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Dienstag, 1. Februar 2022

Ja (ja zum Weg, ja zu meiner Gestalt und ja zu meinem Sein und Werden)

Aus meinem Seelenhunger heraus habe ich einst ganz laut: WACHSTUM! ins Universum hinaus gerufen. Und das geschieht nun, konsequent ... ohne Wenn und Aber. 

Ich erinnere mich noch an den Herbst 2017, da hatte ich eine Vorahnung, dass sich mein Leben verändern wird. Es war wie ein ferner Ruf den oder ein inneres Reissen/Gerissensein das ich innerlich spürte/hörte und es machte mir auch etwas Angst, da ich es nicht verstehen oder einordnen konnte. Es war ein unwiderstehlicher Sog, der mich aus meinem alten Leben herausgelöst und herausgepulst hat. 

Heute, mehr als 3 Jahre später, sieht mein Leben so ganz anders aus, und die Angst ist nicht ganz gewichen, ich ahne, da kommt noch anderes. "Zu Ende" ist es jedenfalls nicht. Das ist eher erst der Start ...

Aber nicht nur die Leber wächst mit ihren Aufgaben (danke Herr Hirschhausen)! Auch ich tue es ... Ich wachse. Täglich .. Und dann kommt mir Rilke in den Sinn. Dankbar bin ich auch für: Seelenverwandte, die Kunst, das Göttliche und das Internet (wo ich wiederum auf Seelenverwandte und Impulse stosse). Dankbar bin ich für die Kraft der Natur, die sich um mich und in mir, immer wieder Bahn bricht, manchmal mit Wucht. Bis es wieder stimmt: So muss das sein ... Ich wehre mich, nach wie vor, manchmal. Ich kenne meine Aufgaben und doch wehre ich mich gegen meine Bestimmung. Ich muss wahrhaftig sein und ich muss Wahrheiten aussprechen. Ich muss gestalten und ich werde gestaltet. 

Ich ziehe eine Göttinnenkarte in meiner Not der letzten Zeit: Bleudewedd. Die Blumengöttin. Mutter Erde. Gut. Die Erde fordert einen Tribut von mir. Ich werde krank. Es macht Sinn. Der Engpass will überwunden werden, und wenn ich nicht selber zur Ruhe finde, dann halt so ... 

Aktuell genese ich gerade von Covid19, das letzte Woche bei mir ausgebrochen ist, und ich bin auch daran, die Erschöpfung zu überwinden, die ich schon seit letzten Herbst spüre. 

Es ist immer wieder die Auseinandersetzung damit, wer ich eigentlich bin, die Frage nach meiner Identität. Wenn ich mir fremd werde, hat das Konsequenzen. Es gibt kein Zurück mehr! Ein zu enges Gefäss, ein zu enger Geist, zu enge Verhältnisse, das passt nicht mehr.

Diese Auseinandersetzung mag sich nicht allen Menschen so existenziell und wesentlich zeigen, wie sie es bei mir tut. Die Auseinandersetzung gehört zu meinem Wesen und meinem Weg und ich will/muss darüber schreiben. Auch das ist mir wichtig. 

Mir geht es gut damit, zwischen den Geschlechtern zu stehen, und zu den Gestaltwandlern zu gehören.  Und ich wachse in dies alles hinein, da ist mein Weg, da ist der Platz, an den ich gehöre. Mein Bauch sagt ja, und Wärme breitet sich in mir aus.


Dienstag, 2. November 2021

Aller Seelen ...

Etwas düster in der Stimmung und Verfassung, und die Jahreszeit ist halt auch so. Andererseits mag ich ja gerade diese Zentrierung, die diese Zeit des Jahres mit sich bringt. Innerlichkeit und Konzentration, Rückzug aufs Wesentliche. Das Abgründige und Schwere, Erdige schwingt halt auch mit. Unter Menschen zu sein, strengt gerade besonders an. Vielleicht ist die irdische Schwere da für die nötige Bodenhaftung bei aller Innenschau? Ja, so mag es sein.

Die Selbstzweifel sind hochaktiv, wenn ich bei der Arbeit bin. Nun arbeite ich im Innenbereich der Gartenabteilung und kenne mich da schlecht aus. Das stresst. Die Kunden erwarten Auskünfte zu Rasenmähern und Laubbläsern und Co, die ich nicht geben kann. Trotzdem verstecke ich mich nicht vor ihnen ;) Ich stelle mich dem Ganzen, und muss halt auch viel meine Kolleginnen fragen, die auch unter Druck sind, wegen Personalmangel. Das fühlt sich nicht gut an und macht mich nervös. Als finanzielles Zubrot wasche ich Zuhause Betriebswäsche, was für mich stimmig ist und was ich nebenher machen kann, Bügeln muss ich nicht, das wäre nix für mich.

Der Todestag meines Bruders jährte sich zum 14. Mal am 23. Oktober. Omas Todestag fast zum gleichen Zeitpunkt, einfach 2 Jahre vor seinem. Wir (Bruder mit Tochter, Mutter und ich) trafen uns letztes Wochenende mit vier von seinen alten Kumpels, die ihm immer noch die Treue halten. 

Ich dankte einmal im gemeinsamen Gruppenchat dem Organisator des jährlichen Treffens für die Treue und es kam diese Antwort: "Ich glaube ich rede für alle, wenn ich sage, dass er ein Teil unseres Lebens ist und dies auch bleibt."

Das Treffen berührte mich tief, einmal mehr. Schade ist, dass dies ihn nicht im Leben halten konnte, so gute Freunde zu haben! 6 tolle und wahrhafte Freunde und es reichte nicht. Natürlich ist da auch immer noch Trauer, und manchmal bin ich in meinen Träumen auch die grosse Schwester, die mit dem kleinen Bruder schimpft, wegen dem Mist, den er verbockt hat. Ja, Trauer ist da und ein "schade". Vor allem weil mein Vater ja im Dezember 2018 auch noch gestorben ist. Ich ehre das Andenken der beiden. Und ich lebe mein eigenes Leben so gut und wahrhaft wie ich es vermag!

Meine eigenen Tiefen: Ich halte dagegen mit Gebet, Yoga, Gesprächen und dem, was ich sonst zustande bringe. Ich weiss, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Dass dieser leicht ist, kann ich nicht sagen. Doch er ist lohnend, es ist meiner und ich werde begleitet, von Menschen und anderen Wesen. Auch einem Wesen mit vier Pfoten und weichem Fell ... unserem Kater, der die Weisheit und Sensibilität hat, mich zu erreichen.

Menschen gelangen mit gestalterischen Anliegen in letzter Zeit an mich, ich konnte einer Lernenden mit den Adobe Programmen helfen und ich spüre, dass ich da wieder Substanz am Knochen habe in der Gestaltung und Kunst --- und aus dem Vollen schöpfen kann. Die berufliche Pause war jetzt lang genug, der Hunger ist wieder da! 

Heute lege ich einen Gestaltungstag ein, da ich frei hab. Einen Blumentopf hab ich aufgehübscht und ein weiterer wartet noch drauf. Nebenher läuft die Betriebswäsche in der Maschine. Das kreative Tagebuch, wo ich reinmale und reinschreibe, liegt neben mir. Ich ringe mir ab und zu eine Seite ab. Und freue mich dann, wenn ich wieder durch das Buch blättere, es lohnt sich.

Zudem hab ich mal wieder Hand angelegt und mir selber einen 5mm Haarschnitt verpasst, es musste mal wieder sein. Danach auch immer der Griff zum Kajal um meine Augen zu betonen... den brauchts. So fühle ich mich als mich selbst. Bei aller Radikalität. Weich und hart zugleich, unvergleichlich mich selbst ... beständig in meiner Wandlungsfähigkeit.

Dienstag, 2. März 2021

Etiketten?! Ne, danke. Mein Leben hat viele Farben.

Was mich nebenher privat noch beschäftigt, sind meine widersprüchlichen Emotionen, denen ich gerade auf den Grund gehe. Voll unter Dampf zu stehen, schleisst mich auch recht und wirbelt Altes hoch. Ich spüre viel mehr Power als in den letzten Jahren, da ich mich weniger selber blockiere und mein Coming Out als Mensch andauert. Ich hab mich soweit weg versteckt gehalten, mich zurückgehalten, mein Licht gedimmt. Es ist ein langes und intensives Rauskommen. Ich staune. 

Andererseits: wohin mit der nun freiwerdenden Kraft? Wofür verwende ich sie? Und da komm ich ins Stolpern. Allzuoft spült es alte Angst und Tabus hoch und manchmal spür ich auch, dass ich meine Gefühle blockiere und taub werde. 

Ich darf nicht ...

Stark sein, meine Persönlichkeit zeigen, anders sein, grüblerisch sein, kompliziert sein, widersprüchlich sein, empfindlich sein, genau sein, impulsiv sein, sensibel sein, Ideen haben, anderer Meinung sein, mich von der Masse abheben .... usw.

Ich hab überlebt, bin da. Ich lebe mein Leben in vollen Zügen und ein Zurück geht nicht mehr. Ich bin da. Ich bin sichtbar. 

Da kleben noch so viele Etiketten an mir! Soviel Energie geht noch in diesem Ballast verloren und der Mut sinkt wieder.

Und wenn ich mich mit LGBT+ Themen beschäftige, regnet es neue Labels. Als was labele ich mich denn nun?! Ich merke, dass ich dazu gar keine Lust habe. Rauskommen um dann wieder in einer Schublade zu verschwinden? Ne, soweit gekommen, das tue ich mir nicht an. 

Ich bin Anne. Basta. Und ihr findet mich irgendwo unter dem Regenbogen. Das Leben ist bunt...



Donnerstag, 26. November 2020

Vom Rauskommen ...

Meine berufliche Auszeit gestaltet sich variantenreich. Ein Tag wie heute sticht daraus hervor, denn ich habe mich wieder aufgefangen und fühle mich bei mir. Die letzten Tage waren schwer.

Es gibt eben so Tage, an denen ich mich mit Müh und Not durchhangle. Tiefste Selbstzweifel quälen mich dann. Immer wieder meine Verfehlungen in Grossaufnahne .. und ich komme zu dem altmodischen Begriff "Anfechtungen". Weil das passt. Meine Dämonen sprechen zu mir. Triezen mich, sprechen meine tiefsten Ängste an und ich versuche, ihnen Contra zu geben. Schwere, Schwärze, Angst. Hindurchgehen muss ich.

Ein Coming-Out ist kein Spaziergang, auch wenn ich jetzt schon länger auf diesem Weg bin. Und es ist ein Coming-Out auf ganz verschiedenen Ebenen. Klar, ich liebe eine Frau und ich lebe mit ihr. 

Da ist aber noch so viel mehr! Wie lange habe ich vieles von mir verdrängt und unter Verschluss gehalten?! Gerade auch meine Stärken. Ich war es gewöhnt, die Schwache und Angeschlagene zu geben. Das geht so nicht mehr. Weil ich viel mehr bin als das. Der ferne Mann sagt: We're all a little bit broken .. and that's okay. 

Und die nahe Frau sagt: Eine flog übers Kuckucksnest. Und meint damit mich! Sie vergleicht mich mit dem Indianer in der Geschichte. Einem der so tut, als wäre er nicht ganz bei Trost. So tun als ob man spinnt, um die eigene Haut zu retten. Undercover den Deppen geben um Rauszukommen und die Freiheit zu erlangen. Ja, verdammt. Wie wahr! 

Nach dem ersten leeren Schlucken merke ich, dass die Wahrheit über mich selber herauszufinden, mit gut tut. Was andere über mich sagen, sind dann die einzelnen Mosaiksteine, die ich gerne entgegennehme, weil sie mir dabei helfen, ein ganzes Bild zu bekommen. 

Es braucht sehr viel Mut, mich mir zu stellen, zu mir zu stehen, doch es bringt auch eine tiefe Freude und mehr Sicherheit.

Ich weiss, dass ich auf dem rechten Weg bin.





Samstag, 2. Februar 2019

Danach und neue Wege

Wieder auf ruhigeren Wegen unterwegs. Die Kräfte kommen auch wieder zurück. Dass mein Vater nicht mehr da ist, hab ich nun auch langsam realisiert.

Das hat seine Zeit gebraucht, ist es doch so schnell gegangen. Am Abend noch seine Hand gehalten und am nächsten Morgen kam der Anruf, dass er gestorben ist.

Die administrative Lawine danach kam, liess schon gar keine Atempause zu. Gleichzeitig Trauern und sovieles zu erledigen. All der Kram ... Zum Glück konnten wir es aufteilen. Und Vaters Lebensgefährtin hat so vieles gemacht.

Und all die vielen Menschen, die mit uns Abschied genommen haben ... Es war schön zu sehen, wie sein Leben und seine Arbeit Kreise gezogen haben.

Aber es war auch überwältigend im guten wie im mühsamen Sinn. Keine Rückzug möglich für eine Weile. Nun komme ich wieder bei mir an. Und das fühlt sich stark an.

Sonntag, 30. Dezember 2018

Ein Kreis hat sich geschlossen _ Neuland

Der Kreis hat sich geschlossen. Mit der Bestattung meines Vaters am letzten Donnerstag ist ein Lebenslauf zu Ende gegangen. Er ist im Frieden jetzt. Ich konnte es am Morgen seines Todestags fühlen.

Und es hat mich erleichtert, habe ich doch jahrelang seine Lasten gespürt und versucht, mitzutragen. Weil wir immer ein besonders gutes Verständnis zusammen hatten. Von Herz zu Herz.

Das Vakuum, das ich nach seinem Tod vor zwei Wochen gespürt habe, verfliegt ....

Viele gedrückte Hände, Umarmungen, gute Worte und Tränen später. Nach intensiven Wochen, die mir alle wie ein Film erschienen sind. Der entweder zu schnell ablief oder dann in Zeitlupe.

Ich habe nun eine heftige Erkältung und damit kehrt nun doch die Ruhe ein, nach der ich mich schon so lange gesehnt habe. Die ich auch an den Festtagen nicht finden konnte. Für mich stimmig. Lahmgelegt zu meinem eigenen Besten.

Ich geniesse die Ruhe und die Tage ohne Arbeit und andere Verpflichtungen. Neue Energien tauchen auf und ein Gefühl von mehr Freheit.

Sonntag, 23. Dezember 2018

Unterwegs

Die ganzen letzten Monate waren teilweise ein Gang durch die Unterwelt. Ich habe viel gebettelt, gebetet und gefleht, ich kannte mich nicht mehr aus. Und gedankt habe ich auch, es gab Gründe dafür. Einige. Und es gibt sie noch.

Verlor ich mich nun komplett oder war ich daran, ganz zu werden?

Die Trennung im Frühjahr hat mich auf mich selber zurückgeworfen. Und ich fühlte, dass es gut ist, einfach weiterzugehen. Dass es gut ist, nicht zurück zu schauen und meinen Blick nicht in den Fratzen in den Schatten zu verlieren. Wie im Märchen. Wie in der Bibel. Vertrauen. Nach Innen horchen.

So war 'vorwärts' meine Devise. Viele Tränen geweint und viele innere Kämpfe ausgefochten. Die Angst im Nacken.

Das ganze Jahr eine einzige Wandlung.

Bei Hölderlin heisst es:
"Nah ist
Und schwer zu fassen der Gott.
Wo aber Gefahr ist, wächst
Das Rettende auch."
(Aus dem Hymnus "Patmos")

Ich kenne nicht den ganzen Text, kenn mich nicht aus mit den Klassikern. Aber an dieser Passage habe ich mich gehalten. Und ich habe erfahren, dass wirklich immer ein neuer Tag kommt, auch nach der schlaflosen und dunklen Nacht.

 Ja, ich bin eine Schwärmerin und ich erlebe mein Leben auf diese Weise wie ich es beschreibe. Ich hab mich immer den Mystikern und ProphetInnen nahe gefühlt, den Freigeistern und den Narren.

Etwas neben der Spur halt. Und immer habe ich ein Auge auf die Schönheit am Wegesrand. Und so leb ich. Zwischen den Zeilen. Mit Vertrauen. Es gibt einen Grund.

So ist es eben. Und daraus nehme ich auch meine Stärke.

Freitag, 6. April 2018

Spiel des Lebens

Lektionen

Eine nach der anderen. Aber ich bin eine gelehrige Schülerin ... und das Lernen macht mir nun sogar Freude. Je stärker ich die innere Stimme wahrnehme. Die Lektionen kommen subtiler daher und mit weniger Wucht. Ich entdecke die Freude am Spielen damit. Ja, ich erfreue mich tatsächlich daran. An den guten Tagen. An den schlechten finde ich eh, dass Hopfen und Malz schon lange verloren sind .. und das Leben eine falsche Bitch ist. *trockenes Lachen* ;)

Ich versuche, mich nicht mehr selber zu bescheissen und achte auf die Resonanzen in meiner Umgebung. Ich lerne, klare Grenzen zu setzen. Bei manchen Menschen hilft nur ein Schuss vor den Bug. Ich lasse mich nicht mehr als Projektionsfläche benutzen und versuche, die Menschen in meiner Umgebung vor meinen Projektionen zu bewahren. Egal ob es sich um Ängste oder Wünsche oder Wut handelt. Raus aus den Spielen und Spielchen!

Tarot
7 der Kelche: Pflücke einen Traum, lasse dich nicht von Illusionen blenden und aufhalten.

PS: Manchmal reicht es, meine Grenzen aufzuzeigen, um Hass und einen Schwall Emotionen auf mich zu ziehen. Etwas was ich nicht will, ist jemanden zu verletzen. Diese Zeiten sind wirklich vorbei als ich das brauchte.

Und doch passiert es. Durchs Aussprechen von gefühlten Wahrheiten und dem Ziehen von Grenzen verletze ich. Ich falle nicht mehr ins Bodenlose wenn ich es bemerke, aber kalt wird mir. Das Gefühl jemanden verletzt zu haben, das finde ich Scheisse.

Ich merke, da sind wüste Stellen in meiner Seele, wo kaum was gedeiht. Ödland. Verletzungen. Narben. Und die werden deutlich, wenn meine Grenzen überschritten wurden. Du oder ich. Deine oder meine Wahrheit. Leben oder Tod. Und ich entscheide mich für mich und das Leben.

Und das Ödland in mir, es schmerzt mich genauso sehr, wie jemand anderen verletzt zu haben. Ich trauere dann wegen beidem.

Ich fühle, also bin ich.

Samstag, 10. Februar 2018

Frühling im Kopf




Ich will in Möglichkeiten denken. Doch. Ich will. Als unmöglich Empfundenes wahr machen. Die Blickrichtung lenken, auf das was ich umsetzen will.

Freitag, 12. Januar 2018

Wieder über den Berg

Ausser der Wand am Ende der Sackgasse habe ich die letzte Zeit oft nicht mehr viel gesehen. Überreizt und schwermütig, ich fühlte mich wie versteinert, nach aussen machte ich weiter.

Jetzt habe ich den Ausgang auf der anderen Seit der Gasse wieder gefunden, auch weil mir einige liebe Menschen Mut gemacht haben. Bin ich gerade wieder einmal über den Berg. Ich schlafe besser und bin einige Erkenntnisse und Erfahrungen reicher. Ich erkenne nun, dass ich mit meiner Art, in die Welt zu sehen, es mir schwerer mache, dass ich mich mental in Kleinkriegen und Gedankengängen verheddere, aus denen ich nicht so leicht wieder rauskomme.

... von einer lieben Freundin bekommen ....


Die alte Blockadehaltung; ich gegen der Rest der Welt. Was mir nicht gut bekommt ist abends zu lange Fernsehen und an den anderen digitalen Medien hängen. Und wenn ich in Lebenssituationen komme, wo ich immer nur reagieren kann, statt selber eine Aktion zu starten, dies löst Ohnmachtsgefühle und Überwältigtsein in mir aus und dann kommt die Schwärze oder Agression und Wut. Andererseits nehme ich auch viele Kleinigkeiten viel zu ernst und persönlich, die mich dann runterziehen. Stelle mich selber immer wieder in Frage, prüfe und hinterfrage mich selbst.

Ich hatte erst den Eindruck, dass ich den Winter viel besser wegstecke, als in anderen Jahren. Dies ist auch so. Doch es sind ganz neue Herausforderungen da, mit denen ich nun umgehen lerne. Zum Beispiel mehr Verantwortung bei der Arbeit, Zuständigkeit über einen grösseren Teil. Wenn ich zu wenig Rücksicht nehme und mir zuviel Zusätzliches zumute, dann geht es schief. Es ist wichtig, dass ich meiner Veranlagung, meiner sensiblen Konstitution, ja, meinem ganzen Wesen, Beachtung schenke -- und die Möglichkeit zur Erholung! Ich bin niemand anderes. Ich bin schon stark, aber auch ein recht verletzlicher Mensch und nicht besonders belastbar. 

Ich darf mir in meiner Freizeit nicht zu viel zumuten und ich muss auf meine Gedankenwelt achtgeben. Ich brauche immer Zeit und Raum zur Erholung, mehr als andere das vielleicht brauchen. Das ist wichtig. Und es ist in Ordnung.






Donnerstag, 23. November 2017

Dankbar sein (müssen) und gläserne Decken



Sei dankbar?! An diesem Dankbarseinmüssen stosse ich mich, seit es mir besser geht und ich mit viel weniger Stress lebe. Dankbarsein. Sei dankbar. Da kommt mir auch das Lied Dankbar von den Toten Hosen in den Sinn.

Doch es gelingt mir nicht ständig, dankbar zu sein, weil ich mich nun keineswegs nonstop zufrieden fühle. Und das ist die Krux: Frust.

Wahrscheinlich hab ich mir das so gedacht: Geht es mir dann in meinem Leben mal besser, ist ab da dann alles in Butter.

Aber nun stosse ich mich an gläsernen Decken und Wänden. Mein bisheriges Leben wird mir zu eng. Hmpf. Nun soll ich also noch dankbar sein dafür, dass da wieder ein innerer Druck entsteht?!

Manchmal getraue ich mich kaum, darüber zu sprechen oder zu reden, wie frustriert ich mich manchmal fühle, weil ich ja eben "dankbar sein müsste". Doch es muss raus. Die Arbeit an mir selbst hört nicht einfach von einem Tag auf den anderen auf. Jammern auf hohem Niveau versus es-beschreiben-wie-es-für-mich-ist.

Ich komme nun einfach in neue Räume meines Leben, in denen ich vorher noch nicht war. Und auch das ist eine Herausforderung. Es ist einfach "anders" herausfordernd. Dankbar zu sein IST wichtig für mich. In Momenten der Frustration brauche ich aber was anderes. Weil die Seele mich dann braucht und nicht mit hohlen Phrasen beschwichtigt werden will.

Räume von denen ich nichts wusste oder die ich als unerreichbar für mich angeschaut habe tun sich vor mir auf. Es ist, als wäre mein Leben ein Haus und ich hätte vorher nur im Keller und im Ergeschoss gewohnt .. und an manchen Tagen in der staubigen Rumpelkammer.

Nun entdecke ich, dass da im Grunde noch viel mehr ist als das -- und da ist ein Erstaunen in mir und auch ein wenig ein Schock. Denn mir wird bewusst, wie eingeschränkt ich bis jetzt gelebt habe. Das muss ich erst mal setzen lassen.

Ich geh dann mal die Treppe hoch und schaue was es da so alles gibt ....

So ganz ist es eben auch noch nicht in meinem Bewusstsein angekommen, dass ich mich wirklich von einem grossen Teil meines Ballastes befreit habe.

Manchmal komme ich mir vor wie ein Goldfisch, den man aus seinem viel zu engen Glas geholt und in einen grossen See gesetzt hat; ich ziehe immer noch die gleichen engen Kreise, mental. Das Leben ist neu, aber das innere Programm ist noch alt.

Die Resignation ist wie vorprogrammiert. Auch das ist eben auch ein Prozess; der seine Zeit braucht. Mir meinen Raum auch zu nehmen, zu klären was ich NUN brauche -- denn was ich vorher gebraucht habe, dient mir jetzt nicht mehr und es ist wichtig, den Kopf zu heben und den Blick für neue Möglichkeiten offen zu halten -- und durchzuatmen.


Donnerstag, 17. August 2017

Jetzt ist jetzt (Notiz an mich selbst)

Nicht alles, was ich haben will, wäre auch gut für mich. Manches habe ich und weiss es nicht zu schätzen. Was jetzt nicht ist, kann vielleicht noch werden. Wichtig: Sehen und fühlen was JETZT IST.

Sonntag, 16. Juli 2017

Angekommen (das Ende der grossen Sehnsucht)

Sehnsucht als zweite Natur 

Stets habe ich mich nach irgendwas und irgendwem verzehrt und mich so sehr gesehnt. War alle naselang unglücklich, weil natürlich unerwidert, verliebt. Meine stete Begleiterin, meine bittersüsse beste Freudin war die Sehnsucht. Romantische sehnsuchtsvolle Gedichte? Her damit! Der Mann, den es zu retten gilt? Her damit!

Wenn aber jemand MICH meinte, mit mir zusammensein wollte, schreckte mich das eher, denn Nähe war nichts, was ich gut zulassen konnte. Sex, das ging. Aber echte Nähe, die musste ich tatsächlich erst trainieren. Da war immer ein Machtgefälle, das ich nicht überwinden konnte. Entweder musste ich mich aufgeben oder der andere. Etwa in der Art. Bis ich merkte, dass man das bei den passenden Menschen gar nicht muss.

Ich bin so lange durch meine Trauer gewatet und durch meine Wut marschiert, bis ich nach und nach viele Mosaiksteinen gefunden habe und mich selber wieder zusammengesetzt hatte. Schlussendlich hatte ich vor allem nach einem bestimmten Menschen gesucht, nach dem einen wahren:  
Mir selbst. 

Ich habe jetzt ein Bild von mir, dass sich echt und natürlich anfühlt und bei dem ich nicht erschrecke, wenn ich hinsehe. Ich sehe Brüche und Schatten in mir, doch ich kenne sie genau und daher schrecken mich nicht mehr so. Die Schuld ist weg und die Scham. An beidem bin ich fast kaputt gegangen. Immer war da dieses Gefühl, falsch zu sein, irgendwie daneben und auf keinen Fall in Ordnung und auch nicht liebenswert. 

Innerhalb des letzten Jahres konnte ich hier Frieden schliessen. Indem ich mich besser um mich kümmerte und den Stimmen aus dem Schatten weniger Glauben schenkte. Dem Gezische und Geraune in mir weniger Glauben schenkte -- und mir genug Erholungsphasen. Zwischendurch gehts wieder etwas holpriger, aber meistens ist es jetzt viel besser als früher.

Es ist wie im Märchen: Während der Prüfung heisst es entweder "schau nicht zurück" oder "schau genau hin". Meine Seele führt mich und ich lasse mich von ihr führen. Ich betrachte meine Brüche und Schatten solange und mit so viel Liebe und Geduld, bis es mir wieder besser geht. Das gelingt mir mehr und mehr.

Endlich hab ich dich gefunden!


Mir ist kürzlich das Lied von den Toten Hosen eingefallen: Alles was zählt. Natürlich ist es ein Liebeslied. Für mich ergibt sich heute daraus ein ganz anderer Zusammenhang. Ich höre das Lied und mir wird klar, es beschreibt meinen Weg, wie ich mich selber gefunden habe und was es dafür gebraucht hat. Und dass ich mich jetzt nicht mehr von diesem Menschen trennen mag. Plötzlich habe ich Tränen in den Augen. Ich bin jetzt bei mir. Ich spüre diese Sehnsucht nur noch selten. Viele Lieder, die sich darum drehen, Liebe, Sehnsucht kann ich jetzt nix mehr damit anfangen. Es ist ein seltsames Gefühl, weil ich es nicht gewöhnt bin.

Da ist noch ein kleines Stück Sehnsucht in mir geblieben. Wenn ich mein Leben anschaue, dann ist es noch nicht ganz komplett und es ist mir klar, das noch ein paar Details fehlen. Doch die grosse allesverzehrende Sehnsucht, die ist gegangen.

Ich habe alles, was ich brauche. Daran halte ich mich. 

Ich muss nicht verzweifeln, wenn noch einiges fehlt, denn das ganz normale Leben ist meistens Stückwerk, bei den meisten Menschen.

Samstag, 16. Juli 2016

Feeling like a Würstchen again ..

Akut leide ich gerade wieder unter dem Kleines-Würstchen-Syndrom. Diesen Gefühlen von Unwert und dem Unsinn des eigenen Lebensentwurfs. Ich weiss schon, warum das so ist. Ich hab mich bei einem Anlass mal wieder als Randfigur gefühlt. Und das wackelt gewaltig an meinem Selbstwert. Der eh nie besonders stabil ist, sondern eher eine temporäre Sache.

Ich weiss, es geht jetzt eine gewisse Zeit, bis das wieder ins Lot kommt. Auch Wertschätzung von anderen erreicht mich in diesen Momenten schlecht. Unwichtig und vernachlässigbar, so komm ich mir dann vor. Wobei ich mir das selber zusammenreime und mir nicht deutlich gezeigt wurde.

Da kommt einiges Alte hoch. Die Angst vor dem Unwichtigsein für andere. In diesen Momenten kann ich auch nur schlecht akzeptieren, wenn mir Wertschätzung entgegengebracht wird. Weil ich aus Sicherheitsgründen bereits die Jalousien runtergelassen hab. Respektive ich kann es dann gar nicht fassen, dass jemand mich wirklich mag. Es knackt im Gebälk.

Ich bin froh, dass ich diese Dynamiken inzwischen verstehe. So komme ich auch wieder besser raus aus dem Ganzen. Wertschätzung für mich selber, das wird an diesem Samstag mein Thema sein ... und ich bin bereits dran, in dem ich diese Gedanken festhalte.

Nachtrag vom 21.7.
Würstchen-Notstand überwundenDas arme dürre Würstchen (alias ich selbst) ist wieder zu Bewusstsein gekommen und zur veritablen Bratwurst deluxe geworden. Mit Saft und Kraft. Spritzig.
Achja und ein zu kleines Ego ist nicht unbedingt mein Problem *grins*
eher ists manchmal zu sperrig .. das Ding ...was mir auch aufgefallen ist ... doch ich mag es trotzdem.
Unter anderem hat mir das Zusammensein mit einer alten Schulfreundin sehr geholfen. Sie wusste etwas zu erzählen, was die ganze Sache die mich beschäftigt hat, für mich relativierte. Ich muss zugeben, dass mir in diesem Fall eine Bewertung der Situation durch jemand anderen, sehr sehr geholfen hat. Der Druck ist weg und das ist gut.

Wie lagen, nach einem guten Essen, nachts in einem Berner Park im Gras und kicherten und erzählten uns Dinge aus unseren Leben. Das tat so gut. Da fiel soviel Schwere und Trauer von mir ab.

Und beide fühlten wir uns wieder wie damals als Teenager .. Mich verliessen plötzlich die Zweifel und ich spürte endlich wieder einmal das volle satte Leben. Ich freute mich auch über den beruflichen Erfolg meiner Freundin, ohne gleich wieder in Minderwertigkeitskomplexe zu verfallen.

Wie nichtig meine Ängste NUN wirkten! Das Leben hat mich zurück. Ja.


Freitag, 26. August 2011

Umbau und Schlangenhaut

Ich habe meine Blogtapete gewechselt. Hab mich vorerst mal in der Bibliothek verschanzt. Was Altvertrautes wird als vorübergehende Bleibe ganz passabel sein. Mit Kaminfeuer und Ohrensessel. Währends draussen in der Welt stürmt und ich selber einen Kokon brauche. Cocooning. Die Nachrichten bleiben aussen vor, und ich studiere lieber die grösseren Zusammenhänge. Und ich versuche, vor allem, mich selber besser zu verstehen und meinen ganz normalen Alltag zu leben.

In meinem Leben ist ebenfalls Umbau. Ich habe eine neue Arbeit, läuft ganz gut. Mit vielen Unsicherheiten, doch auch ersten Erfolgen und in einem angenehmen Arbeitsklima. Der viel grössere Umbau findet währenddessen in mir selbst statt. Die Müdigkeit der letzten Jahre.. Kann ich die denn nie ablegen?! Ich spüre schon die nächste Krise herannahen, wenn man das so nennen will. In meinem Leben laufen die Veränderungen meist über schmerzhafte Metamorphosen. Schmerzhaft vielleicht deshalb, weil ich mich dagegen sträube, dauernd eine neue zu werden. Die uralte Schlange häutet sich, wälzt sich aus der zu eng gewordenen Haut. Es ist eine mühsame Prozedur.  Ich versuche zu verstehen, woran das liegt. Ist es Schicksal? Oder sehe ich das zu fatalistisch? Manchmal kann ich es einfach nur an- und hinnehmen. Worte reichen da nicht hin, wo der Urgrund dieser Gefühle liegt. Hm, ich kann es nicht Gefühle nennen, es ist elementarer. Elemente. Ungefärbt. Urschlamm. Es gibt kein Ankommen. Es gibt nichts zu erreichen. Nur ein Sein. WachSein. DaSein! Sei da; Denn DaSein heisst; da zu sein...
In meinem Erleben ist es auch nichts, was sich einfach so ändern liesse; ich lebe sehr stark in diesen Zyklen und Elememten, das wird mir immer deutlicher bewusst. Ich muss da durch. Gerade ist es eine immense Erdenschwere und eine tiefe Trauer, die ich spüre. Die Bürde der Existenz. Inkarnation. Vielleicht als Anker, um nicht davon zu driften, Form annehmen, irdisch sein, ...

Dienstag, 22. Februar 2011

Gute Frage

Would you rather be right … or happy?
Marshall B. Rosenberg