Freitag, 13. Oktober 2023

Get up, stand up ... [yes, Bob!]

Die Welt brennt an so vielen Stellen auf einmal. News habe ich ganz abgestellt. Mitbekommen tue ich trotzdem vieles. Doch die geballte Masse von Leid und die Bilder dazu ist nicht zu ertragen. Es lähmt mich. Lähmung vor Betroffenheit bringt mir nichts. Und ich will aktiv werden.

Es ist Zeit, den Mund aufzumachen, zu Handeln und zu Wählen. Was kann ich tun? Und wo? Was ist mir wichtig? Auch wenn es Tropfen auf den heissen Stein sind. Nichts tun geht gar nicht mehr.

Die anstehende nationalen Wahlen hier in der Schweiz beschäftigen mich. Weil ich nicht informiert bin und weder linken noch rechten Parolen traue. Werde mich noch schlau machen. Eher links orientiert bin ich. Mit gesunder Skepsis. Weil ich glaube, dass die Durchmischung mit verschiedenen Parteien in der Regierung wichtig ist.

Doch wenn ich kapiere, dass manche Mittigen oder rechts der Mitte wirklich den Sozialstaat als Steinbruch behandeln (obligatorische Krankenversicherung abschaffen) und auch gegen Mindestlöhne sind, weil ein Mindestlohn ja nicht wirklich die richtige Antwort auf Armut sei, dann kommt die Wut hoch. Dann kann es mir nicht gleichgültig sein.

Es gibt Parteien, die für mich schlicht nicht mehr wählbar sind. Als Einzelperson mag ich vielleicht jemanden wählen, aber nicht die ganze Partei. Alles sehr christliche oder extrem linke oder extrem rechte, sowie alle Hetzer, das ist für mich nicht wählbar. Beim allgemeinen Rechtsdrall, europäisch betracht, wird meine Wahl links ausfallen.

Der unvergessliche Berner Liedermacher Mani Matter hats 1970 schon in 50 Sekunden zusammengefasst: 

Sonntag, 24. September 2023

Ein neuer Tag, die Reise geht weiter

Ich war in Versuchung, den gestrigen Blogpost zu löschen. Zu negativ, zu viel Vergangenheit. Werde ihn dennoch stehen lassen. Weil er relevant ist. Das ist einer der Pole, die in meinem Leben immer wieder auftauchen, wenn ich in Not und oder erschöpft bin. Und Packen und mich Zuhause abnabeln ist immer auch so eine Sache ...

Heute morgen fühle ich mich zwar immer noch erschöpft, aber ich habe wieder neue Perspektiven. Es ist fast alles Wichtige getan. Die Reise, die ansteht, führt mich nach Osten, da wo es mich schon so lange hin zieht. Wir fahren erst ins Tessin, dann kommen Italien, Slowenien und dann gehts nach Kroatien und damit erfüllt sich ein Wunsch, ein erstes Mal auf den Balkan. Als Kind bin ich über die an die Schweiz angrenzenden Staaten nicht hinaus gekommen (ausser DDR) und nun erweitert sich meine Welt. 

Meine Welt zu erweitern, das strebe ich auch sonst in meinem Leben an...

Samstag, 23. September 2023

Nüchtern bleiben | Bodensatz | Leben

Zum Titel "Nüchtern bleiben" kam ich heute morgen beim Entsorgen meiner Antidepressiva, die ich nun schon länger nicht mehr nehme. Ich gehe schon länger durch eine sehr schwierige, tiefgehende Zeit in meinem Leben. Der Griff zur Linderung und leichten Betäubung wäre verlockend. Die Depression begegnet mir immer wieder, doch dahinter verbirgt sich Überforderung, Erschöpfung und Angst. Der Ansatz "Medikamente" ist gerade nicht meine Wahl. Daher: Nüchtern,.

Die Selbstständigkeit, die Suche nach meinem Weg, meine Beziehung und Freundschaften, die frühen Wechseljahre. Ich erlebe überall Grenzzustände und Herausforderungen und ich kann mich nicht mehr hinter meiner alten Identität verstecken, diese ist viel zu klein geworden,

Ich bin in Versuchung, wieder abzutauchen, einfach mich mit etwas ablenken. Aber ich will es anders versuchen. Ich habe es mir CBD-Tropfen probiert, aber die machen mich passiv und belämmert. Als wäre ich am Dahindriften. Ins Handeln zu kommen, da helfen sie mir nicht. Alkohol vertrage ich schlecht und das ist auch ein zu schmaler Grat. So trinke ich halt Tee .. starte mit Meditation und dem Ändern dessen, WIE ich meine Herausforderungen bewältige.

Das "Wegmachen" von unerwünschten Gefühlen ist so naheliegend. Es ist tiefggehend echt, was gerade passiert. Ich habe Zugang zu Erinnerungen, die ich lange verdrängt habe. Da sind auch Schmerzen, die endlich mal in Gänze erkannt werden wollen. Die Verlassenheit und Einsamkeit, die ich über Jahre als Teil meiner Existenz kannte, wurde zu so einer existenzbedrohend starken Empfindung und Angst, dass ich verstand, dass dies ein transgenerationales Thema (Trauma) sein könnte. Eine frühkindliche, existenzbedrohende Erfahrung, die ich mehrfach zuordnen kann in meiner Familie. Aufgerüttelt durch die Instabilität und meine wachsene Stärke: Da kommt Bewusstsein in meine Existenz. Und ich empfinde Dankbarkeit. Mitten im Bodensatz meines Lebens erkenne ich, was drückt.

Das zweite ist: Falsch sein, das Alien sein, nicht erkannt werden, Abgelehnt werden und sogar Angegriffen werden fürs eigene Sein und dadurch auch wieder Angst, Stress und Einsamkeit. Zudem Unverständnis, Überforderung und ungesunde Rollenverschiebungen in der Familie. Mir half das Hörbuch "Tragisch aber Geil 2.0" von Barbie Breakout, weil das Fremdsein und "falsch sein" und die Suche nach dem eigenen Selbst da wesentlicher Teil der Lebensgeschichte ist (Autobiographie als Buch oder Hörbuch). Ich habe noch nie eine solch gleichermassen ungeschönte, reflektierte, tragische und zugleich bunte, herzergreifende, ermutigende Autobiografie gelesen oder gehört wie diese. Grosse Empfehlung.

Wer bin ich?

Warum ist es so schwierig, einfach zu sein? Wie kann ich SEIN?

Was will ich in dieser Welt für mich?

Wie stelle ich das an?

Die ganz grosse Waschküche ist das bei mir. Und eine riesige Chance, solange ich nicht im Selbstmitleid, in der Depression, im Groll und im mich Vergraben und Mauern feststecke. Es bewegt sich viel. Meinen Fokus bestimmte ich selbst. Wie kann ich anders leben, besser zu mir sein?

Mir kam auch Glennon Doyle in den Sinn, die in ihrem Buch "Ungezähmt" genau so eine Zeit beschreibt. Bei ihr war es eine Essstörung und andere Selbstbestrafung aus denen sie den Ausweg fand. Sie hat ihr Leben komplett geändert. Und ich habe mein Leben komplett umgestellt. Da sind Parallelen. Glennon Doyle schreibt auch, dass dieser Weg nicht einfach Friede Freude Eierkuchen ist, auch wenn man Süchten entkommt: Der Weg bleibt ein Weg. Und die Gefahr eines Rückfalls in alte Muster bleibt.

Bei mir sind es alte Wunden die weh tun, die geweckt werden und daraus entstandene destruktive Muster mit denen ich früher zurechtkam. Ich komme damit nicht mehr zurecht! Diese Muster schränken mich sehr stark ein und es wird mir immer enger darin. Momentan bin ich froh, wenn ich den Tag durchstehe mit dem was ich mir vornehme. 

Mich wohlzufühlen, das ist noch eine andere Sache. Ich lebe schon so lange mit bewertenden Gedanken (in denen ich mich abwerte) und gleichzeitig ist da dieser ständige Hunger nach Gesehenwerden und Anerkanntwerden. Wenn ich dieses Geschätztwerden und den Respekt bekomme, kann ich das dann nicht annehmen. Als würde mir da etwas fehlen um dies zu "verstoffwechseln"!  Aka Imposter-Syndrom ...

Der Freude folgen: Das ist der Weg. Es leichter werden zu lassen. Da brauche ich noch Übung! Ich bin so viel besser darin, es mir schwerer zu machen... und das kann ich so nicht stehen lassen. Er-Leichterung, Er-Mutigung und Be-Geisterung ziehen mich mehr an. Es mangelt einfach an Vertrauen und an Ruhe. Jetzt 2 Wochen Urlaub im Süden. Mal sehen, was in der Zeit geht... 



Donnerstag, 3. August 2023

Grenzen - verschiedene ..

Das meine zu finden, zwischen Sachzwängen, eigenen Glaubenssätzen, Erziehung und gesellschaftlichen Erwartungen und sozialer Kontrolle oder Druck (soweit ich mich diesen stellen will) bleibt eine Herausforderung. Doch ich finde es lehrreich. 

Gerade eben hatte ich Lust, in den Krieg zu ziehen. Der lokale Grundherr der Nachbarliegenschaften (und Strassenbesitzer) stört sich an unseren ergreisenden Lavendelsträuchern, die sich nicht an die Grenze halten und über die Mauer hängen. Wunderschön doch zugegebenmassen füllig und gross. Seine meterhohen Thujas, über die sich ein anderer anliegender Hausbesitzer schon beschwert hat, weil sie seinen Garten fast komplett beschatten, bleiben aber immer auf geschätzten 3 Metern Höhe, oder mehr. Keine Diskussion. Ich war freundlich und zuvorkommend. Hab mich dann aber geärgert ... 

Arrggh. Nochmals so ein Abgrenz-Thema. Wenn ich die Sträucher so massiv zurücknehme wie gewünscht, kann es sein, dass sie sterben. Nach der Blüte schneiden wir sie. Hm, ich weiss noch nicht recht, was meine Strategie sein wird. Kriegszug definitiv nicht. Aber vielleicht komme ich mit Schläue weiter? *g* Hm, es gibt immer mehrere Wege.

Mein Leben ist wie eine Holperpiste, und doch, im Steuern meines Landrovers werde ich immer besser. Im Grunde weiss ich, wo ich lang will und wie es sich anfühlen soll. Das Vertrauen schwankt und die Sinnesüberreizung über die stolpere ich immer wieder. Mein In-der-Welt-sein bekommt neue Namen und ich weiss, es können Fallen sein. 

Benennen hilft aber manchmal eben doch. Neurodivergent -- statt empfindlich, reizbar, zerstreut, grübelnd und übersensibel klingt einfach besser. Ver-rückt sein hilft auf jeden Fall, weiterzuwachsen und zu lernen. Die Filter waren halt noch nie besonders dicht. Aber so bin ich gemacht. Und so bin ich gemeint. (Danke dass ich wunderbar gemacht bin!) Was mache ich daraus? Was in der Welt und in meiner Umgebung geschieht, be-trifft mich unmittelbar und tief. Das war schon immer so. Mir scheint, es ist wieder ähnlich wie damals als Kind, ich fühle so viel, bekomme so viele Informationen und fühle mich damit manchmal schlicht überfordert. 

Wo mache ich auf, wo setz ich Grenzen?! Wo spiele ich mit den Grenzen, wo mag ich sie erweitern?!

Spannend ... 



Dienstag, 1. August 2023

Eine Art Jahresrückblick im Sommer 2023

Ich hab Lust zu Schreiben, aber wo anfangen? Ein Wust aus Gedanken und Empfindungen. 

Ein so wildes Jahr war das seit letztem August. Das Abenteuer Selbstständigkeit läuft noch und es wechseln in mir die Freude und Lust am beruflichen Unterwegssein und die Existenzangst laufend. Noch nie war ich so viel unterwegs in meinem Leben und habe neue Leute kennengelernt, Kunden und andere Begegnungen. Viel Arbeit! Wenig Geld. Und den Umgang damit. Ratlos, immer wieder und doch ... es geht einfach immer weiter.

So viele "erste Male". Von Böden abschleifen bis 1t Kies bestellen. Das alles wirbelt in mir noch durcheinander und ist wenig fassbar. Die Seelenruhe spüre ich selten. Gerade erschöpft. Zum Ausruhen bin ich jetzt durch die Mattigkeit und das Ausgepowertsein angehalten. 

Ich fühle mich, als wäre ich um einiges gewachsen und müsste mich in dieser neuen Form erst zurechtfinden.

Viele Gartenarbeiten. Bäume schneiden. Nachtwache machen. Fenster reinigen. Umbauen helfen. Räumen. Logoentwurf und Design für unseren Bus gemacht und umsetzen lassen. Wohnungsumbau bei Kundin: Ich lerne Farbsysteme eines englischen Herstellers kennen, malere zum ersten Mal in meinem Leben und helfe dabei, Tapeten aufzuziehen. Unsere Website gemacht. Böden abschleifen mit Handgeräten in einem kleinen Ferienhaus im bergigen Kanton Glarus wo die Drachen wohnen. Seither weiss ich, dass Drachen heutzutage in der Kehrichtverbrennung arbeiten. Macht Sinn. 

Ich vertiefe mein Faible für diese Orte: KVAs, Grüngut-Kompostanlagen, Biogas-Anlagen, Werkhöfe, Industriegebiete/Gewerbegebiete, Deponien und andere "Unorte". 

Meine Liebe zu den Unorten hält unvermindert an. Nischen des Zufälligen, das Abfälligen (haha), von Menschenhand geschaffene Orte ohne den Auftrag schön zu sein. Nix Design. Oder Design by Zufall. ich finde das Lied, etwas böse teilweise, vom "Balkonfrühstück" von Heinz Rudolf Kunze. Die Gitarre am Schluss erinnert mich an diesen anderen Klassiker "Uneasy Rider" von Charlie Daniels, nur vage ein Zusammenhang... aber ich mag auch diesen Song.

Mal wieder an einem spirituellen Seminar dabei gewesen und Heimat gefunden. Im materiellen und nicht materiellen Sinn. Der Kurs war auf der Schwäbischen Alb. Wo ich familiäre Wurzeln habe und ich so seelische Heimat spüre, in Verbindung mit der Landschaft. Und: Der schamanische Weg gehört zu mir. Und ich gehe ihn auf meine eigene Weise jeden Tag. Im November werde ich im Allgäu nochmals an ein Seminar gehen. Ich mag leise und präsente geerdete LehrerInnen die auf Augenhöhe sind. 

An der Pride in Zürich gewesen und den Umzug mit meiner Lebenspartnerin mitgelaufen und ich hab ihn genossen. Es war mein zweites Mal und die Freude ist immer noch gross, ich fühle mich zugehörig. Andererseits ist der Kommerz unübersehbar und das Ende des Umzugs mit der Ankunft bei der Bühne und den Foodständen auf diesem Kasernenareal bizarr. Kein "Place to be". Da will ich einfach wieder weg! Nächstes Jahr ist schon in meinen Kalender eingetragen, meine beste Freundin kommt auch mit. Etwas zwiespältig das ganze, aber interessant.

Es gäbe noch mehr, aber ein ander Mal.

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Freitag, 28. April 2023

Ressourcen // Mit anderen "können"

Mit den Ressourcen ist es ja so, dass sie zwar da sind, aber man nicht immer darauf zurückgreifen kann. Sie sind einer nicht in jeder Situation zugänglich. Dass ich viele Talente, Fähigkeiten und Erfahrungen habe, heisst noch nicht, dass ich immer darauf zurückgreifen kann. Gerade bei (meinen) mentalen Schwierigkeiten kann alles von einem auf den anderen Moment eingefroren sein: Teilweise fordere ich mich auf so vielen Feldern gleichzeitig, dass es von einer Herausforderung zu einer puren Überforderung wird. Fight, Flight, Freeze. Die Schatztruhe meines Lebens schliesst sich und ich hab die Codes und Schlüssel für alle 7 Siegel vergessen ...

Je weiter ich mir Raum nehme, je mehr ich wage, desto näher komme ich meinen Verletzungen und alten Tabus. Es ist ein schmaler Grat zwischen Glück und Unglück, und es liegt :auch: an meinem Fokus. Wenn dieser überall auf einmal ist, ist der Systemabsturz vorprogrammiert. 

Gerade im sozialen Bereich, im Zusammensein mit anderen, sind Hemmungen und Ängste da. In Gruppen von Menschen bin ich besonders angespannt. Manche finden, ich würde so eine Ruhe ausstrahlen. Hm, es ist wohl die Ruhe des schlummernden Vulkans! Ich taste mich da heran, nehme wieder an Gruppenaktivitäten teil, doch es ist schnell zu viel. Ich darf das ernst nehmen. Es gibt kein Entweder-Oder, nur ein Herantasten an das, was für mich passt.


Montag, 10. April 2023

Hummel-Ich (upgedated)

Es gibt doch diesen vielzitierten Spruch von der Hummel, die eigentlich eine zu kleine Flügelfläche hat, um Fliegen zu können. Da sie dies nicht weiss, fliegt sie einfach drauflos. Mir gefällt das Bild. Inzwischen geht man da zwar von einem Berechnungsfehler aus, aber der Hummel ist auch das egal. Die elegantesten Fliegerinnen sind sie nicht, doch sie leben und gedeihen. 

Mir gefällt das Drauflos und die Robustheit der Hummel. Die erste Hummel auf Wohnungssuche hab ich gestern in unserem Garten getroffen. Das Hummel-Ich, das in mir steckt, freute sich.


P.S. vom 11. April 2023

Ich stand am Kleiderschrank und dacht wieder an die Hummel. Und daran, dass wir gerade keine neuen Aufträge für die Firma haben. Weiterfliegen. Immer schön mit den Flügeln schlagen!

Und ein paar Minuten später war da ein Auftrag im Emailpostfach. Sogar noch für diese Woche! Unglaublich...