aufgabe. Für einen bedürftigen kleinen Menschen zusätzlich, da ist kein Platz in meinem Leben. Obwohl ich noch nie einen starken Kinderwunsch hatte, schmerzt mich diese Erkenntnis manchmal, dass meine Kräfte es nicht zulassen. Ich weiss, dass meine Kreativität mein inneres Potential ist und dies mein Weg ist, etwas von mir in die Welt zu setzen. Aus dieser Gewissheit schöpfe ich Kraft und Frieden. Es ist ein gutes Gefühl, nur für mich selber sorgen zu müssen und es erleichtert mich sehr.

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Für mich ist es wichtig geworden, dass ich Trauer in meinem Leben erkennen kann und sie auch spüre. Ab einem gewissen Punkt ist dann auch wieder "gut" und ich lege das Gefühl beseite, oder ich schaue, was ich daraus machen kann. Gibt es etwas, was ich "im Kleinen" davon umsetzen kann, ohne mich zu überfordern? Soll ich dem nachgehen oder reicht es, wenn ich es einfach anerkenne und dann beiseite lege? Darüber mit jemandem reden?

Das Bedauern über verfehlte (zum Teil sehr tiefe) Lebenswünsche ist ein Familienthema (auf beiden Seiten!) und deshalb bin ich da sensibilisiert. Ich will niemandem am Ende meines Lebens einmal vorwerfen: Wegen dir konnte ich nicht XYZ ... Daher ist Behutsamkeit in diesem Thema für mich besonders wichtig ...

... Niemand anderes ist für mein Leben verantwortlich ausser mir selbst ....
.... Für das Tun oder Lassen in meinem Leben ... bin ich selber da!

... Erschreckend, aber auch seeehr erleichternd! ...

Die Trauer nur wegzudrücken, verstärkt und verlängert den Schmerz, das Gefühl des Mangels nur. Der Gier kein Futter geben ... In vielem muss es ein Masshalten sein, auch wenn es mir nicht immer leicht fällt!

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Dienstag, 24. Januar 2017

Fight for your rights [Notiz an mich selbst]

 (Aus Selbstschutz ohne genauen Sachverhalt geschrieben, aber trotzdem verständlich.)

Warum ist es ok für mich, jemand anderen zu verteidigen, emotional zu unterstützen, oder mich sonstwie für ihn/sie einzusetzen, aber bei mir selber knicke ich ein?! ...

Ich weiss, dass ich in einer Sache Recht(e) habe und bin dann doch vor eine Wand gelaufen. ... Systemabsturz. Vor Wut und Verwirrung kann ich dann fast nicht mehr sprechen, geschweige denn Denken. Es kommt zu Blockaden auf vielen Ebenen. Und ich liege Nachts wach, weil ich so unter Strom stehe. Das passiert immer seltener, aber wenn es vorkommt, ist es akut.

Doch eben erst wenn ich so richtig wütend oder verletzt bin, mache ich den Mund auf. Ich werde trotzig. Oder/und ich beginne zu heulen. Nicht besonders cool im Alltag und vor anderen. Aber es ist mal wieder soweit gekommen, grosser Gefühlsausbruch. Dadurch hat sich die Sachlage scheinbar wieder "ein paar Meter" zum Besseren verändert. Bin auch schön bei den "Ich-Botschaften" geblieben und habe einfach geschildert, wie ich mich in dieser Zwangslage fühle. Das vermochte scheinbar etwas zu bewegen.

Doch bevor es soweit kommt, da (ver)zweifle ich schier an mir. Immerhin kommen die Gefühle inzwischen raus, statt dass ich auf längere Zeit depressiv werde -- und ich habe auch den Weglauf-Reflex im Griff. Früher habe ich einfach alle Brücken hinter mir abzubrechen versucht, mich aus dem Staub gemacht, wenn der Druck durch die Emotionen zu gross wurde. Einfach weg, nur weg.

Diese Blösse mag ich mir nicht mehr geben, klein beizugeben. Letztendlich macht Davonlaufen mich nur verletzbarer. Das ist mir bewusst geworden. Ich kann gut mit Worten umgehen, also mache ich es halt Schritt für Schritt, Wort für Wort statt in einem grossen umfassenden Plädoyer das alle sprachlos macht und sie auf meine Seite bringt. Etwas durchzustehen und wieder bei mir selber anzukommen, lässt mich wachsen und stärker werden. Flüchten schürt Ängste und hält mich in Unsicherheit. Mich für mich selber zu wehren hilft mir dabei, meine Gesundheit zu schützen. Es ensteht dadurch kein Hass sondern es entsteht Klarheit.

Für mich da zu sein heisst auch, dass ich eben akzeptiere, dass ich in manchen Situationen meine (emotionalen) Grenzen habe und ich mir deswegen Sorge tragen darf. Ich schäme mich nicht mehr für meine Gefühle. Punkt.

Samstag, 1. Oktober 2016

Warum schaffen es die einen, und die anderen schaffen es nicht? (Das Leben)

Vorsicht: Es geht um den Tod, Selbstzweifel, Suizid, Hoffnung. Und das LEBEN. Wer das nicht lesen mag oder kann, lässt es besser. 




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Zur Titelfrage
Dies ist eine Frage, die ich mir immer wieder stelle. Doch ich zerfleische mich nicht mehr damit. Ich habe die Distanz dazu, auch wenn es mich beschäftigt. Bald jährt sich der Todestag meines Bruders zum neunten Mal. Wie langjährige LeserInnen wissen, starb er durch eigene Hand.

Für mich stellt sich die Frage nicht mehr, ob ich es selber schaffen werde. Ich lebe. Mit Zweifeln, aber ich bin lebendig. Mein Wille geschehe. Ich bin eine harte Ego-Nuss, auch wenns mir selber nicht immer klar ist. Andere haben das erkannt und es benannt. Erst dann konnte ich selber darüber nachdenken. (danke T.!).

Und das bringt mich wiederum zum Schmunzeln. Ich freu mich darüber, zäher zu sein, als meine Lebenszweifel: Ich hungre euch aus und werde noch drüber lachen! Nein, meine Dämonen werden mich nicht kriegen. Nicht mehr. Nie mehr. Weil ich es schaffe.

Weil ich nicht so weit gekommen bin, um mich dann aufzugeben. Da ist immer wieder ein grosses JETZT ERST RECHT. Nach jedem überstandenen Sturm und jeder panischen Situation.

Ich frage auch nicht mehr die Ärzte nach einer Diagnose oder einer Prognose. Warum sollten sie mein Leben besser kenne als ich? Diese Deutungshoheit gestehe ich niemandem mehr zu.

2007. In der Familie war ich die einzige, die wirklich kapiert hat, dass mein Bruder die schiefe Bahn schon längst erreicht hatte. In seinem (grossen!) Freundeskreis gab es auch einen guten und verständigen Freund, der auch einen Verdacht hatte und der Hilfe bieten wolllte, welche von meinem Bruder aber abgelehnt wurde. Er hätte meinen Bruder auf dem Gang zu den Fachstellen und zu ärztlicher Hilfe begleitet.

Mein Bruder.
Er versuchte so viel wie möglich in sein Leben zu packen und er scheiterte daran. Viel Arbeit, hohe Sensibilität, Müdigkeit durch zu wenig Schlaf, Zweifel, Liebeskummer und Alkohol -- so würde ich es umschreiben, das war der Mix, der ihn das Leben gekostet hat. Die grundsätzliche Einsamkeit inmitten von Menschen. Die er nie losgworden ist. Sich selber keine Heimat gegen können. Das scheint ein Familienthema zu sein. Inneres Nomadentum.

Bei jedem Treffen fand ich, er sehe verlebt aus. Ich versuchte auch, ihm zu helfen. Stolz, Verletztlichkeit und ein grosser Dickkopf -- da ist schwer gegen anzukommen. Meine liebevollen Mahnungen vielen auf ausgetrockneten Boden. In mir war auch die Idee: Wenn ich es geschafft habe, schafft er es auch. Eine Illusion, wie mir jetzt klar ist.

Dass in meines Bruders Leben bereits ein Strudel war, der deutlich nach abwärts zeigte: Ich konnte das nicht wegschieben, ich spürte es. Hatte eine unterbewusst Vorahnung. Trotz allem Mitgefühl, war ich mir selber näher. Zu weit gekommen um mich jetzt wieder um jemand anderes zu kümmern. Genug Bedürftigkeiten anderer bedient, Löcher gestopft. Eigene, andere. Ich wollte das nicht mehr.

In einem kurzen Augenblick wurde mir bildlich klar, was die Konsquenz daraus sein könnte, wenn es so weitergeht, dann war das Bild wieder weg. Vom eigenen Alltag weggewischt. Und ich machte mit meinem eigenen Leben weiter. Weil ich da endlich weiterkommen wollte, ich nochmal eine Chance bekommen hatte für eine Ausbildung.

Ein paar Wochen später gab es ihn nicht mehr, meine kurze Vision war Realität geworden.

Ich vermisse ihn nach wie vor, und es bleibt eine Leere zurück. Immer. Manchmal ist sie stärker, manchmal spüre ich sie kaum. Trotzdem bin ich froh, habe ich mich für mein eigenes Leben entschieden, so beschissen das auch klingen mag. Inzwischen stehe ich vor mir selber dazu. Und ich bin verantwortlich für meinen Weg. Immer.

Bruder: Ich vergesse dich nicht, weil du in meinem Herzen bist. Doch ich habe mein Leben nicht für deins in die Waagschale geworfen, weil ich mir zu wertvoll dazu war. Weil du auch um deine Selbstständigkeit gerungen hast und ich dir deinen Willen nicht nehmen wollte. Ich habe gesehen, was aus Menschen wird, die man entmündigt hat. Welche Spuren das hinterlässt. Und ich habe verdrängt, dass ich es vorausgeahnt habe, dass du bereits ans Gehen denkst.

Wieso bekommen also die einen ihr Leben auf die Reihe und andere schaffen es nicht? Und was heisst "schaffen" überhaupt? Wer misst das und warum?

Warum packen es die einen und andere nehmen den Notausgang oder versinken für Jahre oder lebenslang in den Wolken im Wolkenkuckucksheim?

Für mich heisst "es schaffen": Am Leben zu sein. Ein möglichst selbstständiges (im Rahmen der Möglichkeiten) und selbstbestimmtes Leben zu führen. Ich weiss, dass "Erfolg" völlig verschieden definiert wird. Und in unserer Status- und Leistungsgesellschaft sicher nicht so, wie ich es gerade für mich beschrieben habe. Für mich habe ich den Grundsatz, dass ich selbstständig sein will, so gut es geht und dass ich möchte, dass sich mein Leben als lebenswert anfühlt. Alles andere ist für mich Beigemüse ... 


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... es gäbe noch mehr dazu zu schreiben, aber erstmal mache ich einen Punkt.

Montag, 1. August 2016

Schweizerischer Nationalfeiertag -- mal wieder unfeierlich ..

Arrgggghhhh!!!! Wenn am 31. Juli schon bis in die Puppen geknallt und geböllert wird (bis 2h morgens war nix mit Schlafen) -- und heute geht es ja noch weiter, ... da kommen bei mir alles andere als patriotische Gefühle hoch. Eigentlich knallt es ja schon seit Tagen.

Ich denke an den Einsatz von Wasserwerfern ...

Mittwoch, 27. Januar 2016

Mit Einschränkungen leben

Ich brauche immer wieder Zeit und Raum, um Eindrücke richtig verarbeiten zu können. Wenn ich dies nicht kann, gerate ich schnell unter Stress und es geht mir schlecht(er). Kurz darauf folgen Probleme mit dem Ein- und Durchschlafen. Geht dies über längere Zeit so, spüre ich die körperlichen Folgen wie Erschöpfung und Eisenmangel.

Auch das Grübeln versuche ich zu meiden wo ich kann. Mich gezielt abzulenken von abwertenden Gedanken und sinnlosen inneren Monologen ist mir wichtig geworden.

Im logischen Denken bin ich manchmal weniger flink als andere. Oder es scheint mir so ... Oder denke ich einfach anders? Dies fällt beim geschriebenen Wort nicht auf, da ich Zeit zum Nachdenken und Formulieren habe. Ich mag keine schnellen Entscheidungen und brauche die Gelegenheit, meine Position in einer Angelegenheit herausfinden zu können.

Ich mache wahrscheinlich beim Denken Umwege und komme so zu anderen Lösungen als andere. Schwer zu erklären. Nach aussen scheine ich in gewissen Momenten geistig schwerfällig. Wenn ich nämlich blockiert bin. Andererseits erfasse ich Zusammenhänge manchmal viel schneller als andere. Kind wäre ich trotz "normaler Intelligenz" beinahe zur Sonderschülerin geworden. Weil ich nicht ins Schema passte und auffällig war, scheinbar.

Jemanden den ich kenne hat es wütend gemacht, dass ich mit so vielen Einschränkungen lebe. Unsere Wege haben sich zum Glück getrennt. Heute denke ich, vielleicht hat ihn das auch in seinem eigenen Leben gestört. Diese Limitierung der Kräfte, das nicht-so-können-wie-man-möchte. Aber so ist das. Ich erlebe diese Beschränkungen inzwischen eher als Herausforderung. Was kann ich trotz, mit und wegen meiner Einschränkung leisten? Wie weit kann ich gehen?

Vielleicht fällt manches meinem Umfeld gar nicht so auf. Aber es ist stete Arbeit, mithalten zu können wenn sich innen einiges ANDERS anfühlt als es für andere scheinbar ist.

Ich benutze "scheinbar" weil ich ja nicht weiss, wie genau andere ihr Leben sehen und erleben. Ich merke nur, dass ich mich mit dem ganz normalen Alltag schwerere tue als andere, dabei mehr Kraft brauche und viel mehr Ruhe zur Erholung.

Es hat sich vieles geändert für mich, zum Guten. Ich habe aus dem Überleben ein gutes Leben geschaffen. Für mich.

Dadurch dass ich ab einem bestimmten Zeitpunkt nur noch soviel gemacht habe, wie ich auch tragen konnte. Das liegt etwas mehr als ein Jahr zurück. Von 0 auf 100 und dann auf die Fresse -- wem dient das? Irgendwann habe ich die hochfliegenden Träume aufgegeben und angefangen, das Naheliegendste zu tun. Erst die Pflicht, jetzt die Kür.

Jetzt bin ich erst richtig dran, heraus zu finden, was ich mit meinem Leben anfangen WILL.

Ich bin froh, dass es Bücher zum Thema (Hoch)Sensibilität gibt. Dass es Thema wird. Auch wenn gerne darüber gespottet wird.

Ich will mich aber nicht (mehr) auf diese Position zurückziehen "ich gegen den unsensiblen Rest der Welt".

Vielmehr: Ich in dieser Welt und MIT genau dieser Welt.