Posts mit dem Label geduld werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label geduld werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 14. April 2011

Schmerzensmutter und Wilde Kraft

Gestern tat es mir wieder in Herz und Seele weh, als ich beim Zugfahren all diese verschnittenen Bäume und Sträucher sah. Da gibt es Bäume die es schlicht nicht mehr schaffen Blätter auszutreiben, verkrüppelt wie sie sind.

Ich starre in die die leergeräumten Landschaft in monotonem Weizengrasgrün oder wahlweise auch auf rostrote totgespritze Felder die so aussehen, als wäre eine Ladung Agent Orange niedergegangen. Was geht da ab?

Ich hadere mit den Menschen, ich hadere und grolle. Mich schmerzt dieser Anblick. Und plötzlich höre ich eine liebevoll amüsierte, weibliche Stimme die meint "Ich bin gnädig!". Ich spüre Grösse, Nachsicht, Geduld. Eine warme Welle Mitgefühl die mir zufliesst und die von mir wieder zurückfliesst. Die Natur antwortet mir. Mein Schmerz verfliegt.

Dienstag, 25. Januar 2011

Wachstumsschmerz

Ich lerne es täglich, lerne es unter Schmerzen, denen ich dankbar bin: Geduld ist alles!

So erlebte Rilke es – und ich kann nachfühlen. Die letzten Tage kam mir dieses Zitat in den Sinn. Das Buch steht schon länger auf meiner "Noch zu Lesen"-Liste. Hier der Text im weiteren Zusammenhang, wenn auch immer noch als Ausschnitt:

"… nicht rechnen und zählen; reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht
drängt und getrost in den Stürmen des Frühlings steht ohne die Angst, daß dahinter kein Sommer kommen könnte. Er kommt doch. Aber er kommt nur zu den Geduldigen, die da sind, als ob die Ewigkeit vor ihnen läge, so sorglos still und weit. Ich lerne es täglich, lerne es unter Schmerzen, denen ich dankbar bin: Geduld ist alles!"


aus Rainer Maria Rilke: Briefe an einen jungen Dichter
Leipzig 1929, Insel Verlag

Mir geht es nicht ums Verherrlichen von Schmerz oder Leid. Ich erlebe es so: Manchmal, wenn ich daran bin, aus etwas Altem, Überlebtem auszubrechen, geht das mit Schmerzen einher, seelischer Art. Die Freiheit ist auch Unsicherheit, die Hülle dient nicht mehr dem Schutz drückt und engt ein. Das Vertraute ist ausgeleiert und abgeschossen, aber bequem und warm. Ein mühsamer Zustand ist das. Die Ungeduld drängt mich, die Neugier zieht mich voran. Halb falle ich vorwärts, halb ziehts mich ins Gestern zurück. Es tut weh und doch freue ich mich. Zyklen lassen sich nicht beschleunigen, die brauchen einfach ihre Zeit.