Meine Blogroll

Sonntag, 23. Juli 2017

Rauskommen, zu Fuss gehen -- und vieles sehen ... (Wochenende)

Bewegung ... das ist das Thema meiner Wochenenden. Raus und einfach nur Gehen, stundenlang.

Immer wieder anderes sehen, neue Wege entdecken, einfach draussen sein.
Draussentage, die die Bürotage ausgleichen.

Wo führt der Feldweg hin, den man dort am Ende des Industriegebiets sehen kann? Meinst du, da geht es weiter? Komm, wir schauen mal! 

Siehst du die 5 Graureiher dort drüben?

Schau mal diese Kühe, solche habe ich noch nie gesehen! Sehen sehr urchig aus ... 
(Es waren Aubrac).

Es ist schön, die Neugierde und die Freude an der Natur ... und am Gehen und Schauen zu teilen.

Wir kommen an Orte, die nicht offiziell als "schön" und "sehenswert" bekannt sind. Darum haben wir viel Raum für uns. Vor allem ich --> brauche das.

Sehenswertes finden wir zwei immer. Wir finden immer was Schönes. An Stellen wo niemand mit dem Auto hinfahren würde, weils dort nix zu sehen gibt. Wir entdecken im Schritttempo diese Welt für uns.

Irgendwo nehmen wir dann einen Kaffee oder essen was Kleines. Mit Zug oder Bus fahren wir dann wieder heim.

Erfüllt, ausgeglichen und zufrieden.


Zum Eigenen finden (Gedanken dazu)

Was will ich in meinem Leben haben? Da habe ich noch einige Fragezeichen.

Denn ich weiss mehr darüber, was ich NICHT will. Etwas ablehnen, das kann ich.
FÜR etwas zu sein, ist finde ich weitaus anspruchsvoller und auch ungewohnter ...

Es ist einfacher, alles hinzuschmeissen und mit was/wem anderem oder woanders vorne anzufangen, oder immer einen Kontrakurs zu fahren, als bei mir selber anzufangen und eingefahrene bestehende Strukturen zu verändern.

Alles. Und. Das. JETZT! Ob es um Freundschaften und Beziehungen geht, um Arbeit, Freizeit, Urlaub oder etwas anderes. Heute herrscht so eine Instant-Kultur. Dem mag ich mich nicht anschliessen. Lebensgewohnheiten zu verändern, Wünsche zu realisieren, zum Eigenen zu finden, das braucht nach meiner Erfahrung: Kraft, Konsequenz, Mut und Zeeeeeeeeit. Das ist nicht "instant" lösbar. Somit brauche ich auch einiges an Geduld. Da muss ich mich auch immer wieder an der Nase nehmen ... 

Mein Leben darf inzwischen als GANZES wachsen. Dafür habe ich mich vor 14 Jahren entschieden. Danach wurde ich ziemlich durchgerüttelt, aber ich habe auch vieles endlich sortieren können. 

Ich habe mir geschworen, dass ich nie niemals zu den Menschen gehören werde, die für unerfüllte Lebenswünsche immer jemanden anderes verantwortlich machen. Da habe ich mehrere sehr abschreckende Beispiele erlebt, wie das dann ausschaut. «Ich konnte nicht, weil XYZ ...». «Mein Mann/meine Eltern/die Gesellschaft ist schuld ...».

Und dann immer diese Bitterkeit, dieser Groll und diese Verzweiflung dahinter. Und natürlich die Selbstgerechtigkeit, weil ja immer andere Schuld sind, nie man selber. Die ganze vorhandene Energie wird ins Negative und in den Widerstand gelenkt.

Was kann ich selber für mich tun? Im Rahmen meiner Kräfte? Welche Grenzen sind in meinem Kopf und welches sind die Grenzen, die ich (zumindest in diesem Moment) respektieren muss?



Meine Erkenntnis heute: Ich will keine Flucht- und Suchstrukturen mehr. Danach hatte ich noch jedes Mal den Blues -- und reichlich Trümmer zum Aufräumen.

Alte Träume vom Aussteigerleben kommen hoch, vom unkonventionellen, freien Leben. Diese Vision hatte ich schon als Kind. Am wohlsten fühlte ich mich, wenn ich ohne Struktur und nach meinen eigenen Regeln leben konnte. Am liebsten schnappte ich mir einen Hund und zog in der Natur herum, stundenlang. Dieses Gefühl von Freiheit und Verbindung mit der Natur hat sich mir eingepägt und ich sehne mich danach. Aus dem Leben einer Taugenichts ;)

Mir geht es so, dass ich gerade schneller wachse, als ich mein Leben umstellen kann. Da ist ein Druck vorhanden, weil der nötige Raum in meinem Leben gerade noch nicht da ist. Mir die Vision zur Umsetzung fehlt. Neues tut sich auf, behutsam. Weil ich mich mental auf die Veränderung einstelle. Dazu stehe, dass sich meine Bedürfnisse verändern.



Es gibt für mich in jedem Moment die Möglichkeit, mich für das eigene Leben zu entscheiden und den eigenen Weg. Ja, zu sagen zu dem, was sowieso da ist.

Wie das konkret aussehen mag, ist eher zweitrangig. Wünsche können überprüft, umgebaut und neu ausgerichtet werden. Schrittweise ausprobieren was geht, das kann man. Und daran glaube ich.

Manchmal ist man nur zu verbohrt, weil man den Eindruck hat, dass es genau auf diese oder jene Weise gehen muss! So verbohrt, dass man andere Möglichkeiten für sich ausschliesst und übersieht.


Es ist möglich. Wenn ich diesen Gedanken denke, komme ich weiter.


Montag, 17. Juli 2017

Fund einer Arche-Noah

Der stumme Sommer
Letztens ist mir aufgefallen, wie wenig Insekten diesen Sommer unterwegs sind. Erschreckend wenige. Es ist wenig Gesumme zu hören. Vereinzelt sehe ich Bienen, aber nie viele. Wildbienen besuchen meine Blumenkisten, aber auch nur ab und an. Schmetterlinge sind auch kaum zu sehen. Nur die Ameisen scheinen unermüdlich zu sein. Es fühlt sich an wie eine zunehmende Leere. Das beschäftigt mich.

Zweckoptiierte Natur
Genauso wie Menschen die in ihren Hobbygärten Gifte und komische Mittelchen einsetzen, ich kann es nicht verstehen, denn es gibt keine wirtschaftliche Notwendigkeit dafür. Ist es denn wirklich so schlimm, wenn die Rosen Mehltau bekommen oder Läuse? Die zweckoptimierten Landwirtschaftswiesen in Neutralgrün ringsrum meinen Wohnort sind eher trist anzuschauen.

Erster Gedanke: Da müsste man mal jäten!


Arche Noah
Die Natur scheint generell dieses Jahr einfach nicht ihre ganze Vielfalt und Kraft entfalten zu können. Das ist für mich spürbar. Sobald ich etwas abseits bin von Strassen und Landwirtschaftszonen, sieht es bei den Insekten etwas anders aus. Die Vielfalt nimmt zu. Vorgestern sind wir zu einem Aussichtspunkt an der Autobahn gelaufen. Mir war danach, mäglichst weng Menschen zu sehen. Ein gibt da ein kleines Wäldchen zwischen Schienen und Strassen. Dort hatte es dann erstaunlich viele Insekten, was mich freute.

Bei einer Unterführung dachte ich noch, Mensch, da müsste man auch mal wieder Jäten! In den Betonelementen wuchsen Disteln, Brennesseln, Ahornbäumchen und viel anderes. 

Gut getarnte Krabbenspinne lauert auf Beute ...

Grüner Hüpfer
Jede Menge Disteln und Hmmeln
und ein kleiner Rüsselkäfer (?)
Brennsesseln sind eine gute Kinderstube für viele Insekten,
auch Schmetterlinge, hier Wanzennachwuchs
 

Auf 10 Meter Strecke habe ich mehr Insekten gesehen als auf dem ganzen Weg davor. Genau in diesem Niemandsland in der Nähe der Eisenbahnschienen, an einem völlig unscheinbaren Ort, blüht das Leben. Solange es solche Nischen gibt, gebe ich die Hoffung nicht auf.

Farbtupfer: Feuerwanze
Eine kleine Kreuzspinne
Ein völig unscheinbarer Ort!
Voller Leben ...
 

Sonntag, 16. Juli 2017

Angekommen (das Ende der grossen Sehnsucht)

Sehnsucht als zweite Natur 

Stets habe ich mich nach irgendwas und irgendwem verzehrt und mich so sehr gesehnt. War alle naselang unglücklich, weil natürlich unerwidert, verliebt. Meine stete Begleiterin, meine bittersüsse beste Freudin war die Sehnsucht. Romantische sehnsuchtsvolle Gedichte? Her damit! Der Mann, den es zu retten gilt? Her damit!

Wenn aber jemand MICH meinte, mit mir zusammensein wollte, schreckte mich das eher, denn Nähe war nichts, was ich gut zulassen konnte. Sex, das ging. Aber echte Nähe, die musste ich tatsächlich erst trainieren. Da war immer ein Machtgefälle, das ich nicht überwinden konnte. Entweder musste ich mich aufgeben oder der andere. Etwa in der Art. Bis ich merkte, dass man das bei den passenden Menschen gar nicht muss.

Ich bin so lange durch meine Trauer gewatet und durch meine Wut marschiert, bis ich nach und nach viele Mosaiksteinen gefunden habe und mich selber wieder zusammengesetzt hatte. Schlussendlich hatte ich vor allem nach einem bestimmten Menschen gesucht, nach dem einen wahren:  
Mir selbst. 

Ich habe jetzt ein Bild von mir, dass sich echt und natürlich anfühlt und bei dem ich nicht erschrecke, wenn ich hinsehe. Ich sehe Brüche und Schatten in mir, doch ich kenne sie genau und daher schrecken mich nicht mehr so. Die Schuld ist weg und die Scham. An beidem bin ich fast kaputt gegangen. Immer war da dieses Gefühl, falsch zu sein, irgendwie daneben und auf keinen Fall in Ordnung und auch nicht liebenswert. 

Innerhalb des letzten Jahres konnte ich hier Frieden schliessen. Indem ich mich besser um mich kümmerte und den Stimmen aus dem Schatten weniger Glauben schenkte. Dem Gezische und Geraune in mir weniger Glauben schenkte -- und mir genug Erholungsphasen. Zwischendurch gehts wieder etwas holpriger, aber meistens ist es jetzt viel besser als früher.

Es ist wie im Märchen: Während der Prüfung heisst es entweder "schau nicht zurück" oder "schau genau hin". Meine Seele führt mich und ich lasse mich von ihr führen. Ich betrachte meine Brüche und Schatten solange und mit so viel Liebe und Geduld, bis es mir wieder besser geht. Das gelingt mir mehr und mehr.

Endlich hab ich dich gefunden!


Mir ist kürzlich das Lied von den Toten Hosen eingefallen: Alles was zählt. Natürlich ist es ein Liebeslied. Für mich ergibt sich heute daraus ein ganz anderer Zusammenhang. Ich höre das Lied und mir wird klar, es beschreibt meinen Weg, wie ich mich selber gefunden habe und was es dafür gebraucht hat. Und dass ich mich jetzt nicht mehr von diesem Menschen trennen mag. Plötzlich habe ich Tränen in den Augen. Ich bin jetzt bei mir. Ich spüre diese Sehnsucht nur noch selten. Viele Lieder, die sich darum drehen, Liebe, Sehnsucht kann ich jetzt nix mehr damit anfangen. Es ist ein seltsames Gefühl, weil ich es nicht gewöhnt bin.

Da ist noch ein kleines Stück Sehnsucht in mir geblieben. Wenn ich mein Leben anschaue, dann ist es noch nicht ganz komplett und es ist mir klar, das noch ein paar Details fehlen. Doch die grosse allesverzehrende Sehnsucht, die ist gegangen.

Ich habe alles, was ich brauche. Daran halte ich mich. 

Ich muss nicht verzweifeln, wenn noch einiges fehlt, denn das ganz normale Leben ist meistens Stückwerk, bei den meisten Menschen.

Samstag, 15. Juli 2017

Politik und mein eigenes Leben

Was in der Welt geschieht, beschäftigt mich. Auch wenn ich kein informierter Mensch bin. Mich nerven rechte und linke Parolen gleichermassen. Von politischem Aktionismus fühle ich mich oft abgestossen. Partei-Grabenkämpfe lösen bei mir nur einen Gähnreflex aus. Sachpolitik finde ich interessanter -- und Wirtschaftsthemen sogar sehr hochspannend. 

So bekomme ich doch das eine oder andere mit. zB Block G20. Ich selber war noch nie an irgend einer Versammlung oder Demo. Weil das nicht zu mir passt, weil es für mich nicht stimmt. Weil Menschenmengen mir Angst machen. Weil ich gar nicht wüsste, wo genau ich mich einreihen soll. Weder von der politischen noch von der thematischen Agenda her. In einer Welt in der sich die Extreme (Politik, Ressourcenverteilung, Klima) sich immer stärker entwickeln, frage ich mich, ob das noch stimmig ist.

Müsste ich mich nun nicht einordnen, Farbe bekennen? Wo? Wie?

Wobei vieles für mich auch nicht transparent ist. Oft sitze ich beispielsweise ratlos vor meinen Abstimmungs- und Wahlunterlagen, was in der Schweiz ja das öfteren an der Reihe ist. Wer will mir was auf welche Art verkaufen und was steckt wirklich dahinter? Ich weiss es oft nicht genau. Kann mich nur auf die vorhandenen Informationen stützen.

Ich muss von gewissen Annahmen ausgehen und mich dann entscheiden. Bei vielem ist das so. Ob es nun um Politik geht oder um etwas anderes.

Was mir sauer aufstösst ist, wenn nur noch über "die" geredet wird, denn da wirds meistens kritisch, denn ab da wird gnadenlos heruntergekürzt.

Die PolitikerInnen, die AktivistInnen, die SozialschmarotzerInnen, die Bosse, die AusländerInnen, die Rechten, die Linken, die Behörden. Danach kommen gleich die Kampfansagen und Parolen und darauffolgend wird Stellung bezogen und gekämpft. Egal worum es geht, Hauptsache es gibt ein fixes Bild.

Die Wut und Verunsicherung vieler Menschen kann ich allerdings verstehen. Die Welt scheint komplett aus den Fugen geraten zu sein. Wir leben in einem seltsamen System, in dem wir viele Freiheiten haben und das sich trotzdem wie permanente Fremdbestimmung anfühlt. So geht es mir jedenfalls.

Die Arbeit ist nicht unbedingt mehr sinnstiftend, sondern ein abstrakter Vorgang geworden an dessen Ende der Lohn steht. Das ist wohl das, was man Digitalisierung nennt: alles wird virtueller. Das ganze Leben. Die Emotionen sind trotzdem noch da. Auch die Gefühle, Hoffnungen.

Die Wut und Verunsicherung vieler Menschen wird realer. Schent mir. Doch wogegen protestieren? Achja: Gegen die da oben!

Dass wir alle Teil des Systems sind, geht dann vergessen. Weil endlich der Kanal und das Feindbild geschaffen wurde, in den der ganze Frust fliessen kann. Auflehnung gegen die Autorität.

Dass durch die jüngsten Vorfälle in Hamburg nun politische Rechte und die Meinungsfreiheit eingeschränkt werden könnten, Journalisten auf Watchlists der Behörden stehen etc. das gibt mir zu denken.

Ich bin kein Mensch, der sich dermassen weit aus dem Fenster lehnen würde, aber ich bewundere dennoch diejenigen, die es tun. Jene die sich für eine bessere Welt einsetzen. Weil ich das wichtig finde: Hinschauen und Aussprechen was es ist. Wenn es mehr ist, als nur Hass zu verbreiten, dann ist das wichtig.

Und manche schauen professionell hin und exponieren sich dadurch, zB eben auch JournalistInnen und PolitikerInnen. Nicht alle gehören einem extremen Lager an. Doch wer nicht laut ist, wird im globalen Tollhaus scheinbar nicht gehört. Das ist eine einfach Gleichung. Nur die Extreme gelangen auf Seite 1 und machen die Schlagzeilen. Schlagzeilen die wiederum den Hass schüren.

Mein Land ist im Ranking der Pressefreiheit recht weit vorne, weiter vorne als Deutschland. Trotzdem; wie weit würde ich gehen? Wo stehe ich selber? Wozu äussere ich mich und wie?

Ich lehne die Anwendung von Gewalt ab. Für mich ist dies einfach kein Mittel solange es noch andere Wege gibt. Besonders mutig bin ich nicht. Aber ich will mich frei äussern. Ich fühle mich manchmal ratlos angeischts der Geschehnisse in der Welt, muss das auch so benennen -- und ich kann nur meinem eigenen Gewissen folgen.

Ich glaube, dass diejenigen Menschen die laut Parolen brüllen und diejenigen, die durch ihr eigenes Leben und Handeln wirklich zur einer globalen Veränderung beitragen, nicht unbedingt die selben sind. 

Wie will ich selber handeln?
Bin ich selber bereit, mein Leben unter die Lupe zu nehmen?

Wozu schweige ich und wann mache ich den Mund auf? 

Nur noch kurz die Welt retten -- geht nicht. Denn die Welt zu retten, das geht auf jeden Fall nicht schnell und einfach ... Und Hass führt nur zu neuem Hass. 

Sind diejenigen, die in der westlichen Welt nach Umverteilung der Güter und anderem mehr schreien, bereit auf eigene Annehmlichkeiten zu verzichten oder tuns sies nur, weil es gerade chic ist, empört zu sein und irgendwo "gegen" zu sein? 

Diese Betroffenheitskultur mag zwar sinnstiftend sein, ist sie auch zielführend, dient sie denjenigen um die es geht wirklich? Nützt Globalisierungskritik den Opfern der Globalisierung?

Wer steht zu Kompromissen und den eigenen Grauzonen im eigenen bewussten Handeln?
Wer kann Schwächen und gemachte Fehler öffentlich zugeben?

Auf dem Teppich bleiben ... und menschlich veträglich.




P.S.
Ich merke, wie unfertig das ist, was ich schrieb. Trotzdem lasse ich es genau so stehen. Notizen von unterwegs sind immer Fragmente, laut Gedachtes, Momentaufnahmen aus meiner Welt und aus meiner Weltsicht. Ich glaube daran, dass die Welt nur aus dem Subjektiven heraus zum Besseren verändert werden kann. Aus persönlichem Engagement heraus, aus wahrgenommener Selbstverantwortung. Auch dadurch, dass man andere gelten lässt und sie nicht niederschreit. Es gibt zu viel Geschrei, auch digitales.





Klarheit, Bedürfnisse und das gewisse MEHR im Leben

Bewusst eigensinnig
Es passt mir einfach manches nicht mehr. Was ich vorher nur diffus als unangenehm oder unpassend wahrnahm, so als Info nebenbei, wird jetzt ganz KLAR fühlbar und sichtbar für mich. Mit der neuen Klarheit kann ich mich besser entscheiden: WILL ich dieses oder jenes in meinem Leben haben?

Weil ich mich besser und deutlicher wahrnehmen kann, wird das Leben leichter, fordert aber auch zur Konsequenz auf. 

Es kann sein, dass wenn eine sich entwickelt, sie etepete wird. Oder besser; nach aussen so WIRKT. Entschiedener auf jeden Fall und selbstsicherer -- und damit manchmal unbequemer für andere. Die Spreu scheidet sich vom Weizen, auch im zwischenmenschlichen Bereich. Darauf, dass ich nicht komplett zum Einsiedlerkrebs werde, achte ich. Manchmal bin ich im Alltag einfach zu ausgelastet um auf andere Menschen richtig eingehen zu können. Das ist mir sehr bewusst. Ich bin ein eher egozentrischer Mensch. Zu sehr spielen manchmal eigene Bedürfnisse die Hauptrolle. Da ich mir klar darüber bin, arbeite ich daran, zwischendurch innerlich ruhiger zu werden, damit ich auch mein Gegenüber besser wahrnehmen kann. Ich selber zähle und darum will ich auch den anderen zählen lassen. Daran arbeite ich. Noch ruhiger zu werden im sozialen Kontakt.

Raus aus der Entweder-oder-Falle
Menschen in Gruppen waren auch noch nie mein Ding. Zwar kann ich jetzt auch in Gruppen besser bei mir bleiben, aber anstrengend finde ich es nach wie vor. Zu viel Impulse, zu laut! Ich behalte mir vor, zB bei einer Feier früher heimzugehen als alle anderen. Weil bei mir bereits früher GENUG ist als bei anderen. Nicht alle verstehen das. Aber ich argumentiere bei Fragen nicht mehr lange rum oder fühle mich schuldig, sondern sage recht deutlich und bestimmt, dass es für mich so stimmt. Die Scham ist weg. Und ich bin aus der Entweder-Oder-Falle raus: Entweder ich oder die anderen. Beides hat Platz. Ich kann in Gesellschaft sein -- und ich kann meine Ruhe haben. Nicht gleichzeitig, aber nacheinander ;)

Ich will MEEHR!
Je besser es mir geht, desto klarer wird mir auch, dass ich noch tiefe Sehnsüchte in mir habe, denen ich nachgehen muss. Ich habe sie tief genug vergraben, um nur gelegentlich von ihnen gestört zu werden. Auf Dauer geht das natürlich nicht. Ich habe mir an der Umsetzung meiner Träume mehrere Male komplett die Pfoten verbrannt,  und daher bin ich vorsichtig geworden. Das hat mich Resignieren lassen. Ich habe zuviel Energie reingesteckt. Mir wird nun nach und nach bewusst, woran ich gescheitert bin, ich will mich dem stellen. Darüber schreiben will ich gerade nicht.

Sehnsüchtig -- und doch selbstfürsorglich sein
Eines wurde mir dabei klar: Wenn ich aus reiner Bedürftigkeit heraus handle, ist die Gefahr grösser, in die Falle zu gehen. Je brennender eine Sehnsucht ist, desto mehr bin ich bereit, über meine Grenzen zu gehen. Doch je mehr ich mich kennenlerne, desto besser kann ich auch meine Beweggründe verstehen. Wenn etwas brennt, kann man es auch mal so lange brennen lassen, bis der Kopf wieder klarer ist. Ganz ohne Verstand kann und will ich nicht leben.

Beides, Kopf und Herz in Einklang zu bringen, scheint mir ein gangbarer Weg um zu diesem MEHR im Leben zu kommen!

Montag, 10. Juli 2017

Schutz und Grenzen sind ok

Ich darf mich schützen, das wird mir zunehmend bewusst. Es ist ok, gewissen Menschen und Situationen aus dem Weg zu gehen. Vor allem wenn ich mich gerade unsicher fühle. Das hat mit Feigheit und Schwäche nichts zu tun. Ich darf auch Termine absagen oder verschieben. Und wenn es jemand anderem nicht gut geht, heisst das nicht, dass ich verantwortlich wäre. Grenzen zu setzen ist ok und gesund.