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Freitag, 8. März 2024

Neuro-dingens

Mir wird bewusst, dass ich anders vernetzt bin in meinem Sein und Denken, es schon immer war. Ich habe Formen von grossen Begabungen (Sprache, Imagination, Intuition, Kreativität) und in anderen Bereichen da hapert es recht (Koordination, Mathematik, Systeme verstehen, soziale Interaktion in Gruppen). 

Mir hilft der Begriff der Neurodivergenz und ich ordne mich da ein. Ich brauche keine Diagnose, kein Schema, keine Therapie. Doch es tut mir gut, dass die Wissenschaft doch langsam versteht, dass Menschen nicht genormt sind und man zu lange die Abweichungen von der Norm als krankhaft und behandlungsbedürftig angesehen hat. 

Mir gibt das eine Genugtuung. Und ich treffe auf andere, auf Lebensgeschichten von anderen und Erfahrungen und Tools, die mir helfen. Ich verstehe mein Scheitern, mich in ein gesellschaftlich anerkanntes System einzufügen.

Das grosse Bedürfnis, es irgendwo zu lesen, was ich denn bin, ist weg. Wer soll denn das besser wissen als ich?! Niemand. 

Die spannende und wirklich wichtige Frage ist: wie komme ich klar? Wie gestalte ich ein gutes Leben für mich? Und das ist ein schöner Weg. Ich brauch halt Wanderschuhe und genügend Wasser und Proviant dazu! Und Menschen, die auch unterwegs sind. 

Freitag, 31. März 2023

Mir selber nahesein

 ... aus dem Schutzpanzer zu kriechen, den ich mir jahrelang angepasst habe, und dem ich mich dann angepasst habe, stellt sich als langwierig und stellenweise schwierig und schwer heraus. Ich könnte mich weiter vor dem Leben verstecken. Doch der Panzer bröckelt, engt mich ein. 

Sogar mich selbst, wage ich zu umarmen, ich pirsche ich mich an mich selbst heran, mache mir Komplimente. Bewundere im Spiegel die Muskeln, die ich durch die körperliche Arbeit angesetzt habe. Meine Lebensgefährtin grinst, wenn sie mich dabei erwischt. Und dabei Kokettiere ich mit ihr: Gefalle ich dir denn? Manchmal fühle ich mich wie ein Teenager und manchmal als die Frau von Mitte Vierzig, die ich laut Zahlen bin. Und ich will einfach Mensch sein, ausserhalb von Schubladen. Ich werde geliebt. Ich werde gebraucht. Und ich wage zu lieben und ich brauche andere auch. Besonders sie.

Ich komme dem Fühlen wieder näher. Nachdem ich jetzt länger im persönlichen gefühlsmässigen Lockdown verbracht habe. Ich bin einer Abwärtsspirale bis auf den Bodensatz gefolgt. Ich ertrage die Enge meiner Abwehrmechanismen nicht mehr und verzweifle dann doch wieder am Gefühl des Ausgeliefertseins wenn ich mich aus dem Kokon gewunden habe. Wenn sich viele Gefühle bewegen, ist das gut und doch auch "gefährlich" nach alter Wahrnehmung. Es braucht Geduld. Von mir und von den mich umgebenden Menschen. 

Bewegung ist da. Therapien sind auch nicht alles. Wozu noch? Es ist ja alles da! Ich wage mein Leben. Für jemanden, der gerne und viel denkt und sich Systeme zu eigen macht, kann der Schuss in der Therapie auch nach hinten losgehen. Ich weiss inzwischen zu viel. Ich kann alles im Kopf lösen. Vermeintlich. Mich für unerwünschte Gefühle und Empfindungen zu bestrafen, das kann ich auch. Das hat keine Therapie mir nehmen können. Ich habe es perfektioniert, über Gefühle nachzudenken, statt sie zuzulassen.  

Wohltuender sind Körperbehandlungen, ein Spaziergang, ein gutes Gespräch. Druck loslassen geht im Schreiben und im Reden. 

Der Lebensschmerz wird weniger, indem ich mich an jedem neuen Tag den Herausforderungen stelle. Ich habe einen Platz auf dieser Welt und Menschen, die mir nahe sein wollen. Dem Leben kann ich mich nur mit Leben stellen, wie ich merke. Ich wage es.

Freitag, 1. April 2022

I love Rock n'Roll

Eine harte Zeit. Ich merke, dass ich vielerorts an der Schwelle stehe und viel angestaute Energie da ist. Alte Glaubenssätze erzählen mir, dass ich unwert bin und schwach. Ich bekomme es zurückgespiegelt. Menschen sind irritiert, genervt, verstehen mich nicht. Oder wissen mit den wechselnden Verfassungen eines Rock-Stars (haha) nichts anzufangen. Was mich wiederum stresst. 

Erkenntnis: Hauptsache, ich kenn mich aus. Und das tue ich, zunehmend. Ich verstehe das WIE und WARUM. Klarkommen muss ich selber damit und wenn ich das schaffe, wenn ich es annehme, wird es auch für mein Umfeld im Privaten und im Beruf anders. 

Ich war zu lange angepasst oder ich versuch es immer noch. Allen gefallen, alles richtig machen, nur nicht anecken. Und wenn ich anecke ... schlimm! Vieles hab ich immer anders angenommen, als es für mich wirklich ist. 

Unter anderem eben, dass ich schwach und zu sensibel bin. Und dass ich mit dem Leben nicht zurechtkomme. Deshalb ist es gut, wenn ich in der nächsten Zeit mir wieder mehr Unterstützung hole. Ich will diese Seiten in mir zusammenbringen, die sich wie Hund und Katz verhalten! ACDC -- Wechselstrom ... 

Das Finden von Rollenmodellen ausserhalb der Norm, seien es gesellschaftliche oder geschlechterspezifische, das ist immens wichtig für mich. Mein Weg ist nicht vorgeebnet, war es noch nie. Und da kommen dann die Selbstzweifel und das Grübeln und ich werde unsicher.

Bahnbrechend ist für mich, wenn ich Rock höre. Zu spät geboren, um die Musik der 70er schon gekannt zu haben, höre ich mich jetzt rein und rocke dazu ab. ZZ Top, Joan Jett, ACDC ---> Ja bitte! 

Oder Folk, Folk-Rock, Folk-Punk ... The Pogues. Flogging Molly. Ja, bitte! Mein Gang wird stolzer und meine Haltung aufrechter. 

Das ist die richtige Art Lärm für mich! Es ist gut. Und es tut mir gut. Es tut mir gut, den gebückten Gang aufzugeben und ENDLICH zu meiner Stärke zu stehen. Auch wenn der Motor oft stottert, ich habe die Power im Blut. 

I love Rock n'Roll. Yeah!


Mittwoch, 12. Januar 2022

Aussaat (1)

Ja, es ist noch Winter.

Doch. Wachstum. ist. spürbar. Ich will aussäen. Und zusehen wie's wächst!

Ich bin da und anerkenne, was ist. 

Mich selber auszuhalten, die Königsdisziplin. 

Der Selbstwert ist ein wackliges Ding. Unstet. Auch das, hinnehmen. Weiterleben. 

Ich habs genügend probiert, mich daran abgearbeitet.

Lass mich jetzt. Einfach leben. Einfach sein. 

Mich selber sein lassen. Mich mich selbst sein lassen.

Es wühlt zwar im Innern, doch ich anerkenne es.
Niemand muss mehr "nach mir schauen". Ich schaue mir selber!

Daraus wächst mir Stärke; dass ich für mich selber verantwortlich bin.
Ich werde geschätzt, geliebt, kann ich es annehmen?

Und dieses starke Wesen, das mir da mit grossen Augen aus dem Spiegel entgegensieht. Bin ich?

Ich bin.


Freitag, 21. Mai 2021

Die andere Seite der Angst

Es gibt Momente, in denen ich mich wie taub fühle, vor allem im Herzen, und zur gleichen Zeit rattert es innerlich. Wenn die Denkverbote sich zu Kanälen verengen und die Gedanken so immer schneller unterwegs sind, der Kopf rast und der Wahnsinn sich breit macht. Einen Schritt zurückzutreten, zu Tanzen, zu Schreiben, zu Schreien, zu Reden... oder im Garten zu wühlen. Manchmal geht das, manchmal klappt es eben nicht. Und ich bin jeweils froh, wenn diese verengten Momente vorbei sind.

Mir ist aufgefallen, welche Qualität(en) bei mir hinter der Angst zu finden sind: eine immense Power. In den engen Gedankengängen nimmt die Energie dann Fahrt auf wie ein Wildbach nach dem Regen. Unwiderstehlich reisst sie mich mit.  Gehemmte Lebenskraft die sich wieder freibricht!

Zuzulassen, dass mich diese Überflutung mit sich mitnimmt, ist bereits heilsam ... Das zu Enge muss wieder ins Fliessen kommen. Die Gedankengebäude die nicht zu halten sind, stürzen ein. Falsche Sicherheiten werden sichtbar. 

Die Scham wenn mich eine Gedankenblockade oder eine Panikattacke in Gegenwart anderer einholt, ist gross. Demütigt mich. Vielleicht gehts gerade darum: demütig sein. Mich als Mensch zeigen. Überlegensein aufgeben. Ins Sein kommen statt im Denken zu bleiben. Emotionen kommen und gehen lassen.

Werde es weiter erforschen ...

Donnerstag, 26. November 2020

Vom Rauskommen ...

Meine berufliche Auszeit gestaltet sich variantenreich. Ein Tag wie heute sticht daraus hervor, denn ich habe mich wieder aufgefangen und fühle mich bei mir. Die letzten Tage waren schwer.

Es gibt eben so Tage, an denen ich mich mit Müh und Not durchhangle. Tiefste Selbstzweifel quälen mich dann. Immer wieder meine Verfehlungen in Grossaufnahne .. und ich komme zu dem altmodischen Begriff "Anfechtungen". Weil das passt. Meine Dämonen sprechen zu mir. Triezen mich, sprechen meine tiefsten Ängste an und ich versuche, ihnen Contra zu geben. Schwere, Schwärze, Angst. Hindurchgehen muss ich.

Ein Coming-Out ist kein Spaziergang, auch wenn ich jetzt schon länger auf diesem Weg bin. Und es ist ein Coming-Out auf ganz verschiedenen Ebenen. Klar, ich liebe eine Frau und ich lebe mit ihr. 

Da ist aber noch so viel mehr! Wie lange habe ich vieles von mir verdrängt und unter Verschluss gehalten?! Gerade auch meine Stärken. Ich war es gewöhnt, die Schwache und Angeschlagene zu geben. Das geht so nicht mehr. Weil ich viel mehr bin als das. Der ferne Mann sagt: We're all a little bit broken .. and that's okay. 

Und die nahe Frau sagt: Eine flog übers Kuckucksnest. Und meint damit mich! Sie vergleicht mich mit dem Indianer in der Geschichte. Einem der so tut, als wäre er nicht ganz bei Trost. So tun als ob man spinnt, um die eigene Haut zu retten. Undercover den Deppen geben um Rauszukommen und die Freiheit zu erlangen. Ja, verdammt. Wie wahr! 

Nach dem ersten leeren Schlucken merke ich, dass die Wahrheit über mich selber herauszufinden, mit gut tut. Was andere über mich sagen, sind dann die einzelnen Mosaiksteine, die ich gerne entgegennehme, weil sie mir dabei helfen, ein ganzes Bild zu bekommen. 

Es braucht sehr viel Mut, mich mir zu stellen, zu mir zu stehen, doch es bringt auch eine tiefe Freude und mehr Sicherheit.

Ich weiss, dass ich auf dem rechten Weg bin.





Sonntag, 28. Juli 2019

Schwachstellen und Vorwärtsgehen (Therapie)

(Werbung wegen Verlinkung zu Youtube, nichtkommerziell)

Es kommt gerade vieles hoch und das ist schwer auszuhalten. An den Wochenenden in ich oft im Ausnahmezustand. Allerdings empfinde ich es nicht als durchwegs schlimm. Es ist vielmehr ein Potpourri an verschiedensten Emotionen und es kostet Kraft, da durchzugehen. Nicht unbedingt das, was man sich an einem Wochende wünscht, wo Zeit und Raum wäre, sich zu erholen.

Manches Subtile, was ich verdrängt habe, kommt ins Bewusstsein. Meine grösste Angst ist, nicht gesehen zu werden. Oder dass was ich zu geben habe (Beruf, Beziehungen, Freundschaften), einfach nicht reicht. Ich merke, wie sich die Extreme in mir mildern, die Selbstzweifel bleiben mir treu. Und ich bin nicht die einzige in der Familienhistorie, die damit zu tun hat.

Seit Anfang Juni gehe ich wieder zu einem Homöopathen, nachdem ich mit meinem schwankenden Selbstwert und Angstzuständen (sowie Schlafstörungen) wieder dermassen zu ringen habe, dass ich Hilfe brauchte. Und es lässt sich vielversprechend an, es gibt einen Anstoss, dass wieder Bewegung in meine Resignation hineinkommt.

Darüber reden allein (seit Oktober wieder Psychotherapie), bringt es nicht. Es vermag Klarheit zu bringen, doch die Emotionen lindern, kann es nicht.  Ich bin bereit, genauer hinzusehen und woran es dann oft hapert, ist, mir in diesen Momentan liebevoll zu begegnen. Die neue Therapeutin ist empathisch und hört auch zu. Ich fühle mich erkannt als die, die ich bin. Mit meinen starken und schwachen Seiten.

Die vorherige Therapeutin konnte irgendwie nicht so recht mit mir, das habe ich gespürt. Wenn ich zurückschaue, hab ich mich auch nicht richtig gesehen gefühlt. Auf meine Ängste im Beruf hat sie lapidar geantwortet, dass dies allen Berufsanfängern so geht. Das war als Aufmunterung gemeint, war aber gar kein Trost. Mag sein, aber bei mir sind sie immer noch da, auch nach mehr als 7 Jahren. Schliesslich hat sie das Therapieverhältnis beendet, weil sie meinte, dass es mir gut genug gehe und sie sich um Leute kümmern wollte, die ernsthafte psychiatrische Probleme haben. Der Wortlaut war nicht genau der, aber darauf lief es hinaus. Heute denke ich mir: Was zur Hölle?!

Das Gute daran war, dass ich nicht mehr dort hingehe. Es war ein nötiger Bruch. Aber es hat mich auch soweit verunsichert, dass ich von Psychiatern genug hatte. Meine Hausärztin hat mich wunderbar begleitet. Die Allgemeinärzte erlebe ich _manchmal_ als dem Menschen zugewandter als die Fachspezialisten. Das ist an sich schräg.

Danach hab ich mich 6 Jahre ohne psychotherapeutische Hilfe durchgebracht. Wie sehr mich dieses Abspeisen verunsichert hat, merke ich erst jetzt, mit der neuen Therapeutin. Weil es hier ganz anders ist und sie mir gesagt hat, sie würde nie ein Therapieverhältnis von sich aus beenden!

Vieles an Emotionen ist noch ans Leistungsdenken und an ein Gefühl des Unwertseins gekoppelt und davon kann ich mich nur langsam lösen. Das Zuweniggutsein ... ich kenne es schon so lange. Wieviel davon werde ich in meinem Leben ablegen können?

Und mich hat es berührt, als mir mein Bruder dieses Lied von John Mayer als Link gesendet hat, ich habe es nun unzählige Male gehört und es bedeutet mir viel. Wahre Worte, wahre Fragen und doch ist auch was Erlösendes in diesem Lied, weil es anderen ebenfalls so geht und ich einen Bezug finde.




Sonntag, 10. Dezember 2017

Mentale Stärke und mentale Einstellung

Das ist etwas, wo ich mich immer wieder auf Kurs bringen muss, denn da schwächle ich schnell. Ich bin leicht zu entmutigen und zu erschrecken -- und damit kämpfe ich nach wie vor. Der Alarmzustand ist meine zweite Natur (gewesen). Mental bauen sich innert Minuten ganze Berge, nein, eher ganze Gebirgsketten, vor mir auf und diese scheinen mir dann unüberwindbar. Die Gedanken beginnen zu kreisen und Schreckensszenerien erscheinen vor meinem inneren Auge. Bald darauf reagiert der Körper -- und der Stress wird auch physisch spürbar. Ich erkenne das jetzt deutlich. Ich lebe nicht mehr in dieser diffusen Angst- und Stresswolke, bin nun präsent und wach.

Und ich erkenne auch, dass ich (eigentlich) jederzeit einen Schritt zurücktreten kann -- oder mehrere, um zu prüfen, was ich nun tun kann und will -- und wie ich das Szenario für mich entschärfen kann. Und ob ich mich wirklich den Alptraumszenarien hingeben will, diesem Strudel aus Altlasten und erschöpfenden Gedankenketten.

Will ich nicht! Eben.

Den Fokus anders ausrichten. Ich kann mir Mut machen und meine Optionen nun prüfen. Allenfalls kann ich jemanden anderes zuziehen, auch einen Fachmenschen, um eine andere Sicht oder eine nötige Hilfe zu bekommen. Und ich kann schauen, dass ich zur Ruhe komme, dass mich die Schreckgespenster nicht aussaugen.

Es ist ein wirklich schmaler Grat vom Ändern meiner momentanen Einstellung zu diesem seltsamen "Positiven Denken", dem ich äusserst skeptisch gegenüberstehe. Es nützt nichts, über die Alpträume einfach einen schönen Teppich zu legen. Das ist das, was mich daran stört.

Ratlosigkeit, Schrecken, Stress, Schicksalsschläge, Ängste und andere Probleme des menschlichen Lebens muss man manchmal einfach als solche benennen (dürfen) um damit klarzukommen. Es gibt einfach Dinge im Leben, die schwer sind, für mich, für andere -- und ich möchte nicht zu allem und jedem im Leben immer Lächeln oder Lachen aufsetzen oder anderen dazu raten "es doch positiv zu sehen".

Mentale Stärke kommt für mich auch aus dem Nachgebenkönnen, mich neu orientieren zu können, wenn ich feststecke. Dazu gehört auch, mich immer wieder selber aus dem Sumpf zu ziehen. Meine Vorhaben in kleinere Etappen unterteilen zu können, wenn die Wegstrecke zu lang ist, ist da ebenfalls mit dabei und die Möglichkeit haben, einen anderen Weg einzuschlagen als ich eigentlich mal vorgesehen hatte. Das habe ich gelernt.

Vieles ist in Bewegung gekommen ... und das ist gut so.





Sonntag, 18. Juni 2017

Stresstest

Medizinischer Stresstest
Aus Neugier und Interesse habe ich mich einem medizinischen Stresstest unterzogen. Im Rahmen dieser (voll von mir bezahlten) Stressuntersuchung wurde bei mir festgestellt, dass ich eine leichte Nebennierenschwäche habe, Cortisol ist zu niedrig, Serotonin ist zu niedrig usw. Dagegen ist die Herzratenvariabilität (24h-Messung) ausgezeichnet, sogar überdurchschnitlich gut.*

Vorgeschlagen wurde von der Ärztin für die Nebennieren eine ganz leichte Cortisontherapie über mehrere Monate. Am Tag 2 der Einnahme hatte ich bereits eine Matschbirne, hatte unkontrollierbaren Heisshunger auf Süsses und fühlte mich emotional destabilisiert (wie schon länger nicht mehr).

Ich habe dann beschlossen, dass ich das nicht will und es sein lassen. Wahrscheinlich wird Frau Doktor beim nächsten Termin nicht sehr entzückt sein, aber das nehme ich in Kauf. Sie kennt mich und meinen Sturkopf schon. Und hat zum Glück inzwischen auch eine grosse Achtung vor meinem guten Körpergefühl.

Medi: Ich kenne es von anderen Medikamenten; erstmal ca. 5 Wochen Achterbahn, bis sich alles richtig eingependelt hat. Ich bin nicht hochsensibel, sondern hypersensibel ... Fakt.

Zweiter Vorschlag: Mikronährstoffmischung. Sackteuer und ich müsste alles selbst bezahlen. Würde über 2300 CHF pro Jahr kosten! Wahnsinn. Ich habe mich entschieden, dass ich auch das nicht will. Auf jeden Fall gibt es im Bereich Mikronährstoffe Gutes, ich schliesse es für mich nicht komplett aus. Aber ich versuche für mich, den Weg anders zu gehen. Auf jeden Fall nicht dieses grosse und teure Programm.

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Meine Lebensqualität ist inzwischen sehr gut geworden (die meiste Zeit) und ich arbeite weiter daran, diese zu verbessern. Das mache ich daran fest, dass ich grösstenteils souverän handeln kann, ohne im Dauerstress oder Kopfnebel zu sein und ewig Erholung zu brauchen. Die Erholungsintervalle sind weitaus kürzer geworden, das merk ich. Ich fühle mich auch die meiste Zeit meines Lebens nun fit, handlungsfähig und wach. Dass die körperlichen Reserven erst daran sind, sich wieder aufzubauen, ist mir bewusst, das spüre ich. Aber den Kopfnebel durch ein Medi, auch wenn es nur vorübergehend ist, den brauche ich deswegen mir nicht antun. Nach wie vor nehme ich noch ein niedrig dosiertes Antdepressivum.

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Die interessanten Kommentare zum Eisen waren auf jeden Fall schon aufschlussreich! Vielleicht lässt sich auch zum Aufbau der Nebennieren noch was finden.

Und vor allem will ich: Weiter an der Stressreduktion dranbleiben. Den Körper mit Nahrung versorgen, die mir gut tut. Wenig Reiz- und Genussmittel zu mir nehmen. Für mich Unverträgliches (zB auch gewisse Situationen) und allgemein Stress meiden, wo ich kann.

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* Ich bewege mich mit vorgenannten Untersuchungen sicher im Bereich der "Luxusmedizin", das ist mir bewusst. Dieser Post hier soll auch keine Werbung sein, sondern es sind einfach meine Erfahrungen.

Mehr Selbstfürsorge leben. Das war die Botschaft.

Mir hat die Untersuchung vor allem für mein Selbst-Verständnis geholfen, ich weiss jetzt noch besser, dass ich mir selber, und meinem Gefühl für mich, trauen darf. Ich realisiere den Stress, der hinter mir liegt erst jetzt so richtig. Ich habe es nun tatsächlich schwarz auf weiss auf einem Blatt stehen ... 


Donnerstag, 15. Juni 2017

Alles psychisch? Nein. Alles gehört zusammen. (2)

Hier gehts zu Teil 1

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(Bitte P.S. beachten!)

Die Stressmedizinerin hatte ich im Internet gefunden, wobei das mit der Stressmedizin habe ich da noch nicht wirklich wahrgenommen. Mir ging es in erster Linie eben um die Eiseninfusionen. Klingt ein bisschen nach Junkie, seufz. Doch mein Befinden hatte sich durch die ersten Infusionen dermassen verbessert, dass ich diesen Weg einfach weiterverfolgen wollte. Da war mehr dahinter, das spürte ich. Dermassen frappante Unterschiede bei meinem Wohlbefinden hatte ich vorher selten erlebt.

Diese weiteren Infusionen bekam ich dann in der neuen Praxis auch, nach dem meine Blutwerte dort gecheckt worden waren. Da es sich beim richtigen "Eisenwert" um eine individuelle Sache handelt, wird in dieser Praxis auch indivduell vorgegangen. Vitamin B12 Vitamin D3 werden ebenfalls ergänzt. Zusammen mit Akupunktur, die ich wegen meiner Rückenverspannungen erhielt und der einfühlsamen Art der Ärztin, spürte ich nach und nach eine wirkliche Besserung. Nach einigen Unverträglichkeiten (zB Zusatzstoffe von Medis, hochdosiertes Magnesium), lernte die Ärztin auch, dass meine Wahrnehmung für meinen Körper stimmt. Dadurch wuchs auch mein Vertrauen in sie. Ich habe mich von ihr ernst- und wahrgenommen gefühlt. Ich kann mich in dieser Praxis äussern, ohne als Hypochonderin angeschaut zu werden. Ahhh .. was für ein Weg bis da!

Dazu muss ich sagen, dass ich weiter an mir gearbeitet habe, damit ich weniger Stress in meinem Leben habe. Ich hab nicht nur den Arm hingehalten und die Ärztin pieksen und machen lassen. Ich habe mich auch selber um mich gekümmert, richtig zu kümmern begonnen. Ich habe mich intensiv auch mit meinem hausgemachten Stress beschäftigt, damit ich diesen reduzieren konnte.

Seit der ersten Stunde in dieser Praxis und heute sind fast 5 Jahre vergangen. Und mit Ups und Downs zusammengenommen kann ich sagen: Es hat sich so sehr gelohnt, dran zu bleiben!

P.S.: Jeder Mensch ist ein individuelles Wesen und hat andere Ansprüche, einen anderen Organismus und hat seinen ganz eigenen Weg. Mir geht es hier darum, über _meinen Weg_ zu schreiben. In meiner eigenen Art -- und aus meiner Sicht heraus -- zu schreiben. Ich empfehle weder eine bestimmte medizinische Behandlung noch kann ich anderen Menschen medizinische Ratschläge geben, denn dazu bin ich nicht berechtigt und das will ich auch nicht.

Aber wozu ich allen Menschen (vor allem mit psychischen) Problemen Mut machen möchte: Kümmert euch darum, wahr- und ernstgenommen zu werden! Lasst euch nicht beiseiteschieben. Nehmt euch selber ernst und pflegt euch, so gut ihr könnt. Auch wenn es manchmal schwer ist, das Schwerste überhaupt ist: Seid gut zu euch! So gut ihr könnt, seid gut mit euch. Seid stur. Lasst euch nicht nur schnell schnell medizinisch abspeisen. Nicht nach der Methode: Deckel drauf/Medi rein -- und gut is ... der Nächste bitte!

(Fortsetzung folgt)

Alles psychisch? Nein. Alles gehört zusammen. (1)

"Sie wissen doch, dass es psychisch ist, warum gehen Sie trotzdem noch zu den somatischen Ärzten?" 

Das fragte mich meine Psychiaterin vor ein paar Jahren. (Ich muss dazu sagen, ich verdanke ihr sehr viel, sie ist äusserst fähig, aber an diesem Punkt war ich nicht mit ihr einig und an einigen anderen auch nicht).

In einer akuten Krise mit starker körperlicher Schwäche war ich damals in eine Hausarztpraxis gegangen, statt mich gleich bei ihr zu melden. Ich fühlte mich (psycho)therapiemüde und diese Frage machte mich daher etwas ratlos und beschämte mich.

Ich sagte dann zur Psychiaterin dann irgendetwas in der Art von dass es mir eben gut tue, wenn sich auch körperlich um mich gekümmert würde. (Uhhhps, Hypochonderfalle .. das war blöd, doch es war das, was ich eben auf die Schnelle als Begründung zusammenbrachte, weil ich mich rgendwie dumm und ertappt fühlte).

Die körperlichen Beschwerden spürte ich ja ganz genau! Es war, als könne ich nicht mehr genügend Atmen, als würde mein Körper nie genug Sauerstoff bekommen. Die Eiseninfusion in der Hausarztpraxis hat mir dann auch etwas geholfen. Das war ein erstes grosses Ahaerlebnis. Ab da liess mich das nicht mehr richtig los, dass es auch anders besser werden kann.

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Heute würde ich ihr antworten: Wenn man von Psychosomatik und von psychosomatischen Beschwerden redet, also von der Zusammengehörigkeit von Körper UND Seele, dann gehört eben beides auch zusammen, oder? Dann darf doch auch der Körper angeschaut und behandelt werden?

Warum wird in der Medizin der Mensch in Fachgebiete aufgespalten, als wäre er eine Maschine, deren Teile man separat reparieren und dann wieder zusammensetzen kann? Oder gar eine Maschine, deren Teile keinen direkten Zusammenhang haben? Das wundert mich einfach. Wissenschaftlich ist das nicht zu begründen, nur ideologisch.

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Heute weiss ich, dass ich zu dem Zeitpunkt einfach erschöpft war vom jahrelangen Kämpfen, meinen Weg in die Gesellschaft zu finden, dass eben auch mein Körper ausgelaugt war. Vorher wurde zB mein (niedriger) Eisenwert nie richtig ernst genommen oder behandelt. Das war eben "psychisch bedingt" dass ich mich oft so schwach fühlte.

Kurz darauf liess ich dann auch diese Hausarztpraxis hinter mir. Weitere Eiseninfusionen wollten sie mir dort nicht mehr geben (nach 2x), stattdessen bekam ich diese Eisentabletten, von denen mir übel wurde. Ich machte mich auf die Suche nach jemandem, der sich mit dem Eisen auskennt. Und fand eine Stressmedizinerin, die mir helfen konnte.


(Fortsetzung hier)


Samstag, 1. Oktober 2016

Die Egozentrik der Krankheit (Wolkenkuckucksheim)

Aus aktuelle Gegebenheit (gerade nicht in meinem eigenen Leben) musste ich darüber nachdenken, wie egozentrisch das Kranksein machen kann, gerade auch wenn Süchte und (deren Verleugnung) im Spiel sind.

Die Wahrnehmung dafür (ver)schwindet, dass ausserhalb der eigenen Nasenspitze noch eine andere Welt und andere Menschen existieren. 

Mir tut es weh für einen Menschen, der akut davon betroffen ist, dass jemand anderes sein Leben nicht in den Griff kriegt und sich weigert, sich selber zu helfen oder helfen zu lassen. Trotz Hilfesangeboten, familiärer -- und fachlicher Unterstützung -- von verschiedenen Seiten. Es kommt nichts an, es wird nichts davon wirklich genutzt. Zeit und Fristen verstreichen. Es passiert nix von Seiten des Kranken.

Und ich sehe, was es mit einem Menschen macht, der immer wieder zu helfen versucht. Ich verstehe jetzt, wie das ist wenn sich jemand komplett verweigert und was das mit dem Umfeld macht. Wenn den Helfenden die Kraft ausgeht. Weil sie sich selber auch einen Weg bahnen müssen durch den Alltag und selber auch ein Erwerbsleben haben, das Kraft und Aufmerksamkeit fordert. Und dass die Kraft irgendwann nachlässt. Und langsam auch der Wille, ständig zur Verfügung zu stehen, Behördengänge zu regeln, Arzttermine zu vermitteln, mit Vermietern zu verhandeln. Dass man es  müde wird, quasi im Alleingang diesen ganzen Rattenschwanz zu ordnen, den ein menschliches Leben eben so mit sich bringt.

Wie ermüdend es für andere ist, für die Helfenden, wenn eine Parelellwelt erichtet wurde, einst aus Not, die nun genau das tut, wofür sie wohl einst geschaffen wurde: Fluchten ermöglichen, Distanz schaffen, seine Ruhe haben. Die Not und Realität anderer kann so ausgeblendet werden. Die Verantwortung für das eigene Leben hat der Süchtige einfach wegdelegiert, so dass er es bequem hat, weil ja nix geändert werden muss. Da ist diese Trennwand zwischen dem "ich" und den "anderen", die vom Kranken irgendwann gebaut wurde. Stabil. Irgendwo im Wolkenkuckucksheim.

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Ich wünsche mir ganz viel Leben und Liebe für diese eine Person, an die ich gerade denke. Die soviel zu helfen versucht und doch langsam soweit kommt, dass sie aufgibt. Und einen Gruss sende ich auch (innerlich) ins Wolkenkuckucksheim, vielleicht gibt es da auch einen Anschluss nach draussen.

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PS: Im Nachhinein klingt es für mich sehr von oben herab. Vielleicht ist das eine bewusste Distanzierung von mir. Nicht zu nah ranlassen. Beim Schreiben war es mir nicht bewusst. Wenn ich vom "Kranken" und den "Kranken" schreibe, entsteht ein Machtgefälle, gestehe ich mir eine Macht zu, die ich nicht habe. Das wollte ich noch festhalten. Da ich oft genug "die Kranke"/"Hilfsbedürftige" war. Es bleibt bei dieser Momentaufnahme meiner Gedanken. Ich lasse den Text so stehen.



Samstag, 27. August 2016

Ernüchterung und neue Chancen (Arbeit 2)

Hier gehts zu Teil 1

 

Ich war mal n Star, die Party ist vorbei

Im geschützten Arbeitsleben war ich sowas wie ein Star. Weil ich mich reingenkniet habe und endlich auch mal drangeblieben bin. Das konnte ich mir dann im normalen Arbeitsalltag ganz schnell abschminken. Als kleines Rädchen im Getriebe lobt dich selten jemand: Ach du tolles Rädchen, fein machst du das! 

Aber am Anfang war das ein Drama für mich. Darüber kann ich heute (liebevoll) grinsen.

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Es geht halt doch immer weiter, das schon. Aber WIE geht es weiter?! Immer mehr vom Gleichen bis zur Rente oder gibts da auch noch ein Leben? Krass ausgedrückt .. ;)

Dass ich nicht vorwärts komme ist auch nur ein Teil der Wahrheit. Meine Fortschritte bei der Arbeit sind immens. Was mir letztens mein Chef genauso gesagt hat. Und ich "weiss" es auch. Ich bin jetzt mehr als vier Jahre an dieser Stelle und bin eine ganz andere Frau geworden. Oder mehr die, die ich eigentlich bin.

Weil ich ganz viele Ängste abbauen konnte, und auch meine Kompetenz für diesen Job immer weiter ausbauen konnte. Nur ist er etwas ... beschränkt ... der Job. Ich unterschreite täglich meine (kreativen) Möglichkeiten, weil die Kunden es so wollen und nichts anderes gewünscht wird.

Ich schmeisse Werbung in die Welt, deren Inhalte ich wenig bis gar nicht mitbestimmen kann. Und ich habe keinerlei strategischen Einfluss auf diesen Prozess. Ich kann keine grösseren Entscheidungen beeinflussen oder treffen, auch nicht, was unseren Arbeitsbereich anbelangt.

Ernüchterung und neue Chancen (Arbeit 1)

Oder: Was die letzten 10 Jahre geschah


Per aspera ad astra -- hat das mein Vater einmal genannt, weil er es auch kennt.. Durch die Mühsal zu den Sternen. Und es passt wie die Faust aufs Auge.

Am Freitag hatte ich so einen Moment, an dem mir plötzlich bewusst wurde, wie viel ich schon an mir gearbeitet habe. Ich hatte einen ganz klaren Entscheidungsmoment -- wo ich mich für meine eigene Wahrheit entschieden habe (innerlich) und standhaft geblieben bin, in einer Situation, in der ich sonst in Panik verfalle. Das tat so gut.

Mir ist klargeworden, dass ich sehr viele "vernünftige" Entscheidungen getroffen habe die letzten Jahre. Erst kamen die beruflichen Abklärungen für psychisch Angeschlagene (2006). Die Berufswahl war ein besserer Kompromiss. Ich wollte die Lehre unbedingt im geschützten Bereich absolvieren und da sind die Berufe nicht so vielseitig. Die Lehre durchzustehen war ein Knochenjob (aufgrund meiner Ängste) und der Suizid meines Bruders fiel genau in den Beginn meiner Lehre (Herbst 2007). Ab da hab ich mich nur noch mehr reinversenkt. Da war dieses Gefühl von "jetzt erst recht". Ich war wirklich verbissen. Manches habe ich nur noch im Tunnelblick erlebt. Doch ich habe meine Erstausbildung mit 32 Jahren auf diese Weise abgeschlossen. In dem ich drangeblieben bin. Mir haben sehr viele Menschen geholfen, dass ich die Spur nicht verloren habe. 2010 war ein Scheissjahr, aber irgendwie ging auch das vorüber ... seither nehme ich halt wieder ein Medikament für die Psyche.  Ich habe 2011 eine vollwertige vierjährige Lehre abgeschlossen. Nur die praktische Prüfung, da hats vor Prüfungssstress haarscharf noch für "genügend" gereicht. Trotz guter bis sehr guter Leistungen über die ganze Lehrzeit.

Die Spur habe ich nie komplett verloren. Auch dann nicht, als ich 2012 den Schritt in den ersten Arbeitsmarkt geschafft habe. Vorher bekam ich noch ein Coaching, damit ich mich darauf vorbereiten konnte. Also auf den Schritt vom geschützten Bereich in die Freie Wildbahn (alias freier Arbeitsmarkt). Ich habe sehr viel Hilfe bekommen und auch die Zusammenarbeit mit den Fachpersonen und Ämtern habe ich als hilfreich und konstruktiv erlebt. Mir wurde wirklich Verständnis entgegengebracht. Horrorgeschichten habe ich keine erlebt.

Die Angst ist trotzdem meine ständige Begleiterin. Und ich versuche, mich mit ihr zu arrangieren.

Donnerstag, 26. Mai 2016

Angststörungen als Volkskrankheit

Die Tage habe ich in einer Gratiszeitung gelesen, dass Angststörungen die neue Volkskrankheit sind, vorallem bei den Jungen. Da fällt mir ausser «Kein Wunder!» nix weiter dazu ein.

Da sind einfach zu viele Baustellen in diesem heutigen Leben -- und soviel Schein nach aussen. Der Mensch lässt sich nicht unendlich beschleunigen ohne irre zu werden. Es wird suggeriert, dass heute alles möglich ist, wir alle frei sind. Egal wie viele E-Mails im Postfach sind.

Wir sind so frei!

Dabei ist es das Zeitalter der Disclaimer. Scheinbare Freiheit -- zwischen Leitplanken.

Bombardiert mit Infos, Werbung, digitalem Schrott. 24/7. Musts, Don'ts. Must-Haves und Nice-To-Haves, Must-Have-Seens, und immer schön leistungsfähig bleiben.

Dienstag, 1. März 2016

FREIHEIT lernen

Ich kann nur für mich selber sprechen. Zu diesem Schluss komme ich erneut. Ich kann auch nur für mich selber entscheiden und handeln.

In meinem Leben wurde ich immer wieder an den Rand gedrängt, das ist nun vorbei. Ich bleibe nicht mehr am einst zugewiesenen Rand sitzen. Es kann ja auch ganz praktisch sein, auf der alten Marginalisierung sitzenzubleiben und sich das Schild "Opfer" und "Gehetzte" um den Hals zu hängen.

Ich habe noch genügend "Material", altes und auch neues, das mich nachdenklich macht. Aber der grosse Leidensdruck ist weg: Ich _muss_ nicht mehr schreiben um über Wasser zu bleiben.

Ein kreativer und lebenswerter Umgang mit meiner Vergangenheit und meiner Gegenwart, das ist das, was ich will.

Gefühlt sind die Schrecken immer nur einen Schritt weit weg. Doch ich komme schneller wieder bei mir an. Ich arbeite noch am Gefühl des "Kontrollierenmüssens". Mich selber, andere, Situationen. Es ist nur ein kleiner Schritt von der Unterdrückten zur Unterdrückerin. Für mich heisst das, ich bin nicht "raus aus der Nummer". Das eigene Leben entwickelt sich (erst) nach und nach.

Frei zu sein heisst für mich nicht (mehr): Total autark und von gar niemandem abhängig. Das wollte ich lange. So leben. Als Einsiedlerin. Doch es ist so verdammt einsam auf dieser Egoinsel .. Für mich heisst "Freisein" nun: Ich lebe mein Leben -- und bin auch im Kontakt mit anderen. Das Leben fliesst. Geben und Nehmen. Ein Mensch unter Menschen. Ich übe noch. Anders kann ich es nicht nennen. Schnell rutsche ich wieder ins "Verantwortlichsein", wenn ich den Eindruck habe, jemand brauche Hilfe. Dass dies _mein_ Eindruck ist, meine Wahrnehmung, und ich keineswegs dadurch verantwortlich bin, auch das merke ich erst nach und nach. Vor allem: Helfen zu wollen kann auch eine Ablenkung von der eigenen Not (in diesem Moment) sein.

Wer bin ich eigentlich, wenn ich gegen nichts und niemanden mehr kämpfen muss? Es ist so, dass es mich manchmal richtiggehend ratlos macht, keine Widerstände mehr zu spüren. Überraschend, aber wahr.

Es ist seltsam, mich in der Rolle der Privilegierten wieder zu finden, die keine ernsten und grossen Probleme mehr hat -- und dafür viele Perspektiven. Was mach ich denn da? Das hatte ich noch nie, es ist etwas ganz Neues. FREI ZU SEIN. Auch das will gelernt sein. Die Freiheit ist noch nicht ganz in mich hineingesickert .. 

Durchatmen .. 


P.S.: Freiseinlernen heisst auch, zu merken, wenn ich mich selber gefangen nehme. Denn manche Gefängnisse sucht man sich selbst.


Samstag, 3. Oktober 2015

Arbeitsintegration -- eigener Druck -- Handicaps -- Arbeit an mir selbst

Freitag, 7. August
An einem Tag wie heute wäre ich früher daheim geblieben. Jetzt bin ich da, bin bei der Arbeit, und versuche das Beste daraus zu machen. Es sind auch meine hohen Ansprüche an mich selbst, die den Druck auslösen. Wenn ich im Kopf keine Klarheit habe, fühle ich mich unsicher. Es hat mit dem alten Gefühl des Ausgeliefertseins zu tun, und mit dem Bedürfnis, mich schützen zu wollen. Aber manches klärt sich eben erst mit der Zeit. Es hilft mir, wenn ich eins nach dem anderen mache, mehr können andere auch nicht tun :)

Diesen Text liess ich unveröffentlicht, bin aber heute wieder darauf gestossen und finde ihn wichtig. Dass ich mir selber den meisten Druck mache, wurde mir erst mit der Zeit klar. Zum Glück ist mir das bewusst geworden. Ich bin heute so stabil und routiniert, dass ich auch die weniger guten Tage bei der Arbeit meistern kann.

Dieses Jahr hatte ich noch keinen einzigen Fehltag aus psychischen Gründen. Die letzten Jahre waren es immer mehrere Tage, an denen ich ausfiel. Einmal konnte ich aus Angstgründen kaum das Bett verlassen.

Dieses Jahr war ich zweimal krank, einmal erkältet und einmal grippig. Da ich bei der Grippe auch Fieber hatte, blieb ich einige Tage daheim. Das dauerte aber insgesamt einige Wochen, bis ich mich wieder richtig erholt hatte. Die Erkältung war zwar heftig, aber ich bin trotzdem zur Arbeit, da dort gerade Not an der Frau war. Nicht dass ich das propagiere, krank Arbeiten zu gehen, aber ich kann nun verstehen, dass man sein Arbeitsumfeld nicht hängen lassen will.

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Ein Handicap im Arbeitsleben war lange noch mein Selbstmitleid und mein Opfergefühl. Aus dem geschützten Arbeitsumfeld war ich mir gewöhnt, ein "Star" zu sein und immer wieder Lob für meinen Einsatz zu erhalten. Dieses "Gestreichel" fiel dann im normalen Arbeitsumfeld weg. Daran hatte ich zu knabbern .. Den Selbstwert beziehe ich seither viel mehr aus mir selbst. Das musste ich erst lernen.

Für mich war diese vorherige Phase im geschützten Umfeld, die immerhin 5 Jahre gedauert hat, wichtig gewesen, denn ich bekam wieder Vertrauen in meine Fähigkeiten. Durch Coachings wurde ich nach und nach mutiger. Aber dieses geschützte Umfeld hat seine eigenen Mechanismen und Tücken. Eine behütete Pflanze aus dem Treibhaus muss auch einmal ins Freiland .. so drückte es eine meiner fachlichen Begleitpersonen aus. Wie recht sie mit diesem Symbol hatte, das fällt mir erst im Nachhinein auf!

Ich habe Mittel und Wege gefunden, wie ich mich heute auch in schwierigen Zeiten entlasten kann. Das habe ich intus. Dabei hat mir auch die langjährige Psychotherapie geholfen (abgeschlossen 2013). Unter anderem bin ich auch so weit, dass ich es meinem Umfeld bei der Arbeit sage, wenn es mir nicht gut geht. Da ich ansonsten zuverlässig und genau arbeite, kommt auch mein Chef damit klar. Ich habe schon bei der Bewerbung und beim Vorstellungsgespräch keinen Hehl aus meiner lückenhaften Arbeitsbiografie und psychischen Schwierigkeiten der Vergangenheit gemacht -- und stets mit offenen Karten gespielt.

Meine guten Leistungen in der Berufsschule und einige gewonnene Gestaltungs-Wettbewerbe halfen dabei sicher mit. Ich bin froh, dass die Schule mir leicht fiel und ich damit einen Leistungsausweis hatte, denn für mich konnte ich mir kein anderes Vorgehen vorstellen als bei einem Vorstellungsgespräch ehrlich zu sein. Und da gehört eben meine gewundene Biografie dazu.

Erstaunlich dass es auf diese Art und Weise geklappt hat. Da kam mir auch viel Wohlwollen von seitens meines Arbeitgebers entgegen. Das muss auch gesagt werden! Eine solche Chance auf dem Arbeitsmarkt zu erhalten, ist nicht selbstverständlich.

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Trotzdem war der Einstieg für mich eine harte Zeit. Meine Befindlichkeit wurde unwichtig und die Arbeit rückte in den Vordergrund. Kunden wollten zufrieden gestellt werden, Arbeiten speditiv und doch genau erledigt werden -- und das forderte mich heraus. Es sind nun 3 1/2 Jahre an diesem Arbeitsplatz, eine Zeit in der ich viel an mir und meinen Ängsten, auch meinen Eitelkeiten, meiner Egozentrik, gearbeitet habe. Es gab und gibt Krisen -- aber ich habe heute das Rüstzeug dazu, diese zu meistern. An schwachen Tagen schaue ich heute noch, wie ich mir selber helfen kann -- zB genaue Prioritäten setzen und auch mal fünfe grade sein lassen. Mich macht es Stolz, dass ich meinen Lebensunterhalt selber verdienen kann.

Es ist nicht immer nur das (Arbeits-)Umfeld, das den Einstieg schwierig macht. Man steht sich oft auch selbst im Weg. Psychische Krankheit kann wirklich egozentrisch machen .. die Gedanken kreisen stets um einen selbst oder um die eigene Wirkung nach aussen. Bis zum Exzess: Nachdenken hat einen grossen Teil meiner Kraft und Zeit in Anspruch genommen. Das Grübeln musste ich mir wirklich abgewöhnen! Die Gedanken immer wieder ins Konstruktive lenken -- oder sie einfach laufen lassen ohne ein Drama daraus zu spinnen.

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Die Rente, die ich zusätzlich bekomme, macht nur 10% von meinem gesamten Verdienst aus. Ich verdienen einen Lohn, der unter dem schweizerischen Mindestlohn liegt, da ich nur Teilzeit arbeite. Ein 100% Pensum lassen meine Kräfte (noch) nicht zu. Mit meiner Erwerbsminderungsrente, damit decke ich nicht mal die monatliche Krankenkassenprämie. Trotzdem fühle ich mich reich. Ich habe einen langen Weg hinter mir und ich fühle mich in der Gesellschaft angekommen. Nach und nach entfalte ich mich und ich freue mich darauf, noch mehr bei mir und meinen Fähigkeiten anzukommen. Denn ich spüre, da geht noch was ...


Dienstag, 4. August 2015

Endlich hinter meiner Mauer hervorkommen

Endlich hervorkommen ..

Mir scheint ich habe einen Grossteil meines Lebens damit verbracht, mich innerlich oder vor anderen zu rechtfertigen und mich zu schämen. Schuldgefühle haben mich auf Schritt und Tritt begleitet. Da war so ein grundsätzliches Gefühl als müsse ich mich für meine eigene Existenz rechtfertigen. Als ich dann noch jahrelang gemobbt wurde, hat sich das bei mir festgesetzt. 

Das hat mich trotzig, aggressiv und stachlig gemacht: Wenn ihr mich nicht wollt, dann lasst es bleiben. Wenn mich die Welt ablehnt, dann lehne ich sie halt ebenfalls zurück ab. Macht euren Scheiss selber! An mich kommt ihr nicht mehr ran. Für mich war jeder (gefühlte) Widerstand von anderen eine Bestätigung, dass ich eben nicht ok bin: Ein Leben im Spiegelkabinett der Selbstablehnung. Kein besonders fröhliches Leben.

Wie so vieles, wird mir das erst jetzt im Rückblick im vollen Umfang bewusst.

Diese Abgrenzung bringt mich nicht mehr weiter. Ich habe das Spiegelkabinett als solches erkannt und den Ausgang gefunden.

Es ist befreiend, den Ballast an Angst, Scham, Groll und Hass endlich abzuwerfen.



Mittwoch, 24. Juni 2015

Herausforderungen

Die letzten Tage waren geprägt von Isolationsgefühlen und Selbstzweifeln. Um mein Herz herum befand sich eine eiserne Wand. Ich hasse es, wieder in dieser Einzelzelle zu sitzen. Ich fühle nur Distanz zu anderen. Am Montagabend hat es sich zugespitzt.

Gestern morgen war ich wieder aus dem Gröbsten heraus. Als ich herausfand, dass am Montagabend und nachts heftige Sonnenstürme stattgefunden haben, konnte ich es etwas einordnen. In kritischen Momenten reagiere ich viel stärker auf Atmosphärisches. Der Fokus ist dann haarscharf auf die Verletzungen und noch vorhandenen Schwachstellen gerichtet.

Ich bin froh, ist der Panzer wieder gewichen und ich fühle mein Herz lebendig schlagen. Es ist eine herausfordernde Zeit der Klärung.

Mittwoch, 15. April 2015

Borderline und ähnliches - Familie und eigenes

Früchte der langen Arbeit an mir selbst
Ein Konflikt innerhalb der Familie hat mich dazu bewogen, mal wieder etwas über das Borderline-Syndrom nachzuforschen. Mich selber betrifft es immer weniger, wie ich merke: Die heftigen emotionalen Impulse nehmen ab, ich kann andere Menschen sein lassen wie sie sind, ohne dauernd in Bewertungen oder Verlassenheitsängste zu verfallen. Wenn ich starke Impulse spüre, versuche ich, den akuten Moment auszuhalten und erst wieder zu handeln, wenn ich mich beruhigt habe. In manchen Situationen verfalle ich noch in die alten Muster, doch es wird besser.

Dankbarkeit
Die jahrelange Auseinandersetzung (in der Therapie und ausserhalb) mit mir selber, sie trägt Früchte und ich fühle mich die meiste Zeit gelassen. Das liegt auch daran, dass ich einige Menschen in meinem Leben habe, die nicht einfach weglaufen oder sich ausklinken, wenn ich neben mir stehe. Davon ist einer mein Lebensgefährte ..

Danke auch den professionellen Helferinnen
Und es liegt auch an den beiden Therapeutinnen, die ich (nacheinander) hatte. Die erste, mütterliche, fing mich als Teenager auf und lehrte mich, dass ich Vertrauen zu Menschen haben darf. Die zweite, nüchterne, lehrte mich, dass meine heftigen emotionalen Reaktionen durchaus wahrgenommen werden und wie diese ankommen. Das war eher eine Schocktherapie. Vielleicht hat es das beides gebraucht, um flügge zu werden. Ja, ich denke schon.

Schon so weit gekommen!
Ich hätte nie geglaubt, einmal so weit zu kommen. Mit meiner seelischen Gesundheit. Ich lebe ein relativ bescheidenes Leben (beruflich), im Vergleich zu dem, wo ich stehen "könnte". Aber ich trage mir das (nicht mehr) nach. Es kommt was kommt. Schritt für Schritt. Eins nach dem anderen. Keine verbrannte Erde mehr hinter mir zu lassen, ist mir inzwischen wichtig(er) geworden: Manches habe ich im Übermut begonnen und dann abgebrochen. Da bleibe ich lieber bescheiden und taste mich langsam vor. Dem ganz grossen Wurf, dem traue ich nicht mehr. Ich bin immer noch daran, dem sicheren Boden trauen zu lernen, auf dem ich stehe und gehe. Das braucht sehr lange, finde ich. Vielleicht ein Zeichen dafür, wie zerrüttet mein Innenleben war, auch wenn es nach aussen nicht immer so aussah.

Belastete und belastende Familie
Die Fortschritte sind da. Unverkennbar. Aber das geht anderen in meiner Familie nicht genau gleich. Das wurde mir mal wieder deutlich bewusst. Da schwelt einiges. Manchmal finde ich es anstrengend, erwachsen zu sein und ruhig zu bleiben, wo sich andere wie Kinder in der Trotzphase verhalten. Mühsam. Da nicht in Kälte und Ablehnung zu verfallen ist manchmal schon eine Kunst. Die eigne Spannung in diesem Moment auszuhalten und beim Gefühlskomplott nicht mehr mitzumachen! Mir ist noch nicht klar, inwieweit ich da noch bereit bin, krankhaftes und schwieriges Verhalten anderer mitzutragen: Wo ist mein Platz und wie verhalte ich mich? Wann habe ich genug getan? Wie handle ich "richtig", so dass es auch mir selber gut geht? Ich schwanke zwischen Mitgefühl, Ärger und Wut. Manchmal fühle ich mich hilflos. Vor allem wenn ich an meine eignen Grenzen komme, was manchmal schnell passiert.

Keine Hilfe ohne Selbsthilfe
Was ich so schwierig finde ist, dass ich jetzt, wo es mir gut geht, manches einfach glasklar erkenne. Manchmal schaffe ich es, etwas anzusprechen. Nicht immer sind diese Verbesserungen aber von Dauer. Das hat mich etwas mitgenommen. Es geht nicht allein um Borderline-Verhalten, da gibt es auch anderes, was ich schwierig finde. Ich bin keine therapeutische Fachperson und es ist nicht meine Aufgabe, diese Position in der Familie einzunehmen. Vor allem gibt es Selbstverantwortung und jedes noch so gut gemeinte Helfen bringt nichts, wenn jemand nicht bereit ist, die Verantwortung für sich und sein Leben zu übernehmen! Irgendwann ist man, bei intaktem geistigem Vermögen, einfach erwachsen und gross genug dafür. Aber es geht darum, dass nicht alle Menschen erkennen, dass sie es selbst sind, die sich das Leben schwer machen.

Hilfreiche Seite und Aussichten von Heilung
Ich habe eine gute Internet-Seite gefunden, auf der einiges über Borderline in gut verständlicher Sprache geschrieben steht. Den letzten Abschnitt (6.3) finde ich besonders spannend, denn er beschäftigt sich damit, dass es wirklich gut kommen kann, wenn man dranbleibt. Was ich aus eigener Sicht und Erfahrung auch bestätigen kann. Es ist auch eine Frage von Geduld und Aushaltenkönnen. Es ist eine Gratwanderung, aber es kann klappen.