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Donnerstag, 26. November 2020

Vom Rauskommen ...

Meine berufliche Auszeit gestaltet sich variantenreich. Ein Tag wie heute sticht daraus hervor, denn ich habe mich wieder aufgefangen und fühle mich bei mir. Die letzten Tage waren schwer.

Es gibt eben so Tage, an denen ich mich mit Müh und Not durchhangle. Tiefste Selbstzweifel quälen mich dann. Immer wieder meine Verfehlungen in Grossaufnahne .. und ich komme zu dem altmodischen Begriff "Anfechtungen". Weil das passt. Meine Dämonen sprechen zu mir. Triezen mich, sprechen meine tiefsten Ängste an und ich versuche, ihnen Contra zu geben. Schwere, Schwärze, Angst. Hindurchgehen muss ich.

Ein Coming-Out ist kein Spaziergang, auch wenn ich jetzt schon länger auf diesem Weg bin. Und es ist ein Coming-Out auf ganz verschiedenen Ebenen. Klar, ich liebe eine Frau und ich lebe mit ihr. 

Da ist aber noch so viel mehr! Wie lange habe ich vieles von mir verdrängt und unter Verschluss gehalten?! Gerade auch meine Stärken. Ich war es gewöhnt, die Schwache und Angeschlagene zu geben. Das geht so nicht mehr. Weil ich viel mehr bin als das. Der ferne Mann sagt: We're all a little bit broken .. and that's okay. 

Und die nahe Frau sagt: Eine flog übers Kuckucksnest. Und meint damit mich! Sie vergleicht mich mit dem Indianer in der Geschichte. Einem der so tut, als wäre er nicht ganz bei Trost. So tun als ob man spinnt, um die eigene Haut zu retten. Undercover den Deppen geben um Rauszukommen und die Freiheit zu erlangen. Ja, verdammt. Wie wahr! 

Nach dem ersten leeren Schlucken merke ich, dass die Wahrheit über mich selber herauszufinden, mit gut tut. Was andere über mich sagen, sind dann die einzelnen Mosaiksteine, die ich gerne entgegennehme, weil sie mir dabei helfen, ein ganzes Bild zu bekommen. 

Es braucht sehr viel Mut, mich mir zu stellen, zu mir zu stehen, doch es bringt auch eine tiefe Freude und mehr Sicherheit.

Ich weiss, dass ich auf dem rechten Weg bin.





Sonntag, 24. März 2019

Mein spiritueller Weg

Je älter ich werde, desto mehr Mühe habe ich mit den Religionen. Ich glaube an eine höchste Macht, ich spreche oft zu ihr, versuche meine Wege auf sie hin auszurichten auf meine Weise.

Doch glauben an den einen Weg und an eine der Lehren die den Weg weisen (wollen) schaffe ich nicht. Mein Geist strebt darüber hinaus. Die Wege scheinen mir alle fehleranfällig und menschengemacht oder zu dogmatisch. Ich kann nicht daran glauben. Nicht an eine Lehre.

Kürzlich sass ich in einem Restaurant und hörte zwei jüngere Christen zusammen reden. Fazit war, dass alle Menschen, die nicht ans Evangelium glauben, ja per se verloren sind. Gott wäre ja schliesslich blöde, auch diese zu noch erretten, die nicht auf dem richtigen Pfad sind. Also müssten so viele Menschen wie möglich bekehrt werden. Wenn Gott die Ungläubigen erretten würde, dann würde ja der Glauben keinen Sinn machen. Eine Allversöhnung für alle gäbe es nicht (Erlösung und Wiedervereinigung mit Gott am Ende der Zeit).

Einiges weitere kam dann noch dazu in der Diskussion, ich weiss es nicht mehr im Detail. Sie waren sich ihrere Sache sehr sicher. Mir hats die Haare zu Berge gestellt. Ich wusste wieder, warum ich mich anders orientiert habe nach meiner Zeit in christlichen Kreisen. Und auch in den esoterischen. Zu eng die Zäune. Zu wild mein Geist.

Diskutieren werde ich nicht, das hab ich aufgegeben... es kostet mich zu viel Kraft und schlussendlich muss ich niemanden überzeugen oder korrigieren. Doch es gibt mir zu denken. Ich weiss, es sind religiöse Extreme, die sich hier zeigen.

Für mich sind es weltferne Lehren, die Grenzen ziehen und Menschen ausschliessen und trennen. Genauso wie es sie auch bei anderen Glaubensformen gibt.

Mir kommt es oft so vor wie eine rationale Managementlehre bei der säuberlich alles in ein Schema gefasst werden kann. Gut und falsch ist messbar und alles kann rationell begründet werden.

Liebe und Versöhnung, wahre Kommunion und Kommunikation mit Gott ist nur für Eingeweihte möglich die dem richtigen Pfad bis zu Ende folgen und die immer der Herde folgen und nicht aufmucken.

Ich habe keine allgemeingültigen Antworten. Sondern einfach einen spirituellen Weg, dem ich persönlich folgen kann. Mit Beten komme ich besser durchs Leben. Türen gehen auf und Herzen. Ich werde sanfter und offener.

In der evangelisch-reformierten Kirche bin ich ein zahlendes Mitglied und ich besuche selten Gottesdienste. Für mich ist das gerade der Umgang, den ich mit der Institution Kirche pflege. Christlich erzogen und bibelfest .. und doch kirchenfern. Weil ich mich dort nicht daheim fühle.

Die Botschaften der Religion mit der ich aufgewachsen bin, trage ich in mir, ich setze mich damit auseinander. Im Aussen zeige ich sie weniger, nicht in religiöser Form. Weil ich meine Überlegungen und Erfahrungen nicht als "rein christlich" erfahre oder anderen überstülpen will. Manchmal ziehe ich Kraft aus einem hinduistischen Mantra und manchmal singe ich einen Choral. Ich fühle mich wohl damit und nicht mehr als Ketzerin.

Gott ist und bleibt für mich unfassbar und unerklärbar. Aber erfahrbar. Ich kann dieser Macht begegenen, mit offenem Herzen, wenn ich mich nach innen wende oder in Kommunikation mit anderen Wesen trete.

Für mich ist Gott allüberall. Jenseits davon, mit meinem Geist erfasst zu werden. Zu stark und zu gross. Doch ich bin ein Teil des Ganzen. Gott erfährt sich selber in der Schöpfung und ist ewig. Und ich glaube an die Allversöhnung: Liebe.

Donnerstag, 25. Mai 2017

Nachgedacht (Spiritualität)

Mir wird bewusst, dass die Spiritualität in meinem Leben wieder wichtiger wird. Dass ich Raum dafür brauche.

Aus einer Laune heraus habe ich mal nach der esoterischen Glaubensgemeinschaft gegoogelt, der ich mal fast beigetreten ... oder auf den Leim gegangen wäre. Wird von offiziellen Stellen als sektenartig angeschaut. Ich habe mir einige fundierte Artikel kritischer Beobachter durchgelesen, und musste mit dem Kopf nicken. Autsch. Gut dass ich da weg bin! Aber das habe ich ja schon damals instintiv gemerkt.

Ich wollte noch ein paar Dinge mehr dazu schreiben und merke, mehrere Text gibt es in meinem Blog schon, ich hab eigentlich schon alles geschrieben, was ich sagen wollte. Hier, Hier, Hier und Hier.

Ja. Immer noch suchend, doch noch wenuger an Regeln interessiert als jemals zuvor und auch nicht willens, feste Glaubenssätze nachzusprechen.

Mein Herz weist mir schon den Weg.




Freitag, 12. Mai 2017

Das Leben ist eine Pilgerreise

Gute Gedanken über Sinn und Unsinn des Pilgerns hielt Luisa Francia gestern in ihrem Blog fest. Und ein Satz hat sich eingeprägt, der sich auch auf anderes anwenden lässt: Es scheint, dass die kraft für die qual reicht, aber nicht für die lebenslust.

Blog von Luisa


Dienstag, 23. August 2016

Religion / Glauben / Überzeugungen -- Mein Weg (1)

Neue Heilslehren
Mir fällt auf, dass man zwar über die Rückständigkeit von Religionen und der "Religion an sich" diskutiert -- aber sich schon längst neue Heilslehren breit gemacht haben. Healthy Lifestyle inkl. Fitnesswahn, Clean Food bis hin zur Esstörung -- und so weiter. Und aus der Ökologiebewegung ist teilweise ein menschenfeindlicher Ökofanatismus geworden. "Menschenhass" nennt es eine Freundin von mir. Andernorts wird hemmungslos dem Konsum gefrönt bis zum Abwinken. Da kampieren Leute vor Geschäften, nur um das neuste "Teil" zu ergattern. Ständig wird einem mit irgendwas vor der Nase rumgewedelt, ein Leben ohne Werbung gibts nicht mehr.

Ich weiss nicht, ob das wirklich ein "befreites" Leben ist. Ich stelle mir was anderes darunter, nämlich ein Überwinden von Ideologien und Abhängigkeit.
 
Genau das was man den Religionen vorgeworfen hat, passiert nun auf anderen Spielfeldern.


Donnerstag, 3. März 2016

Food is GOD

Ich interessiere mich für die "neuen" Formen von Lebensstilen und auch Ernährungsformen. Was es halt so gibt. Auch Veganismus. Was mich aber abstösst ist diese Moralisiererei.

Es gibt tatsächlich auch (umwelt)bewusste Menschen, die noch Fleisch und andere tierische Produkte essen.

Nee, oder?! Diese gehören doch aber zur "Achse des Bösen", ganz klar.

Fronten ziehen sich da durch manche Blogs und Websites. Emotionale Umweltverschmutzung: Bekommt man/frau dafür eigentlich auch Karmastrafpunkte?

 *Gähn* (nachdrücklich)

Und da sage noch jemand, Religionen seien fanatisch und sowieso von vorgestern. Die neuen Heilslehren sind doch bereits mitten unter uns!

Halleluja... dann ist ja alles gut.

Nicht vergessen: Immer schön das Gärtchen abstecken, gelle .. sonst verirren sich noch die Sünder zu den Rechtgläubigen.

Und das wollen wir ja nicht. Oder?!

Freitag, 24. Mai 2013

Leben (mit dem) Tod

Leben die Toten von den Lebenden?
Kurz flog mir dieser Satz durch den Kopf, der etwas seltsam anmuten mag. Ich kann das Ganze noch nicht ganz fassen, es ist mehr ein Brainstorming, das ich aus einem inneren Bedürfnis heraus festhalten möchte. Es sind eher Samhain-Gedanken, Allerseelennotizen – doch das Wetter ist auch danach!

  • Die Verstorbenen leben durch unsere Erinnerung weiter. Wir halten sie gewissermassen lebendig. Manchmal auch in etwas schauriger Weise;
  • Manche Hinterbliebenen können nicht loslassen, wagen das eigene Leben nicht (mehr) – und bauen aus den Erinnerungen gewissermassen Luftschlösser in denen sie dann leben. Ich kann es verstehen, für mich ist es nicht der richtige Weg. Aber ich weiss nicht, was wäre, würde ich eine ganz grosse Liebe verlieren. Wobei, verliert sich Liebe überhaupt?!
  • Sterbende, alte und kranke Menschen können durchaus "zehren", dies meine ich nicht wertend. Ich habe es schon zweimal erlebt, dass mich jemand während seines Sterbens fast mitnahm, obwohl ich nicht körperlich anwesend war. Und ich habe erlebt, wie fordernd es ist, jemanden zu betreuen der hochbetagt ist, wenn ich auch nur die Gesellschafterin und Gärtnerin war
  • Memento mori. Den Toten gedenken – aber auch der eigenen Sterblichkeit. Thema vieler alter Stillleben. Vanitas. Alles ist eitel und vergänglich. Füllhörner neben Aas. Granatäpfel und Motten. Kleine Denk.Mäler. Das ist aus der Mode gekommen. Vor allem das mit der Sterblichkeit … Ich denke selber auch nicht besonders gerne daran, beobachte das Älterwerden, vorallem meines Körpers, mit Skepsis. Bin wohl in dieser Angelegenheit doch ein Kind meiner Zeit …
  • Ich glaube nicht, dass Selbstmord der "schlechtere Tod" ist und "weiteres Leiden nach dem Tod" nach sich zieht, wie manche behaupten. Ich glaube an den freien Willen. Auch wenn ich erfahren habe, wie bitter es schmeckt, trauernd, mit leeren Händen und vielen Fragen zurückzubleiben.
  • Ich glaube, man kann Streit und Schwieriges auch noch nach dem Tod eines Menschen mit diesem klären und ausdiskutieren, ich glaube dazu braucht es nur die Bereitschaft, sich diesem Weg und der Seele des anderen zu öffnen
  • es ist noch einiges Weitere in mir, für das ich gerade noch keine Bilder finde, bin auch langsam etwas müde … und meine Frage aus dem Titel kann ich auch nicht beantworten, …
In manchen Kulturen darf der Name des Verstorbenen niemals wieder erwähnt werden. Fort ist fort! Doch ich glaube es gibt mehr Kulturen, in denen die Erinnerung und sogar die Verehrung der Ahnen gelebt wird: Einige Kulturen pflegen die Tradition, die Toten ganz nahe zu behalten, aufzubahren, einzubalsamieren oder im Lehmboden unter der Hütte zu vergraben (wenn ich mich recht erinnere ) … Andernorts werden Ahnenschreine betreut und das Andenken an die Verstorbenen wird so bewahrt. So gehört bei einem Teil meiner Verwandtschaft (im Schwäbischen) der Gang auf den Friedhof – Giessen, Gärtnern, Gedenken – zum alltäglichen Leben.

Ich pflege eine Mischung aus alle dem, betreibe aber keinerlei regelmässigen Kult. Meine eigenen lieben Toten bewahre ich in der Erinnerung, zünde ab und zu eine Kerze an, wenn mir danach ist. Ich brauche keinen Friedhof, um ihnen nage zu sein. Ich sinniere auch über weniger geschätzte verstorbene Menschen nach, versuche zu erahnen, welches wohl ihr Lebensmotto war, warum sie wurden wer sie waren. Allgemein fühle ich mich der Seele eines verstorbenen Menschen an seinem Lebens- und Wirkungsort nahe – oder bei einer Tätigkeit, die Erinnerungen auslöst, gemeinsam Erlebtes widerspiegelt. Ein Lied, ein Satz …eine Blume – vieles verbindet sich zu etwas Gemeinsamem.

Allgemein widerstrebt es mir, meine Meinung starr zu halten oder mich selbst an einem Ritual oder einem bestimmten Glauben festzumachen – und das betrifft auch den Tod und die Toten. Beschäftigen tut es mich immer wieder, vorallem wenn ich an den Selbstmord meines Bruders denke. Die Erinnerung verblasst nach und nach, die Fragen sind nach wie vor da. Doch ich lebe damit, es gehört zu meinem Kosmos, hat seinen Platz dort. Warum auch immer. Manche Fragen mag ich nicht mehr stellen, weil ich gar keine Antwort (mehr) haben möchte.

Memento mori. Gedenken.
Carpe diem. Das Leben auskosten.