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Montag, 25. Juli 2016

Weg von der alten Identität - ich (er)finde mich neu

 

 

Weg von der alten Identität


.. die mir lange als Zuhause diente. Die "Frau die Probleme hat" -- so nenne ich diese alte Maske, denn nun ist es eine. Wie mir gerade auffällt. Ich habe je länger je mehr den Eindruck, dass sich hier massiv etwas geändert hat. Nur gebrauche ich immer noch die alten Codes. Ich benötige sie noch als Krücke, obwohl ich jetzt gehen kann. In Momenten der Verunsicherung kommt die hilflose Angst, es sei wieder wie "früher". Und dann hole ich die alte Maske hervor.

Ich suche jetzt bewusst nach neuen Wegen, nach Klarheit, um mit meinem gesundeten Ich umzugehen. Einfach zu leben. Zu erkennen, dass ich stark sein darf und auch eigensinnig. Das das völlig ok ist. Dass ich meine eigenen Werte haben darf und meine eigenen Wege. Ohne Angst und Scham leben. Ohne von anderen zurechtgestutzt zu werden. Und ohne meinerseits andere zurechtzustutzen.

Und wenn ich anderen "zuviel" bin, dann stimmt wohl die Umgebung für mich nicht.  Oder ich muss erst mal abklären, ob das nicht nur wieder mein Kopfkino mit der Bildstörung ist. Wichtig für mich: Nicht mit allen Menschen kann man Befindlichkeiten, Dinge und Verhaltensweisen besprechen, ansprechen, absprechen. Wenn es diplomatisch glattes Parkett gibt, liegt es nicht immer nur an mir.

Und ebenso wichtig: Es stimmt nicht mehr für mich, mich nur irgendwie und irgendwo reinzuquetschen und einzuordnen. Wenn sich mir die Nackenhaare aufstellen und ich ein ungutes Bauchgefühl habe, gibt es meist Gründe. Auch wenn das der Kopf nicht akzeptieren kann. Ungutes, dafür habe ich einen sechsten Sinn.

Es gibt noch die Momente von Verunsicherung, Scham, Schuldgefühen, von Angst und Verwirrung -- doch sie dauern nicht mehr über Monate oder Jahre an. Gewisses stört mich an mir selber schon auch noch. Ich möchte noch weiter lernen, unverkrampft mit Menschen umzugehen. Und ich habe noch genügend andere Baustelle, die mir auch deutlich bewusst sind. Zum Beispiel die Tendenz, mich ständig rechtfertigen zu müssen. Und schnell habe ich den Eindruck "daneben" zu sein und schäme mich. Das Hin und Her zwischen dominantem Auftreten und andernorts wieder Mäuschen sein, das gibt es auch noch. Doch ich komme damit klar. Es ist ok.

Der Schritt vom mentalen Überleben zum Leben, der ist schon länger getan. Doch "fühlen" kann ich es erst jetzt so richtig. Und es zu etablieren, das habe ich ganz fest vor. Und ich spüre die Kraft, die mir daraus erwächst, meine Gesundung und Heilung zuzulassen.

Ich bin jetzt "die Frau mit den vielen Möglichkeiten" ...


Samstag, 3. Oktober 2015

Arbeitsintegration -- eigener Druck -- Handicaps -- Arbeit an mir selbst

Freitag, 7. August
An einem Tag wie heute wäre ich früher daheim geblieben. Jetzt bin ich da, bin bei der Arbeit, und versuche das Beste daraus zu machen. Es sind auch meine hohen Ansprüche an mich selbst, die den Druck auslösen. Wenn ich im Kopf keine Klarheit habe, fühle ich mich unsicher. Es hat mit dem alten Gefühl des Ausgeliefertseins zu tun, und mit dem Bedürfnis, mich schützen zu wollen. Aber manches klärt sich eben erst mit der Zeit. Es hilft mir, wenn ich eins nach dem anderen mache, mehr können andere auch nicht tun :)

Diesen Text liess ich unveröffentlicht, bin aber heute wieder darauf gestossen und finde ihn wichtig. Dass ich mir selber den meisten Druck mache, wurde mir erst mit der Zeit klar. Zum Glück ist mir das bewusst geworden. Ich bin heute so stabil und routiniert, dass ich auch die weniger guten Tage bei der Arbeit meistern kann.

Dieses Jahr hatte ich noch keinen einzigen Fehltag aus psychischen Gründen. Die letzten Jahre waren es immer mehrere Tage, an denen ich ausfiel. Einmal konnte ich aus Angstgründen kaum das Bett verlassen.

Dieses Jahr war ich zweimal krank, einmal erkältet und einmal grippig. Da ich bei der Grippe auch Fieber hatte, blieb ich einige Tage daheim. Das dauerte aber insgesamt einige Wochen, bis ich mich wieder richtig erholt hatte. Die Erkältung war zwar heftig, aber ich bin trotzdem zur Arbeit, da dort gerade Not an der Frau war. Nicht dass ich das propagiere, krank Arbeiten zu gehen, aber ich kann nun verstehen, dass man sein Arbeitsumfeld nicht hängen lassen will.

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Ein Handicap im Arbeitsleben war lange noch mein Selbstmitleid und mein Opfergefühl. Aus dem geschützten Arbeitsumfeld war ich mir gewöhnt, ein "Star" zu sein und immer wieder Lob für meinen Einsatz zu erhalten. Dieses "Gestreichel" fiel dann im normalen Arbeitsumfeld weg. Daran hatte ich zu knabbern .. Den Selbstwert beziehe ich seither viel mehr aus mir selbst. Das musste ich erst lernen.

Für mich war diese vorherige Phase im geschützten Umfeld, die immerhin 5 Jahre gedauert hat, wichtig gewesen, denn ich bekam wieder Vertrauen in meine Fähigkeiten. Durch Coachings wurde ich nach und nach mutiger. Aber dieses geschützte Umfeld hat seine eigenen Mechanismen und Tücken. Eine behütete Pflanze aus dem Treibhaus muss auch einmal ins Freiland .. so drückte es eine meiner fachlichen Begleitpersonen aus. Wie recht sie mit diesem Symbol hatte, das fällt mir erst im Nachhinein auf!

Ich habe Mittel und Wege gefunden, wie ich mich heute auch in schwierigen Zeiten entlasten kann. Das habe ich intus. Dabei hat mir auch die langjährige Psychotherapie geholfen (abgeschlossen 2013). Unter anderem bin ich auch so weit, dass ich es meinem Umfeld bei der Arbeit sage, wenn es mir nicht gut geht. Da ich ansonsten zuverlässig und genau arbeite, kommt auch mein Chef damit klar. Ich habe schon bei der Bewerbung und beim Vorstellungsgespräch keinen Hehl aus meiner lückenhaften Arbeitsbiografie und psychischen Schwierigkeiten der Vergangenheit gemacht -- und stets mit offenen Karten gespielt.

Meine guten Leistungen in der Berufsschule und einige gewonnene Gestaltungs-Wettbewerbe halfen dabei sicher mit. Ich bin froh, dass die Schule mir leicht fiel und ich damit einen Leistungsausweis hatte, denn für mich konnte ich mir kein anderes Vorgehen vorstellen als bei einem Vorstellungsgespräch ehrlich zu sein. Und da gehört eben meine gewundene Biografie dazu.

Erstaunlich dass es auf diese Art und Weise geklappt hat. Da kam mir auch viel Wohlwollen von seitens meines Arbeitgebers entgegen. Das muss auch gesagt werden! Eine solche Chance auf dem Arbeitsmarkt zu erhalten, ist nicht selbstverständlich.

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Trotzdem war der Einstieg für mich eine harte Zeit. Meine Befindlichkeit wurde unwichtig und die Arbeit rückte in den Vordergrund. Kunden wollten zufrieden gestellt werden, Arbeiten speditiv und doch genau erledigt werden -- und das forderte mich heraus. Es sind nun 3 1/2 Jahre an diesem Arbeitsplatz, eine Zeit in der ich viel an mir und meinen Ängsten, auch meinen Eitelkeiten, meiner Egozentrik, gearbeitet habe. Es gab und gibt Krisen -- aber ich habe heute das Rüstzeug dazu, diese zu meistern. An schwachen Tagen schaue ich heute noch, wie ich mir selber helfen kann -- zB genaue Prioritäten setzen und auch mal fünfe grade sein lassen. Mich macht es Stolz, dass ich meinen Lebensunterhalt selber verdienen kann.

Es ist nicht immer nur das (Arbeits-)Umfeld, das den Einstieg schwierig macht. Man steht sich oft auch selbst im Weg. Psychische Krankheit kann wirklich egozentrisch machen .. die Gedanken kreisen stets um einen selbst oder um die eigene Wirkung nach aussen. Bis zum Exzess: Nachdenken hat einen grossen Teil meiner Kraft und Zeit in Anspruch genommen. Das Grübeln musste ich mir wirklich abgewöhnen! Die Gedanken immer wieder ins Konstruktive lenken -- oder sie einfach laufen lassen ohne ein Drama daraus zu spinnen.

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Die Rente, die ich zusätzlich bekomme, macht nur 10% von meinem gesamten Verdienst aus. Ich verdienen einen Lohn, der unter dem schweizerischen Mindestlohn liegt, da ich nur Teilzeit arbeite. Ein 100% Pensum lassen meine Kräfte (noch) nicht zu. Mit meiner Erwerbsminderungsrente, damit decke ich nicht mal die monatliche Krankenkassenprämie. Trotzdem fühle ich mich reich. Ich habe einen langen Weg hinter mir und ich fühle mich in der Gesellschaft angekommen. Nach und nach entfalte ich mich und ich freue mich darauf, noch mehr bei mir und meinen Fähigkeiten anzukommen. Denn ich spüre, da geht noch was ...


Donnerstag, 11. September 2014

Heilung (2) _ Religion, Spiritualität, Anderen helfen _

Besserung auf Knopfdruck
Gibt es nicht ... Ich hab mir immer gewünscht, dass alles von jetzt auf gleich besser wird. Dass mich jemand von meinem Leiden am Leben heilt! Jetzt gleich. Sofort. Mir mein Karma abnimmt (dafür hab ich sogar Geld bezahlt). Der Druck war gross. Ich habe vieles ausprobiert, auch viele Kurse und Seminare besucht. Manche Schritte brachten mich weiter, andere stellten sich als Umweg oder gar als Sackgasse heraus. Ich suchte nach Lehrerinnen und Vorbildern - nur um diese innerlich dann wieder vom Sockel zu stossen, wenn sie sich als fehlerhafte Menschen wie du und ich herausstellten .. Erst nach und nach verstand ich, dass ich mir selber Projektionen geschaffen hatte, die meinen Erwartungen gar nicht standhalten konnten. Ich war in mir selber und in meinen Vorstellungen vom Leben (wie es sein sollte) gefangen. Für mich hat sich eine Besserung erst aus ganz vielen kleinen Schritten ergeben. Die ich selber gegangen bin! Erst als ich aufhörte, mein Leben an TherapeutInnen und ÄrztInnen zu delegieren, ich Menschen fand, die mir Hilfe zur Selbsthilfe boten, kam ich voran. 

Ideologien und Religion
Gerne hätte ich einen christlichen Glauben gehabt, der so stark ist wie derjenige meiner Vorfahren. Obwohl ich mich ernsthaft bemühte, wurde aus mir keine Christin. Ich zweifle zu sehr. Ich glaube nicht an Christus als Erlöser der Welt. Ich wollte mich aber unbedingt als Teil einer Glaubensgemeinschaft fühlen - und habe keine gefunden, die mir Heimat böte. Auch die Lichtarbeit und andere spirituellen Praktiken erschienen mir zu starr und ideologisch, zu fremd, heidnische Jahreskreisfeste sind auch nicht mein Ding, Magie entspricht mir nicht.  Ich fühle mich heute wohl auf meinen eigenen Wegen, ich möchte nichts nachbeten. Meine Rituale und Besinnungen entstehen aus dem Moment. Und bei LehrerInnen von Kursen und Seminaren interessiert mich auch, wie geerdet sie sind. Spiritualität die sich im grauen Alltag behaupten kann, braucht vor allem Erdung. Abgehobene Heilslehren nur für Eingeweihte, Meistergrade, das interessiert mich alles nicht mehr. Es muss sich für mich stimmig anfühlen und mich berühren, nur das zählt!

Anderen helfen? Ne, erst mir selbst ..
Eine Zeitlang war das mein Plan: selbstständige Therapeutin zu werden. Zwischendurch taucht dieser Wunsch wieder auf. Dabei mag ich nur ausgewählte Menschen in meiner Nähe haben, Menschen werden mir schnell lästig ... ich spüre alles sehr nahe und verliere mich dann. Ich wählte dann doch eine gestalterische Berufsausbildung, damit ich keine jener Therapeutinnen werde, die vor allem sich selber was Gutes tun, in dem sie anderen helfen. Wie soll ich anderen helfen können, wenn ich mit mir selber nicht zurecht komme?

...






> Hier findest du Teil 1



Donnerstag, 21. August 2014

Heilung (1)

Mein Weg aus der Depression
Meine eigene Genesung, mein Weg aus der Depression, begann, als ich mich selber endlich ernst nahm. Meine Empfindungen, meine Sehnsüchte, meine Wahrnehmungen. Ich beschäftigte mich intensiv mit spirituellen und esoterischen Themen und konnte endlich auch selber meiner Seele mehr Raum geben. 

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Diesen Raum, den konnte ich mir vorher nur im geschützten Raum der Psychotherapie geben. Ich begann, das Leben (mehr) in meinem Tempo zu leben. Ich liess alte Tabus los, die aus meinem christlichen Elternhaus stammten. Nun kamen nach und nach neue Ideen und Wege in mein Leben, beispielsweise die Blütenessenzen, deren wohltuende Wirkung ich noch heute für mich nutze. Was gut tut, ist nicht immer das, was gängig ist und allgemein akzeptiert wird. 

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Ich nahm mir viel viel Zeit. Ich kostete meine Eltern eine grosse Stange Geld und später dann den Staat. In den Augen anderer ging ich den Schwierigkeiten aus dem Weg. In Wirklichkeit kämpfte ich um mein seelisches Überleben. Alle diese Auszeiten und Brüche waren lebensnotwendig: Mich gibt es noch immer! Hätte ich unter noch grösserem Druck von aussen gestanden, ich weiss nicht, ob ich den inneren Druck dann noch ertragen hätte. 

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Heil kann immer nur ich selbst mich fühlen. Das Gefühl von Heilsein kommt aus meinem eigenen Empfinden. Ich kann nicht beurteilen oder bestimmen, wann jemand anderes heil ist. "Heilsein" heisst auch nicht unbedingt "Gesundsein". Manchmal ging es mir in meinen schwärzesten Stunden so, dass sich die Depression wie ein weicher, schwerer, schwarzbrauner Mantel um mich legte, mich zu Boden zog und ich mich einfach hinunterziehen liess. Was für eine Befreiung, Loslassen zu können ... mich dieser Erdenschwere endlich ganz hinzugeben, war ein ganz inniges und warmes Gefühl. So lange ich aber gegen die Schwere ankämpfte, war es schier unerträglich.

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Hier gehts zu Teil 2






Samstag, 29. Juni 2013

Ich bin anderer Meinung

In meinem vorherigen Post spreche ich es an: Anderer Meinung zu sein als ein anderer Mensch, vor allem eine Autoritätperson, kostet mich sehr viel Kraft. Ich weiss nicht, ob das jemand verstehen kann was ich damit meine, ders nicht von sich selber kennt. Angst vor Vernichtung, Stress, Panik, Ohnmachtsgefühle seelischer und körperlicher Art.

In den letzten Monaten habe ich hier grosse Fortschritte gemacht. Ich halte mich aufrecht und setze mich durch, dort wo es mir wichtig erscheint. Ich wäge den Kraftaufwand vorher ab, vermeide es, gegen Windmühlen zu kämpfen.

Ein paar Beispiele

  • Ich bitte darum, dass im Behandlungszimmer der Arztpraxis die Rolladen runtergelassen werden, falls ich mich ausziehen muss
  • Ich habe mich für eine umstrittene Therapie (Eiseninfusionen) entschieden, weil das Bauchgefühl gestimmt hat. 
  • Ich habe aus eigener Initiative, bei der Arbeit Schwieriges sowohl beim Chef als auch bei Kollegen angesprochen
  • Ich rede in der Familie mehr Klartext in dem ich in Ich-Botschaften spreche.

Klarheit tut weh, heilt aber auch. Ich spüre, dass ich hier noch viele Ängste mit mir herumtrage, doch ich spüre auch, wie sich jeder Schritt, auch der kleinste, lohnt – indem mir Stärke zuwächst.

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Danke fürs Lesen!

Mir gehts gut

… und damit muss ich erstmal klarkommen!
Es ist ein komisches Ding dass es mir seit Monaten wirklich gut geht. Ich weiss, eigentlich könnte ich mich einfach freuen. Doch der Zustand ist ungewohnt und auch an stabile Zeiten muss ich mich erstmal gewöhnen, so seltsam es klingen mag.

Es geht mir wirklich besser, das definiere ich so:
  • die Löcher sind weniger tief und ich komme schneller wieder auf die Beine
  • wenn mich was drückt oder belastet finde ich Lösungen, suche auch aktiv Hilfe, statt zu resigieren oder zu lange zu warten
  • ich akzeptiere meine Grenzen und nehme auch meine Stärken (besser) an 
  • weniger starke Schweissausbrüche und kein Zittern mehr, wenn ich unter Druck stehe
  • ich kann meine und deine Baustellen besser unterscheiden
  • mein Selbstwert kippt zwar nach wie vor hin und her, doch ich kann das von einer höheren Warte aus betrachten
  • ich brauche weniger Hilfe
  • ich kann Ein- und Durchschlafen
  • ich lebe in der Gegenwart, Zukunftsängste sind weg, ich hänge auch nicht der Vergangenheit nach
Methoden die mir geholfen haben: Nach wie vor Psychotherapie bei einer pragmatischen Psychiaterin die mit mir Klartext redet, 25 mg Sertralin (Zol*ft), Vitamin B12 und Vitamin D als Spritzen, Gespräche mit meinem Freund, Arbeit, Eiseninfusionstherapie und anschliessende Akupunktur zur Stabilisierung des (vegetativen) Nervensystems. 

Mir wurde von mehreren Seiten von der Infusionstherapie abgeraten, trotzdem habe ich es durchgezogen. Ich habe mich dafür entschieden, weil ich das ewige Schwächegefühl nicht mehr ausgehalten habe. Ich weiss nicht, ob der Umschwung wirklich mit diesen Methoden zu tun hat und es ist mein eigener persönlicher Weg, aber ich bin froh, für mich selber eintreten zu können, auch wenn ich nicht immer der gleichen Meinung bin wie die mich begleitenden Fachpersonen. Ich bin stark genug, eigener und auch anderer Meinung zu sein! Sogar gegenüber Autoritäten/Fachpersonen Und das ist etwas wirklich wirklich Grosses und Wichtiges für mich …

Samstag, 8. Juni 2013

Was eine nicht umbringt …

… macht eine stärker … so heisst es ja ganz lapidar. Passt schon. Wobei ich das nie jemandem ins Gesicht sagen würde!

Bei mir ist es ums mentale Überleben gegangen. Ich war nie an Leib und Leben bedroht, wuchs in einem behüteten Umfeld auf. Aber ich fand keinen Platz für mich und mein Sein in dieser Welt, eckte an. War eine Mimose. Trotz und Stolz: Anderssein wurde zu meinem Schutzschild und Markenzeichen. Ich war ja sowieso nirgends "passend", also machte die Not zur Tugend. Galt als kreativ und als Träumerin, verhaltensoriginell. Versuchte, mich mit dieser einer Mischung aus Phantasie, Anderssein, Trotz und Anpassung durchzubringen. Fand auch einzelne Freundinnen.

Ich war nur ganz einzelne Male in meinem Leben versucht, den Notausgang zu wählen. Und dann darum, weil ich mich von jemandem verlassen oder zutiefst verletzt gefühlt habe. Weg sein, nicht mehr fühlen müssen.

Was ich aber kenne, ist das Gefühl von tiefer Hoffnungslosigkeit und Resignation. Ein anhaltendes Tief über Wochen, Monate und Jahre sogar. Ein dicker schwerer Mantel in dem ich mich manchmal sogar Zuhause fühlte. Ich musste plötzlich nichts mehr, weil ich ja nicht konnte!

Diese Empfindungen waren wirklich lange Teil meines Lebens. Verweigerung, Blockade. Ich gegen der Rest der Welt. Etwa so wars.

Ich würde sagen, diese Not, mich in der Aussenwelt nicht zurechtzufinden, es hat sich erst so richtig in den letzten paar Monaten geändert. Ich schnalle jetzt, dass das wirklich MEIN Leben ist. Die Verzweiflung erlebe ich nur noch in kleinen Episoden und sie erschüttert nicht mehr mein ganzes Sein, Leben, ist dann mehr wie ein Schatten oder eine Form der bekannten Lähmung.

Jahrelang war ich depressiv. Wobei ich heute verstehe, dass die Depression vor allem die Maske meiner grosse Angst und Verwirrheit war. Sinn dieser Lähmung. Bevor ich was Falsches mache, oder mich ausliefere, mache ich lieber gar nichts. Dieser Zustand hat wirklich lange angehalten.

Ich brauche ihn nun nicht mehr!

Freitag, 28. Dezember 2012

Raus aus Angst und Ohnmacht (4)



Zu Teil 1
zu Teil 2
zu Teil 3


Auftrieb
Die Lehre verlieh mir Auftrieb. Ich ging mit Leuten in die Berufschule die 10 Jahre jünger waren als ich. Das forderte mich heraus. Es war wie ein Nachholen meiner Jugend, endlich war ich einmal Teil einer Gruppe ... Die Lehre war aber auch anstrengend. Ich hatte nicht mehr viel Energie für meine Freizeit und andere Menschen. Ich konzentrierte mich ganz auf meinen Weg. Alles andere blendete ich aus. Das war meine Chance, diese Ausbildung, die wollte ich packen. Ich wusste, dass ich einen weiteren Anlauf wahrscheinlich nicht mehr nehmen würde.

Abschied in Trauer – und Wut
Mein Bruder. Ich hatte mir eingeredet, dass er es schon schaffen würde, schliesslich hatte ich es ja auch geschafft! Doch er hat aus seinen Schwierigkeiten keine Konsequenzen gezogen, hat professionelle Hilfe verweigert. Unsere Gespräche halfen ihm jeweils für eine Weile. Doch heftiges Partymachen und nächtelang seine Musik aufnehmen und sampeln plus eine Ausbildung, davon brachte ich ihn nicht ab. Wenn ich ihn traf, war er oft verkatert, vorallem an den Wochenenden. 

Er wurde müde, zu müde zum Leben. Dann nahm sich mein kleiner Bruder mit 23 Jahren das Leben … 

Das beschäftigt mich bis heute. Obwohl ich der Überzeugung bin, dass jemand auch aktiv etwas für sich tun muss, wenn man ihm die Chance bietet. Seine Verweigerung seine Probleme anzugehen, das löste in mir Hilflosigkeit und auch Wut aus. Warum machte er einfach so weiter? Ich verstand es nicht und kümmerte mich wieder mehr um mich. Bis heute weiss ich nicht, ob er es spontan entschied oder plante.

Ich verdränge einen Teil davon bis heute. Und ich glaube daran, dass jeder Mensch für sich selber verantwortlich ist. Stark sein für andere, das kann ich nicht, so bin ich nicht gebaut. Sonst hätte ich selber keine Energie mehr. Es kommt alles immer wieder stückweise aus der Erinnerung hoch. Auch bei ihm kam der Knick in der Pubertät und mit dem Eintritt in die Erwachsenenwelt. Vorher war er ein Strahlemann und Goldjunge gewesen, immer fröhlich. Bis die Schwermut durchschlug …

Ich bin immer noch hin und hergerissen zwischen Wut und Trauer. Er war kein einfacher Mensch. Ich vermisse ihn.

Weitermachen!
Das geschah im dritten Monat meiner vierjährigen Ausbildung. Nur nicht zur Besinnung kommen! Das war danach mein Motto. Ich stürzte mich erst recht in die Arbeit und Ausbildung. Obwohl ich immer weniger Energie hatte ging es bis zu meiner Krise 2010 (letztes Ausbildungsjahr) auch einigermassen gut. Dann war ich so erschöpft und leer und wünschte mir den Tod. Einfach Ruhe. Aktiv wurde ich in dieser Hinsicht nicht. Eher total passv. Ich wollte nur nicht mehr. Seither nehme ich wieder Psychopharmaka. Ansonsten hätte ich die Ausbildung aufgeben müssen. Das war aber der rote Faden in meinem Leben. Etwas woran ich mich festhielt.

Selbstbestimmung
2010 wechselte ich von meiner Psychologin zu einer Psychiaterin. Es war ein Abschied nach 13 gemeinsamen Jahren. Die Ärztin begleitete mich durch die Krise und von ihr erhielt ich nun auch wieder ein Medikament. Ich rang massiv mit mir selber, sollte ich wirklich wieder etwas nehmen? Doch weiter runter ging es nicht mehr – ich wollte wieder Leben in mir fühlen.

Dabei ist es mir diesmal wirklich gelungen, eine gute Verhandlung mit der behandelnden Psychiaterin zu führen: Was für ein Mittel? Wogegen? Wofür? Welche Nebenwirkungen sind akzeptabel? Wie handhaben wir das mit der Dosierung? Ich konnte es in der Tropfenform einschleichen. Es ist geglückt, das für mich passende Mittel zu finden und auch die richtige Dosis zu treffen. Damit kann ich leben. (Substanz Sertralin, 25mg). Wobei ich auch parallel Alternativmedizin in Anspruch nehme. Das Entweder-Oder habe ich für mich abgehakt: Warum nicht das Hilfreiche aus allem wählen?!

Wie weiter 2013?
2012 war wieder ein Jahr der Krisen, auch wieder Erschöpfung. Scheinbar ist es mein Muster, mich bis zur Selbstaufgabe in etwas zu vertiefen. Das wurde ja auch meinem kleinen Bruder zum Verhängnis, diese Grenzenlosigkeit. Eine Familie von Grenzgängern … Nun hat die Ärztin gemeint, dass ich mein Mittel 2013 absetzten kann, weil es mir wieder viel besser geht. Ich will das nicht. Es ist noch zu früh. Eine weitere Verhandlung ist also fällig. Sie meint, der psychiatrische Teil sei eigentlich abgeschlossen, nun käme allenfalls noch der psychotherapeutische. Vielleicht gehe ich auch nochmal zu jemand anderem, hab ich mir gedacht. Zudem werde ich dieses Jahr wieder auf Jobsuche gehen. Das ist nötig. Wir müssen wir also noch schauen, wie wir weiter machen. Fühle mich stärker in diesen Besprechungen mit ihr, einer nüchternen und pragmatischen Fachfrau, da ich meine Impulse (Übertragungen) besser reflektieren kann. Das klingt nach Gesundung, auch wenn ich mich oft anders fühle. Doch, ich sehe und fühle klarer. Ich werde sehen. 

2013 wird auf jeden Fall ein interessantes Jahr … da bin ich mir sicher. 

Ich war noch nie so sehr DA ^_^