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Sonntag, 16. Juli 2017

Angekommen (das Ende der grossen Sehnsucht)

Sehnsucht als zweite Natur 

Stets habe ich mich nach irgendwas und irgendwem verzehrt und mich so sehr gesehnt. War alle naselang unglücklich, weil natürlich unerwidert, verliebt. Meine stete Begleiterin, meine bittersüsse beste Freudin war die Sehnsucht. Romantische sehnsuchtsvolle Gedichte? Her damit! Der Mann, den es zu retten gilt? Her damit!

Wenn aber jemand MICH meinte, mit mir zusammensein wollte, schreckte mich das eher, denn Nähe war nichts, was ich gut zulassen konnte. Sex, das ging. Aber echte Nähe, die musste ich tatsächlich erst trainieren. Da war immer ein Machtgefälle, das ich nicht überwinden konnte. Entweder musste ich mich aufgeben oder der andere. Etwa in der Art. Bis ich merkte, dass man das bei den passenden Menschen gar nicht muss.

Ich bin so lange durch meine Trauer gewatet und durch meine Wut marschiert, bis ich nach und nach viele Mosaiksteinen gefunden habe und mich selber wieder zusammengesetzt hatte. Schlussendlich hatte ich vor allem nach einem bestimmten Menschen gesucht, nach dem einen wahren:  
Mir selbst. 

Ich habe jetzt ein Bild von mir, dass sich echt und natürlich anfühlt und bei dem ich nicht erschrecke, wenn ich hinsehe. Ich sehe Brüche und Schatten in mir, doch ich kenne sie genau und daher schrecken mich nicht mehr so. Die Schuld ist weg und die Scham. An beidem bin ich fast kaputt gegangen. Immer war da dieses Gefühl, falsch zu sein, irgendwie daneben und auf keinen Fall in Ordnung und auch nicht liebenswert. 

Innerhalb des letzten Jahres konnte ich hier Frieden schliessen. Indem ich mich besser um mich kümmerte und den Stimmen aus dem Schatten weniger Glauben schenkte. Dem Gezische und Geraune in mir weniger Glauben schenkte -- und mir genug Erholungsphasen. Zwischendurch gehts wieder etwas holpriger, aber meistens ist es jetzt viel besser als früher.

Es ist wie im Märchen: Während der Prüfung heisst es entweder "schau nicht zurück" oder "schau genau hin". Meine Seele führt mich und ich lasse mich von ihr führen. Ich betrachte meine Brüche und Schatten solange und mit so viel Liebe und Geduld, bis es mir wieder besser geht. Das gelingt mir mehr und mehr.

Endlich hab ich dich gefunden!


Mir ist kürzlich das Lied von den Toten Hosen eingefallen: Alles was zählt. Natürlich ist es ein Liebeslied. Für mich ergibt sich heute daraus ein ganz anderer Zusammenhang. Ich höre das Lied und mir wird klar, es beschreibt meinen Weg, wie ich mich selber gefunden habe und was es dafür gebraucht hat. Und dass ich mich jetzt nicht mehr von diesem Menschen trennen mag. Plötzlich habe ich Tränen in den Augen. Ich bin jetzt bei mir. Ich spüre diese Sehnsucht nur noch selten. Viele Lieder, die sich darum drehen, Liebe, Sehnsucht kann ich jetzt nix mehr damit anfangen. Es ist ein seltsames Gefühl, weil ich es nicht gewöhnt bin.

Da ist noch ein kleines Stück Sehnsucht in mir geblieben. Wenn ich mein Leben anschaue, dann ist es noch nicht ganz komplett und es ist mir klar, das noch ein paar Details fehlen. Doch die grosse allesverzehrende Sehnsucht, die ist gegangen.

Ich habe alles, was ich brauche. Daran halte ich mich. 

Ich muss nicht verzweifeln, wenn noch einiges fehlt, denn das ganz normale Leben ist meistens Stückwerk, bei den meisten Menschen.

Samstag, 25. Februar 2017

Einschränkung und Erkenntnisgewinn

Nachdem ich den vorigen Text abgeschlossen habe, ist mir noch ein Punkt eingefallen, den ich vergass zu erwähnen. Und zwar, dass es für mich wichtig war, zu lernen, dass ich mich einschränken und begrenzen muss. Dass ich nicht alles machen kann, was mir gerade so einfällt. Dass ich nur mit denjenigen Ressourcen und Bausteinen arbeiten kann, die auch tatsächlich da sind!

Bevor ich diesen Weg (Arbeitsintegration) vor über zehn Jahren mit einem ersten Integrationsprogramm unter die Füsse nahm, habe ich meine Freundschaften recht intensiv gepflegt. Solange bis ich merkte, dass mein Bewusstsein und meine Kraftreserven sich zu verändern begannen. Ich hatte plötzlich weder die Lust noch hatte ich mehr die Kraft, mich bei Menschen zu melden, die von sich aus keinen Schritt machten, die Freundschaft zu pflegen. Mal anzurufen und was auszumachen. Dadurch habe ich einige Kontakte verloren. Habe aber auch für mich an Klarheit gewonnen und dafür einiges an Illusionen verloren. Heute ist es mir wichtiger, dass die Beziehungen und Kontakte stimmen.

Ich hatte früher oft mehrere Ideen, denen ich parallel nachgegangen bin und meistens einige angefangene Projekte oder Kurse. (Die sind schon damals nicht fertig geworden ... ähm). Heute pflege ich nur noch die Aquaristik (3 Becken) und ich werde wahrscheinlich auf 2 oder sogar 1 Becken reduzieren. Zudem habe ich begonnen, mich mit der Gestaltung von Schmuck zu beschäftigen. Die mentale Kraft reicht nicht aus, mehr zu machen. Es ist Jammern auf hohem Niveau, aber für jemanden der 1001 Idee hat, ist das eben eine Einschränkung.

Das starke Bedürfnis nach Weiterbildung, Schule und Wissen ist da. Ich habe mich nie richtig damit auseinandergesetzt, was eigentlich für ein beruflicher Weg zu mir passt. Nun, mit 37 Jahren hätte ich die nötige Klarheit und auch Gesundheit, um für mich das Passende herauszufinden. Trotzdem spüre ich, dass auch JETZT weder die Kraft noch der Zeitpunkt da sind, da mehr zu unternehmen. Ich brauche alles davon für meinen Alltag. Gelegentlich macht mich das traurig. Die Lehre hat mir so viel abverlangt, dass ich nun erst einige Jahre gebraucht habe, um mich davon zu erholen. Daher braucht das einfach noch Zeit. Es ist ok, wenn es nur mosaikmässig vorwärtsgeht. Mit den Karrieren anderer kann ich mich nicht messen, das brauche ich auch nicht. Gelegentlich muss ich leer schlucken wenn ich sehe, wie erfolgreich andere sind, aber das geht wohl vielen so ... Das passt auch zum nächsten Abschnitt.

Eine dieser berühmten Roadmaps zu entwerfen, das habe ich nie hinbekommen. Dieses ominöse "wo sehen Sie sich in 5/10/... Jahren? Was soll das? Das bin ich nicht. Das will ich nicht. Da musste ich mich auch innerlich einige Male dagegen wehren. Mein Leben hat sich immer irgendwie ergeben. Jedes Mal, wenn ich Pläne machte, gings es schief. Bis ich es gelassen habe. Einfach immer den nöchsren Schritt zu machen, daraus entsteht auch ein Weg! Wenn es mir gelingt, still zu werden, kann ich meinem Leben vertrauen ..

Das neue Leben ganz woanders. Dieser Traum schlummert schon lange in mir. Bis ich erkennen musste, dass ich Strapazen sehr schlecht ertrage. Und Auswandern oder seinen Wohnsitz in komplettes Neuland zu verlegen, ist strapaziös. Ich hatte vor Jahrten ein "Gastspiel" in München (begann eine Ausbildung dort) und es lief schief. Fern von meinem Beziehungsnetz vetrocknete ich zunehmend. Ich habe meinen Lebensmittelpunkt nun schon länger bei Bern, in der Vorstadt, auch wenn ich mich hier nicht zugehörig fühle, und die Stadt Bern als eng und starr empfinde. Ich bin hier nun mal gelandet und hier spielt sich mein Leben ab. Vielleicht ändert sich das mal, wer weiss. Aber gerade ist es gut für mich, einfach mal in meinem Leben anzukommen und mich auch innerlich endlich darin niederzulassen. Meinem Alltag die nötige Würze zu geben, das ist meine eigene Aufgabe!

Eine eigene Familie, von diesem Gedanken habe ich mich verabschiedet. Ich bin mir mein eigenes Kind und ich verbringe viel Zeit damit, mich zu trösten und zu nähren und das ist eine ständige Aufgabe. Für einen bedürftigen kleinen Menschen zusätzlich, da ist kein Platz in meinem Leben. Obwohl ich noch nie einen starken Kinderwunsch hatte, schmerzt mich diese Erkenntnis manchmal, dass meine Kräfte es nicht zulassen. Ich weiss, dass meine Kreativität mein inneres Potential ist und dies mein Weg ist, etwas von mir in die Welt zu setzen. Aus dieser Gewissheit schöpfe ich Kraft und Frieden. Es ist ein gutes Gefühl, nur für mich selber sorgen zu müssen und es erleichtert mich sehr.

. . .

Für mich ist es wichtig geworden, dass ich Trauer in meinem Leben erkennen kann und sie auch spüre. Ab einem gewissen Punkt ist dann auch wieder "gut" und ich lege das Gefühl beseite, oder ich schaue, was ich daraus machen kann. Gibt es etwas, was ich "im Kleinen" davon umsetzen kann, ohne mich zu überfordern? Soll ich dem nachgehen oder reicht es, wenn ich es einfach anerkenne und dann beiseite lege? Darüber mit jemandem reden?

Das Bedauern über verfehlte (zum Teil sehr tiefe) Lebenswünsche ist ein Familienthema (auf beiden Seiten!) und deshalb bin ich da sensibilisiert. Ich will niemandem am Ende meines Lebens einmal vorwerfen: Wegen dir konnte ich nicht XYZ ... Daher ist Behutsamkeit in diesem Thema für mich besonders wichtig ...

... Niemand anderes ist für mein Leben verantwortlich ausser mir selbst ....
.... Für das Tun oder Lassen in meinem Leben ... bin ich selber da!

... Erschreckend, aber auch seeehr erleichternd! ...

Die Trauer nur wegzudrücken, verstärkt und verlängert den Schmerz, das Gefühl des Mangels nur. Der Gier kein Futter geben ... In vielem muss es ein Masshalten sein, auch wenn es mir nicht immer leicht fällt!

. . .



Donnerstag, 4. August 2016

Traurigkeit



Ich weiss nicht genau, welchen Moment sie genutzt hat, um einzutreten, nun ist sie da. Die Trauer.

Ich lebe nicht das Leben, das ich gerne leben möchte. Was mich gerade schmerzt. Es fühlt sich stumpf und abgenutzt an. Und ich weiss, dass ich das JETZT ändern muss, beginnen muss, das zu ändern. Weil es sonst weiter runter geht.

Ich will mein Leben nicht ewig auf "später" verschieben (wenn ich noch "stabiler" bin etc. haha) und immer vernünftig sein (ja nur nicht übertreiben), stets mit allem und jedem Mass halten, nur weil ich ein paar seelische Handicaps habe. Ich verzichte bereits auf genügend Dinge/Events/Aktivitäten, weil ich weiss, dass diese mir schaden oder die Zeit bei mir noch nicht reif ist dafür.

Die seelischen Handicaps/Altlasten schränken mich zwar ein, doch ich will mich trotzdem nicht aufhalten lassen. Ich möchte mich endlich wieder mal richtig lebendig fühlen. Mit der Vergleicherei (mit anderen in meinem Alter) aufhören. Und mich an meinem Können freuen, dass definitiv da ist und ausgebaut werden will.

Trotz all meinen Ängsten möchte ich jetzt endlich auch auf der beruflichen Ebene mehr Zufriedenheit erreichen. Ich habe den Eindruck, unter meinen Niveau zu leben. Nicht vom Finanziellen her, sondern von den Inhalten, mit denen ich mich beschäftige. Das ist nicht meins. Definitiv nicht mehr. Gewogen und für zu leicht befunden!

Ein lauwarmes Leben, ein halbwarmes Gefühl. Mein Blog habe ich damit nicht behelligt, da ich es mit mir selber ausmachen wollte -- und nicht in der relativen (Welt-)Öffentlichkeit des Blogs.

Nun drängt es mich aber, es auch hier festzuhalten. Auch aus dem Grund, dass ich es dann nicht mehr übersehen kann und ich mich "geoutet" habe ;)

Habe in den letzten Jahren das meiste in meinem Leben der Balance untergeordent (fit und stabil genug bleiben, Schlafen, Essen, Arbeiten, Urlaub) und der Vernunft. Und jetzt sehne ich mich nach den roten Schuhen*. Den selbstgemachten bitteschön. Das Verlangen nach Exzessen hält sich inzwischen in Grenzen. Ich mag es inwzischen, das Leben wachsen selber zu lassen -- statt nur nach den roten Früchten zu greifen.

Warum halte ich es dann unter Verschluss?!
Warum halte ich mich selber unter dem Deckel ...
... Seufz ...

Für mich kommt es auch nicht überraschend, dass dieses Leben wie ich es führe, jetzt auf dem Prüfstand steht. Dezent hat sich das schon länger abgezeichnet. Gewusst habe ich es auch, dass so ein "normales" Arbeitsleben für mich eben nicht ausreicht, mich nicht ausfüllt. Da muss Leben in der Bude sein! Da muss es doch mehr geben als das tägliche Bild in Grautönen und Pastell ..

Das letzte Mal, dass ich mich wirklich freu und gut gefühlt hab, war mit meiner alten Schulfreundin, als wir vor einiger Zeit klönend im Gras lagen. Oder als ich mit anderen Zeit verbracht habe.

Mit anderen etwas erreichen, das wünsche ich mir.
Mit anderen, die auch lebendig sind!

Habe mich ganz in der täglichen Routine verkrampft. Und wage mich keinen Schritt mehr weiter. Obwohl es Visionen gibt, von einem besseren Leben, einem, in dem ich mehr aus meinen Stärken heraus leben kann.

Was mir eben auch bewusst ist, deutlich bewusst, sind meine Grenzen -- und deshalb schwanke ich. Das stecke ich Neues oder Unvorhergesehenes nicht einfach weg. Da kann mich Kleinstes nachhaltig und hinterhältig erschüttern und verunsichern.

Es ist eben nicht so, dass alles "schon mit der Zeit kommt". Es gibt Bereiche, da konnte ich nichts Stabiles aufbauen bis jetzt, weil die Sicherheit immer wieder wegbricht. Einmal Erreichtes, das an einem schlechten Tag plötzlich unerreichbar wird, mir unter der Händen zerbröselt, als wärs nie dagewesen. Da ist dann wieder Aufbauarbeit gefragt.

"Sie möchte am liebsten immer wieder von vorne anfangen", so hat es einer meiner Lehrmeister liebevoll und wohlmeinend ausgedrückt. Und er hatte recht. Wenn das Selbstvertrauen weg ist, kann ich scheinbar GAR NIX mehr. Black- und Whiteouts treten auf und dann ist da nur noch Rauschen.

Das kann mir jederzeit passieren. Da müssen nur ein paar Auslöser zusammentreffen und dann ist alles weg. (Scheinbar). Blockaden, Ängste und massive Selbstzweifel treten manchmal auch in der Freizeit auf. Das ist nicht mal davon abhängig, wie anspruchsvoll die Tätigkeit ist, mit der ich mich gerade beschäftige. Es ist mehr meine mentaLe Verfassung und die jeweilige Umgebung (inkl. Mitmenschen).

- - -

Die feine Art der Traurigkeit, die stille und doch so grosse Sehnsucht in mir nach "mehr" -- die überraschen mich in ihrer Heftigkeit dann doch. Dass etwas so Feines so stark sein kann. Das ist keine Flucht in Tagträume mehr -- das ist ein ausgewachsener Hunger nach Leben!

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Ich habe, vor lauter Erleichterung darüber, ein Leben wie die anderen zu führen, endlich führen zu können, meine innere Stimme schon länger unterdrückt.

So im Sinne von: Das muss doch jetzt reichen.
Nein tut es eben nicht! Ganz und gar nicht ..

Habe auch verdrängt, dass ich so ein Leben gar nie angestrebt habe. Ich habe gemacht, was ich den Eindruck hatte, was man von mir erwartet.

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Und was erwarte ich eigentlich von mir?!
Kommt da plötzlich eine lustvoll-sinnige Frage aus meinem Innern ...

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Das wäre dann auch eine erste Antwort auf eine der beiden Fragen, die ich mir im vorletzen Post gestellt habe: Was brauche ich auf meinem beruflichen Weg?

Lebendigkeit,
Leben,
Freude!

Ja ...






*Die roten Schuhe -- ein Märchen von Hans Christian Andersen

Freitag, 12. Juni 2015

Sommer-Blues

Zurzeit wieder mit umwölkter Seele unterwegs. Ich kann es nicht genau zuordnen. Fühle mich traurig und etwas erschöpft. Dass mir eine langjährige Freundschaft quasi online aufgekündigt wurde, kommt dazu. Das tut einfach nur weh. Und es bleiben viele Fragen offen, da es ziemlich kompromisslos ablief. Es ist mir monatelang sehr gut gegangen, so dass ich jetzt etwas hilflos bin und erschreckt. Ich weiss, dass es wieder gut kommt mit mir, aber es braucht seine Zeit. Geduld.

Samstag, 22. Oktober 2011

Zum Gedenken



Für meinen Bruder M., den Denker, Dichter, Musiker, Rapper und Hiphop-Fan (1984-2007). Dein Leben war kurz und doch erfüllt. Leider hast du zu schwer daran getragen. Du hast dich dagegen entschieden.
23. Oktober 2007. Ein Tag den ich nie vergessen werde.
- - -
Zum Glück hast du mir die Musik dagelassen. Seither mag ich Hip Hop.
Das ist dein Vermächtnis.
Darum dieses Lied - das wir beide so mochten - für uns beide und alle die zuhören mögen ..

One Love - ei Liebi
für immer ..

Freitag, 26. August 2011

Umbau und Schlangenhaut

Ich habe meine Blogtapete gewechselt. Hab mich vorerst mal in der Bibliothek verschanzt. Was Altvertrautes wird als vorübergehende Bleibe ganz passabel sein. Mit Kaminfeuer und Ohrensessel. Währends draussen in der Welt stürmt und ich selber einen Kokon brauche. Cocooning. Die Nachrichten bleiben aussen vor, und ich studiere lieber die grösseren Zusammenhänge. Und ich versuche, vor allem, mich selber besser zu verstehen und meinen ganz normalen Alltag zu leben.

In meinem Leben ist ebenfalls Umbau. Ich habe eine neue Arbeit, läuft ganz gut. Mit vielen Unsicherheiten, doch auch ersten Erfolgen und in einem angenehmen Arbeitsklima. Der viel grössere Umbau findet währenddessen in mir selbst statt. Die Müdigkeit der letzten Jahre.. Kann ich die denn nie ablegen?! Ich spüre schon die nächste Krise herannahen, wenn man das so nennen will. In meinem Leben laufen die Veränderungen meist über schmerzhafte Metamorphosen. Schmerzhaft vielleicht deshalb, weil ich mich dagegen sträube, dauernd eine neue zu werden. Die uralte Schlange häutet sich, wälzt sich aus der zu eng gewordenen Haut. Es ist eine mühsame Prozedur.  Ich versuche zu verstehen, woran das liegt. Ist es Schicksal? Oder sehe ich das zu fatalistisch? Manchmal kann ich es einfach nur an- und hinnehmen. Worte reichen da nicht hin, wo der Urgrund dieser Gefühle liegt. Hm, ich kann es nicht Gefühle nennen, es ist elementarer. Elemente. Ungefärbt. Urschlamm. Es gibt kein Ankommen. Es gibt nichts zu erreichen. Nur ein Sein. WachSein. DaSein! Sei da; Denn DaSein heisst; da zu sein...
In meinem Erleben ist es auch nichts, was sich einfach so ändern liesse; ich lebe sehr stark in diesen Zyklen und Elememten, das wird mir immer deutlicher bewusst. Ich muss da durch. Gerade ist es eine immense Erdenschwere und eine tiefe Trauer, die ich spüre. Die Bürde der Existenz. Inkarnation. Vielleicht als Anker, um nicht davon zu driften, Form annehmen, irdisch sein, ...

Freitag, 25. Februar 2011

Wehmut und Dankbarkeit

Ich merke, dass die Trauer um ein Tier genauso intensiv und langwierig sein kann, wie diejenige um einen Menschen. Max fehlt mir – und ich denke viel an ihn. Mir kommen immer wieder viele schöne gemeinsame Momente in den Sinn. Das ist das, was mich dankbar macht, trotz der Traurigkeit. Zudem habe ich den Eindruck, dass der Tod und was danach kommt, für die Tiere nichts Beängstigendes ist, sie sind schon die ganze Zeit in dem Fluss von Werden und Vergehen. Sie sind in diesem Strom geborgen, gegen dessen Sog wir Menschen uns so sehr wehren. Ohne Erfolg natürlich >_< Ich habe ein gutes Gefühl wenn ich an Max denke; es gehe ihm gut, lässt er mich wissen. Ich glaubs, denn ich kann es spüren. Und es macht mich fröhlich.

Montag, 24. Januar 2011

3 weisse Rosen


Diese wunderbar unschuldigen Rosen habe ich für meinen verstorbenen Bruder gekauft. Ich habe sie nicht auf den Friedhof gebracht. Zu diesem Ort der Trauer kann ich keine Verbindung aufbauen, er löst wenig in mir aus. Sondern ich habe die Rosen zu dem Haus gebracht, in dem M. zuletzt lebte. Dorthin zieht es mich ab und zu, dort kann ich Innehalten, Trauern, Gedenken... Das ist auch der Ort, an dem es mich mit voller Wucht trifft. Dort verliert sich seine Spur. Von dort aus suche ich mir meinen Weg zurück in mein eigenes Leben.

Montag, 10. Januar 2011

Verhallend

An meinen kleinen Bruder M. (geboren 1984, gestorben 2007)

Ich höre ein melancholisches Lied, da kommst plötzlich Du mir in den Sinn. Bilder und Szenen aus unserer Kindheit tauchen auf. Ich frage mich: Habe ich das alles tatsächlich erlebt? Es erscheint mir so unendlich weit entfernt, unwirklich. Eine Fata Morgana die unerreichbar ist, es könnte auch ein intensiver Film gewesen sein, in dem ich mich verloren habe. Und doch weiss ich deutlichst, es war genau so, denn ich erinnere mich an Dich. Wie Du aussahst, wie Du sprachst, worüber Du gelacht hast und wie Deine Stimme dabei klang.

Ich weiss noch, was Dich bewegt hat, weiss es zu genau. Ich weiss, was Du gern gegessen hast und welche Serien Du Dir gerne angeschaut hast. ich erinnere mich an viele gute Gespräche, ein Tiefgang wie der Deine findet sich nun selten in meinem Alltag. An Dein interessiertes Nachfragen erinnere ich mich, wenn ich Dir etwas erzählt habe was ich erlebt habe, Du wolltest es stets genau wissen. Manchmal nervte mich das.

Ich erinnere mich an soviele Deiner Eigenheiten und Eigenarten, an gemeinsame Erlebnisse und Geschichten. Ich vermisse Dich. Doch die Erinnerungen fühlen sich immer seltsamer an, als wären sie nichts mehr wert. Eine ungültig gewordene Währung. Sie lösen sich nicht ganz auf, die Erinnerungen, sie fühlen sich nur immer weiter entfernter an, sie gleichen einem langsam verhallenden Lied. Worte und eine Melodie die langsam vergehen. Als würden mich das alles nichts mehr abgehen. Es fühlt sich vergangen an.

Darum lasse ich Dich jetzt gehen. War schön mit Dir.

Was bleibt, ist das Leben. Das meine. Und das geht mich was an!
Machs gut …

Montag, 27. Dezember 2010

Max (1999-2010)


Der Hund, dieses liebevolle Wesen, schnüffelt nun auf der Himmelswiese weiter! Ich bin dankbar für all die wunderbaren Stunden, die wir zusammen verbracht haben. Ja, Dankbarkeit und Liebe sind die stärksten Gefühle, wenn ich nun an ihn denke. Und: Ich spüre, er ist ganz nahe, mit seinem unglaublichen Humor und seiner grossen Liebe. Ab und zu spüre ich ihn um mich rumwuseln, und dann muss ich lächeln .. Soweit ist er eben doch nicht weg. Als ich ihn kurz nach seinem Tod fragte, ob ich noch etwas für ihn tun könne, meinte er: "Vergiss mich nicht. Behalte mich und meine Lektionen in Erinnerung!" Das werde ich tun, ganz bestimmt, versprochen ...

Montag, 11. Oktober 2010

kindheitslieder und erinnerungen

claudia klinger schreibt über kindheitslieder. meine kindheit fällt in die 80er und 90er jahre. mir fallen da als erstes gleich reinhard mey und konstantin wecker ein, deren lieder sind am deutlichsten hängengeblieben. "alle soldaten wollen nach haus", "das letzte abenteuer" – die haben besonders eindruck hinterlassen! von wecker kann ich es nicht sagen. vielleicht "uferlos"?

radio hörten wir selten, ich erinnere mich zumindest nicht daran. es lief sehr viel klassik, vorallem wenn mein vater mit seiner arbeit fertig war (er arbeitete viel daheim).

mey höre ich heute nicht mehr. seine lieder stimmen mich melancholisch. und zudem verbinde ich seine lieder vorallem mit meinem verstorbenen bruder (1984–2007), denn er liebte meys lieder über alles. meinem kleinen bruder widme ich daher meys "mein kleines dorf am ende der welt."