Meine berufliche Auszeit gestaltet sich variantenreich. Ein Tag wie heute sticht daraus hervor, denn ich habe mich wieder aufgefangen und fühle mich bei mir. Die letzten Tage waren schwer.
Es gibt eben so Tage, an denen ich mich mit Müh und Not durchhangle. Tiefste Selbstzweifel quälen mich dann. Immer wieder meine Verfehlungen in Grossaufnahne .. und ich komme zu dem altmodischen Begriff "Anfechtungen". Weil das passt. Meine Dämonen sprechen zu mir. Triezen mich, sprechen meine tiefsten Ängste an und ich versuche, ihnen Contra zu geben. Schwere, Schwärze, Angst. Hindurchgehen muss ich.
Ein Coming-Out ist kein Spaziergang, auch wenn ich jetzt schon länger auf diesem Weg bin. Und es ist ein Coming-Out auf ganz verschiedenen Ebenen. Klar, ich liebe eine Frau und ich lebe mit ihr.
Da ist aber noch so viel mehr! Wie lange habe ich vieles von mir verdrängt und unter Verschluss gehalten?! Gerade auch meine Stärken. Ich war es gewöhnt, die Schwache und Angeschlagene zu geben. Das geht so nicht mehr. Weil ich viel mehr bin als das. Der ferne Mann sagt: We're all a little bit broken .. and that's okay.
Und die nahe Frau sagt: Eine flog übers Kuckucksnest. Und meint damit mich! Sie vergleicht mich mit dem Indianer in der Geschichte. Einem der so tut, als wäre er nicht ganz bei Trost. So tun als ob man spinnt, um die eigene Haut zu retten. Undercover den Deppen geben um Rauszukommen und die Freiheit zu erlangen. Ja, verdammt. Wie wahr!
Nach dem ersten leeren Schlucken merke ich, dass die Wahrheit über mich selber herauszufinden, mit gut tut. Was andere über mich sagen, sind dann die einzelnen Mosaiksteine, die ich gerne entgegennehme, weil sie mir dabei helfen, ein ganzes Bild zu bekommen.
Es braucht sehr viel Mut, mich mir zu stellen, zu mir zu stehen, doch es bringt auch eine tiefe Freude und mehr Sicherheit.
Ich weiss, dass ich auf dem rechten Weg bin.